Atomkraft? Na, gut. Wenns denn sein muss

Im Jahr 2000 beschlossen die Grünen gemeinsam mit der SPD einen Atomausstieg mit einer Laufzeit der Kraftwerke von 30 bis 34 Jahren bei einer fixen Gesamtstrommenge, die die produzieren dürfen. Die Grünen? Genau. Die Partei, die wegen der Parole „Atomausstieg jetzt!“ gewählt worden war, beschloss einen Atomausstieg, der schlappe 22 bis 24 Jahre in der Zukunft liegt. Jetzt ist dieser Haufen halt- und gewissenloser Opportunisten in der Opposition, oder was bei uns so genannt wird, und behauptet, man könne nicht mit den Schwarzen zusammenarbeiten, solange die an der Verlängerung der Laufzeiten festhalten. Cem Özdemir sagte der Rheinischen Post: "Eines ist klar: Uns gibt es 2013 nur auf Basis des Atomausstiegs, wie er 2000 vereinbart wurde.“ Ich kann da beim besten Willen keine Basis erkennen, nur eine große Bereitschaft zur Selbstverläugnung. Bei den Grünen heissen die Bezahlten, glaub ich, „Realos“ im Gegensatz zu den „Fundis“, die als Nochzubezahlende in irgendwelchen Ortsgruppen versauern müssen und sich für die Bundesgarde hoffentlich ordentlich schämen.

Noch 2010 trauen sich die Grünenrealos sowas zu plakatieren:
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Auf dem Plakat fehlt nur die Erklärung, dass die Bedeutung des Wortes „Jetzt“ von gewissen Transferleistungen der Energiekonzerne abhängen kann. Wir wissen ja, dass im erdgeschichtlichen Massstab der Zeitpunkt Jetzt durchaus ein paar Jahrzehnte umfassen kann. Ein Denken in größeren Zeiträumen ist dem Thema ja sowieso angemessen, schließlich wird auch der Müll der KKWs noch einige Jahrtausende vor sich hin strahlen.

Im Kapitalismus gibt es genau zwei mögliche Ursachen für einen Atomausstieg: Die KKWs werfen nicht mehr den gewünschten Gewinn ab. Die Uranvorkommen sind erschöpft. Ich weiss nicht, was davon als erstes passieren wird, aber ich weiss dass davor nichts passiert.
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Wenn Irre Irre kirre machen

Ein paar Evangelikale wollen am 11. September ein Signal setzen: Sie planen ein Autodafé, bei dem sie den Koran verbrennen. Der Widerstand ist groß, schließlich werden sich radikale Muslime sehr provoziert fühlen durch die Bücherverbrennung. Der Pastor Terry Jones des "Dove World Outreach Center", Gainesville, Florida, ruderte daraufhin zurück: „O.K., wenn der arabische Satan Schwierigkeiten macht, nur weil wir seine sündigen Suren verbrennen, dann zünden wir sie eben nur ganz kurz an, eher symbolisch, und pissen das Feuer gleich wieder aus. Ich hoffe dann ist Ruhe an der Front des Guten gegen das Böse. Praise the lord.“
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Eine gegen alles

Tripp trapp die U-Bahn-Treppe hoch und raus ans Licht, haut mir plötzlich dieses Reklametaferl eins auf die Augen:
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Schau an, denkt sich der Doc, an diesem Werbeobjekt stören mich eigentlich nur der schrottige Schalter, die schwule Farbe und die Worte „Effektive“, „erfolgsorientierte“, „Lösungen“, „positive“, „Bewegung“ sowie „Ihr Leben“ und „bringen“. Das ist die Sprache der Unternehmensberater. Das ist das Lebensziel der Heilpraktiker. Hier kommt beides zusammen. Das Dümmste aus zwei Welten.

Drüber steht „Wegezurlebensfreude.de“, nicht zu verwechseln mit „Lebensfreunde.de“, die sich für die Unversehrtheit von Föten einsetzen. Wer führt mich denn nun den Weg zur Lebensfreude? Anja Morgenroth im schönen München tut das. Nachdem kürzlich ein Mann in der U-Bahn versuchte, mich mit Hypnose glücklich zu machen, bin ich jetzt natürlich neugierig, was die Morgenroth so auf der Pfanne hat. Das liest sich so:

„Deep memory process (Tiefenerinnerung) erlaubt ein Hervorholen von Bildern und Erinnerungen aus tieferen Schichten des Unterbewusstseins. Dieser Prozess findet in einer Tiefenentspannung statt. Der Klient erinnert sich hinterher an alles.“ Mit der Tiefenentspannung kann sie bei mir schonmal punkten. Das Hervorholen von Bildern aus tieferen Schichten ist auch super. Ich habe da so ein uraltes, vermutlich noch aus der Renaissance stammendes Fresko in einem der unteren Verliese meines Unterbewusstseins, das muss ganz großartig sein, ein Gruppenakt bei einem Bacchanal in einem Serail ist, glaub ich, zu sehen, aber ich bin nicht entspannt genug, nochmal da hinzufinden und die vielen auch nicht gerade keuschen Deckerinnerungen abzukratzen. Schön, wenn das Frau Morgenroth für mich über- oder unternimmt. Mit gefällt auch, dass ich mich hinterher an alles erinnere, der Hypnoseheini wollte in dieser Hinsicht nichts garantieren.

Das Bild ist da und schon geht alles Schlag auf Schlag! Knoten werden durchtrennt und Ströme entfesselt: „Gebundene Lebensenergie wird nach Lösen von Blockaden und Verstrickungen frei. Das persönliche Energieniveau erhöht sich spürbar.“ Klar. Denn hinter jedem geretteten Tiefenfresko schlummert ein Geysir der – nennen wir das Kind doch beim Namen – der unbändigen Lust, eine brodelnde Quelle, was sage ich, die Morgenröthe der Lebensenergie. Der Deep memory process klingt wohl nicht zufällig nach einer besonders tief gehenden Fellatiovariante. Sex sells, denkt sich der Tiefenheilpraktiker.

Und wann und wogegen hilft das, Frau Morgenroth?

Gegen Energiedefizite natürlich, aber auch bei Beziehungsproblemen, Stagnation („ich stagnier´ heut wieder so“?), Angst vor dem Tod, Krankheiten, Naturkatastrophen und Sinnkrisen. Also immer und gegen alles, was so als übles Hindernis auf dem Weg zur Lebensfreude im Weg liegen könnte. Spätestens jetzt fragt man sich natürlich schon, ob hier nicht der Wunsch der Vater des Hilfsangebotes sein könnte.

Im Impressum steht deshalb sicherheitshalber: „Der Autor behält es sich ausdrücklich vor, […] das gesamte Angebot […] zu löschen“. Warten wir´s ab.
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Imame, die Kant singen

Hamed Abdel-Samad hat ein Buch geschrieben, das den Untergang des Islam vorhersagt (Hamed Abdel-Samad: Der Untergang der islamischen Welt. Eine Prognose). Da beschreibt er, was seines Erachtens der Islam braucht: „Wir brauchen Imame, die Averroes, Kant und Spinoza gelesen haben, und Moscheen, in denen Frauen nicht nur ohne Abtrennung neben Männern beten, sondern auch predigen können. Wir brauchen mehr Mut und mehr klare Worte. Wenn es nach mir ginge, wollte ich den Wahlspruch der Aufklärung von jedem Minarett der islamischen Welt fünfmal am Tag hören: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ – den Wahlspruch würde er sicher nicht fünfmal sondern nur einmal hören. Weil nach mutiger Betätigung seines eigenen Verstandes der Imam sofort von seinem Türmchen heruntersteigt und sich eine andere Beschäftigung sucht.
So denken wohl viele: Wenn es einen aufgeklärten Islam, ein aufgeklärtes Christentum, einen aufgeklärten Zionismus usw. gäbe, dann könnte die Vernunft ihre segensreiche Wirkung in und zwischen den Völkern entfalten. Wenn es aber nunmal nicht der Sache der Religion entspricht, besonders aufgeklärt zu sein? Die Selbstkritik der Religion reicht immer nur bis zum nächsten geoffenbarten oder sonstwie unaufgebbaren Glaubenssatz, resp. Fetisch.
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Was denkt der sich eigentlich?

Bildschirmfoto 2010-08-24 um 18.16.00

Wenn Sie im entspanntesten Urlaub in einem ganz entzückenden Lokal überraschend an Ihrem Partner dieses Gesicht entdecken, dann denkt der vielleicht gerade:

„Wieso bekommt jetzt die die Calamari fritti wieder eher als ich?“

„O.K., das sossenverschmierte Kleinkind lassen wir hier. Dafür nehmen wir die leckere Bedienung mit nach Hause.“

„Yes we can. Ich zähle bis tausend. Wenn in der Zeit nochmal „Wind of Change“ läuft, sprenge ich die Stereoanlage dieser Boazn telekinetisch in die Luft.„

„Die Bierchen waren echt gut nach der ersten Presshalben, der Sangria auch, ein Spitzenrosé danach, tolle Kräuter-, Himbeer- und Erdbeerliköre, einige Pils zwischendurch gegen den klebrigen Geschmack, etwas Caffé corretto zum Wachbleiben, und die paar Grappe runden das Essen doch fein ab. Woher kommt das dann? Aber klar: Der Salat. Der ist schwer verdaulich. Weiß man doch. Ich werde das leichte Magengrummeln einfach ignorieren. Oder vielleicht einen Averna?“

„Bestandsaufnahme: Links rülpsen die Belgier, vorne schwitzen speckig die Kärntner und rechts rumoren lüstern die Russen. Ich könnte die Brille abnehmen. Aber die Ohren? Was mache ich mit den Ohren?“

„Kann da mal bitte jemand die Wand hinten weiß streichen, damit mein Gesicht nicht so blass wirkt?“
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Demokratischer Volksgerichtshof

Eine Schweizer Initiative will sadistische Psychopathen mit dem Tod bestrafen, falls sie bei Ihrer Untat auch sexuell erregt waren und zur Vergewaltigung schritten. Eine seltsame Idee. Damit wäre beispielsweise Hitler der Todesstrafe im gesunden Volksempfinden der Schweizer Initiative entkommen. Aber um Logik geht es bei sowas eh nicht. Begründet werden muss natürlich trotzdem.
In diesem Fall so:

„Die Initiative ist die Antwort auf alle Verbrechen, die einem Menschen das Leben und dessen Würde durch unvorstellbare und grausame Handlungen entreissen. Die Todesstrafe ist in solchen Fällen eine tragische aber letztendlich logische und konsequente Massnahme. Geben wir den Opfern einen Teil Ihrer Würde zurück und ermöglichen den Hinterbliebenen einen Neuanfang. Schauen Sie nicht weg, schützen Sie präventiv unsere Frauen und Kinder und unterstützen Sie die Initiative.“

Darauf wäre zu antworten: „Die Todesstrafe ist einen Antwort auf grausame Verbrechen, die einem Menschen das Leben durch grausame Handlungen entreisst. Sie ist die konsequente Fortsetzung der grausamen Handlungen, nicht ihr Ende, nicht ihre Sühne. Kein Mensch, auch kein Opfer und kein Täter, kann seine Würde verlieren, aber sein Leben. Die Todesstrafe schützt niemanden vor sadistischen Psychopathen. Aber sie macht uns, die Henkershelfer, zu deren Brüdern im kranken Geiste.“

Und wer hat das warnend vorausgesehen, dass die großartige „direkte Demokratie“ der Volksentscheide sich direkt vom Minarettverbot zur Einführung der Todesstrafe bewegen wird? Ganz genau.
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Wagnis

Ich bin Mitglied einer Wohnbaugenossenschaft mit dem schönen Namen „Wagnis“. Ich bin nur Genosse geworden, weil mir der Name so gut gefällt. Der würde jeden Marketingberater in den Wahnsinn treiben. Jetzt möchte ich noch bei der freiwilligen Feuerwehr mitmachen, aber nur im Zug „Inferno“. Wenn es einen Kochclub „Der Kotzlöffel“ gibt - ich bin dabei. Und sogar Greenpeace dürfte auf meine Mitarbeit hoffen, wenn sie sich „Naturfreunde Sisyphos“ nennen wollten.
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Wenn Politiker Anreize geben


... dann sieht das so aus:
Den Hartz IV-Empfängern wird das Elterngeld gekürzt. Familienministerin Schröder verweist „zur Begründung ... in dem Gesetzesentwurf darauf ..., dass es für erwerbsfähige Hartz-IV-Bezieher stärkere Anreize geben müsse, eine Arbeit aufzunehmen.“ Lies und merke: Die faulen Säcke müssen wir aus ihrer sozialen 359 Euro-Hängematte schaukeln. Sonst liegen die uns noch ewig auf der Tasche.
Übersteigt das Nettoeinkommen die 2770 Euro monatlich, greift eine andere ebenso zwingende Logik. Diese Menschen erhalten den Höchstbetrag an Elterngeld (1800 Euro). „Schröder argumentiert, dass es gerade für gut verdienende Männer weiter attraktive Anreize geben müsse, in den Elternurlaub zu gehen.“
Familienpolitik als Mittel der Umverteilung: Was man bei den Einen einspart, um ihnen Anreize zur Arbeit zu schaffen, kann man den Anderen geben, um ihnen Anreize zum Urlaub zu schaffen. Kristina Schröder weiß, für welche Familien Sie Politik zu machen hat. Aber sie ist auch promovierte Soziologin. Sie sollte wissen, was solche Entscheidungen aus einer Gesellschaft machen: Eine ehrenwerte.
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