Affen in der Asse
03.07.09 – warnt vor:Bedrohungen
allenthalben
Das Atomendlager Asse bei Wolfenbüttel ist leck. Seit
1978 fliessen dort täglich 12.000 Liter Wasser rein. Da
unten liegen 120.000 Fässer mit strahlendem Irgendwas.
Macht nix. Zwischen Harz und Heide leben ja nicht soo
viele Menschen. Wenn dort das Grundwasser strahlt,
ziehen die einfach weg. Zum Beispiel nach Gorleben,
dann brauchen sich die Bürgerinitiativen auch nicht
groß umstellen.
Die SZ schreibt heute zur Asse den rätselhaften Satz: Noch immer offen ist, was genau in der Asse eingelagert wurde. So wurde neulich bekannt, dass tausende von verstrahlten Affenkadavern in der Asse liegen. "Die Akten sind nicht systematisch und unvollständig", sagte König.
Geschieht das wirklich hier? Ich meine: In dem gleichen Deutschland, das alle meine finanziellen Transaktionen bis aufs Zehnerl präzise verfolgt, besteuert und speichert? Das seit mindestens 1978 alle meine Sozialversicherungszeiten exakt dokumentiert hat und die von den anderen 80 Millionen auch? Das ist doch das Land, in dem sogar die Verbindungsdaten bei Mobilfunk und Internet gespeichert werden? Jedes Bauwerk mit mehr als 20 Kubikmetern Volumen ist genehmigungspflichtig. Jede Garage, Wintergärten, Gewächshäuschen, der ganze hohle Mist wird geplant, dokumentiert, gespeichert und für spätere Generationen verantwortungsvoll aufbewahrt. Wenn in der Welt irgendwo zuverlässig überwacht wird, dann doch wohl in Deutschland. Die Archive der zahlreichen Ämter und Agenturen für alles, was sich zwischen Nordsee und Alpen befindet quillen dabei über.
Nur die Asse. Ganz großes Überwachungs-Fragezeichen. Irgendwer im Amt für Strahlenschutz kannte wohl mal einen, der sich an verstrahlte Affenkadaver erinnern konnte, aber wie hiess der gleich? Tut mir irgendsoein investigativer Journalist einmal den Gefallen und findet heraus, wo um Himmels willen verstrahlte Affenkadaver herkommen? Könnte er dann noch einen Kollegen darauf ansetzen, wer genau welchen Personen wie viel Geld gegeben hat, damit nichts von dem, was die nächsten mindestens 15.000 Jahre extrem wichtig wäre zu wissen, aufgeschrieben wird?
Die SZ schreibt heute zur Asse den rätselhaften Satz: Noch immer offen ist, was genau in der Asse eingelagert wurde. So wurde neulich bekannt, dass tausende von verstrahlten Affenkadavern in der Asse liegen. "Die Akten sind nicht systematisch und unvollständig", sagte König.
Geschieht das wirklich hier? Ich meine: In dem gleichen Deutschland, das alle meine finanziellen Transaktionen bis aufs Zehnerl präzise verfolgt, besteuert und speichert? Das seit mindestens 1978 alle meine Sozialversicherungszeiten exakt dokumentiert hat und die von den anderen 80 Millionen auch? Das ist doch das Land, in dem sogar die Verbindungsdaten bei Mobilfunk und Internet gespeichert werden? Jedes Bauwerk mit mehr als 20 Kubikmetern Volumen ist genehmigungspflichtig. Jede Garage, Wintergärten, Gewächshäuschen, der ganze hohle Mist wird geplant, dokumentiert, gespeichert und für spätere Generationen verantwortungsvoll aufbewahrt. Wenn in der Welt irgendwo zuverlässig überwacht wird, dann doch wohl in Deutschland. Die Archive der zahlreichen Ämter und Agenturen für alles, was sich zwischen Nordsee und Alpen befindet quillen dabei über.
Nur die Asse. Ganz großes Überwachungs-Fragezeichen. Irgendwer im Amt für Strahlenschutz kannte wohl mal einen, der sich an verstrahlte Affenkadaver erinnern konnte, aber wie hiess der gleich? Tut mir irgendsoein investigativer Journalist einmal den Gefallen und findet heraus, wo um Himmels willen verstrahlte Affenkadaver herkommen? Könnte er dann noch einen Kollegen darauf ansetzen, wer genau welchen Personen wie viel Geld gegeben hat, damit nichts von dem, was die nächsten mindestens 15.000 Jahre extrem wichtig wäre zu wissen, aufgeschrieben wird?
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Kleine Kinder, großer Appetit
23.06.09 – warnt vor:Menschen,
zu meidende
Mein zweijähriger Sohn, der jüngst seinen dritten
Geburtstag feierte, wird wohl bald vier und ich frage
mich, wie das enden soll. Er isst bereits zum Frühstück
drei bis vier Brote dazu Joghurt in schwer bestimmbarer
Menge aus großen Töpfen, Gurken, Cornflakes, Schinken,
Wurst, am liebsten gerollt, Trauben, Orangen, Pizza,
Lasagne, Braten, Knödel und trinkt dazu Leitungswasser,
dass ich mir um die städtischen Vorräte im Mangfalltal
Sorgen mache. Na gut, das ist - ich halte Zeigefinger
und Daumen spalteng zusammen – ein klitzekleines
bisschen übertrieben. Aber die Tendenz ist
unübersehbar: In nur 50 Jahren, wenn er in etwa das
Alter seines Vaters erreicht hat, wird er mit diesem
Ernährungspensum sehr bald wulstartige Verdickungen an
seinem Leib bemerken, die ihm nicht gefallen können.
Ich zeige ihm täglich meine, damit er weiß , was ich
meine, wenn ich ihm sage: Mein Sohn, Du wirst einmal
aussehen, wie dein dicker Papa und dann irgendwann
platzen. Da freut sich der Schlawiner ganz unbändig und
möchte, dass ich auf der Stelle platze, zu seinem
Vergnügen. Zu was bin ich denn sonst da? Zum Essen
kaufen.
Tolle, romantaugliche Orte, die trotzdem keiner mag I
22.06.09 – warnt vor:Menschen,
zu meidende | Gefahren
in Flora und Fauna
„… an der klebrigen Theke der Frittenbude am
Minigolfplatz: zwei frisürlich schwach an Farrah
Fawcett-Majors erinnernde Dorfpomeranzen in lila
Leggings. Die Betonung auf „Dorf“, „Po“, „mehr“ und
„Ranzen“. Prachtweiber mit einer vom Bier bezaubernd
ins Schlingern geratenen Geschmeidigkeit. Die Dickere
stützt sich auf Ihren Schläger. Ein Schritt zurück,
schwankender Anhub des Golfstocks, ein schwacher
Schubser und: Die Kugel kollert durch ein Kleingebirge
aus Pappmaché, poltert über zwei Bodenwellen und ploppt
sanft ins Loch. Vor Glück kreischend läßt sich die
Wuchtbrumme in die Ligusterhecke fallen. „Jaqueline!
Huif mir aus der depperten Hecken aussa! Hilfe!“ Der
Schrei gurgelt Jaqueline durch die Ohren, dass es
schäumt. Die Stimme kennt sie doch? Sie reisst Ihren
Blick los vom unergründlichen Boden ihres Willibechers
und setzt das schwerfällige Räderwerk ihrer Grobmotorik
in Gang. Ziel: Martha im Liguster. Route: Luftlinie,
wenn möglich. Der Dampfer dampft zielstrebig trotz
höchstem Seegang im empfindlichen Innenohrbereich. Wäre
nicht das Pappgebirge wie aus dem Nichts vor ihr
gestanden, hätte sie ihre Sportskameradin auch
planmäßig stehend erreicht. Sie fällt, ehe sie begreift
warum. Weich fängt der wulstige Körper Marthas ihre
wogende Fülle auf. Da dämmert es Schorschi – Platzwirt
und gute Seele von „Schorschi´s´“ Minigolfplatz – sein
Liguster würde nie mehr blühen …“
Also: der Minigolfplatz stellt eine Roman-Location ersten Ranges dar. Kann mit irgendwer ein Buch nennen, das den Minigolfplatz in seiner spezifischen Würde schildert?
Also: der Minigolfplatz stellt eine Roman-Location ersten Ranges dar. Kann mit irgendwer ein Buch nennen, das den Minigolfplatz in seiner spezifischen Würde schildert?
Sammeln Sie Herzen?
22.06.09 –
Manchmal kommt mir eine Idee, die vielleicht eine Idee
zu großartig für mein vorsichtiges Selbstbewusstsein
ist. Die Verkäuferinnen der Ladenkette Tengelmann
fragen, während sie Tulip-Bacon, Tabasco und
Prinzenrolle über den Laser ziehen, immer: „Sammeln Sie
Herzen?“ Ich sehe der Kassenperle dann tief in die
Augen, streiche mir lüstern, hm, ja: lüstern mit zwei
Fingern über den 70er-Jahre Mike-Hammer-Pornoschnauzer
und flüstere: „Nur gebrochene, Herzchen“. Die Rose
hinterm Laufband errötet gierig und ich gehe mit einer
hastig auf den Kassenzettel gekritzelten Nummer nach
Hause. So weit die Idee. Alles daran gefällt mir, der
Einkauf, die Kassiererin, der altmodische Chauvinismus.
Nur der Schnauzer, den pack ich nicht. Das wird dann
wohl nichts werden.