Affen in der Asse

Das Atomendlager Asse bei Wolfenbüttel ist leck. Seit 1978 fliessen dort täglich 12.000 Liter Wasser rein. Da unten liegen 120.000 Fässer mit strahlendem Irgendwas. Macht nix. Zwischen Harz und Heide leben ja nicht soo viele Menschen. Wenn dort das Grundwasser strahlt, ziehen die einfach weg. Zum Beispiel nach Gorleben, dann brauchen sich die Bürgerinitiativen auch nicht groß umstellen.

Die SZ schreibt heute zur Asse den rätselhaften Satz: Noch immer offen ist, was genau in der Asse eingelagert wurde. So wurde neulich bekannt, dass tausende von verstrahlten Affenkadavern in der Asse liegen. "Die Akten sind nicht systematisch und unvollständig", sagte König.

Geschieht das wirklich hier? Ich meine: In dem gleichen Deutschland, das alle meine finanziellen Transaktionen bis aufs Zehnerl präzise verfolgt, besteuert und speichert? Das seit mindestens 1978 alle meine Sozialversicherungszeiten exakt dokumentiert hat und die von den anderen 80 Millionen auch? Das ist doch das Land, in dem sogar die Verbindungsdaten bei Mobilfunk und Internet gespeichert werden? Jedes Bauwerk mit mehr als 20 Kubikmetern Volumen ist genehmigungspflichtig. Jede Garage, Wintergärten, Gewächshäuschen, der ganze hohle Mist wird geplant, dokumentiert, gespeichert und für spätere Generationen verantwortungsvoll aufbewahrt. Wenn in der Welt irgendwo zuverlässig überwacht wird, dann doch wohl in Deutschland. Die Archive der zahlreichen Ämter und Agenturen für alles, was sich zwischen Nordsee und Alpen befindet quillen dabei über.

Nur die Asse. Ganz großes Überwachungs-Fragezeichen. Irgendwer im Amt für Strahlenschutz kannte wohl mal einen, der sich an verstrahlte Affenkadaver erinnern konnte, aber wie hiess der gleich? Tut mir irgendsoein investigativer Journalist einmal den Gefallen und findet heraus, wo um Himmels willen verstrahlte Affenkadaver herkommen? Könnte er dann noch einen Kollegen darauf ansetzen, wer genau welchen Personen wie viel Geld gegeben hat, damit nichts von dem, was die nächsten mindestens 15.000 Jahre extrem wichtig wäre zu wissen, aufgeschrieben wird?

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Kleine Kinder, großer Appetit

Mein zweijähriger Sohn, der jüngst seinen dritten Geburtstag feierte, wird wohl bald vier und ich frage mich, wie das enden soll. Er isst bereits zum Frühstück drei bis vier Brote dazu Joghurt in schwer bestimmbarer Menge aus großen Töpfen, Gurken, Cornflakes, Schinken, Wurst, am liebsten gerollt, Trauben, Orangen, Pizza, Lasagne, Braten, Knödel und trinkt dazu Leitungswasser, dass ich mir um die städtischen Vorräte im Mangfalltal Sorgen mache. Na gut, das ist - ich halte Zeigefinger und Daumen spalteng zusammen – ein klitzekleines bisschen übertrieben. Aber die Tendenz ist unübersehbar: In nur 50 Jahren, wenn er in etwa das Alter seines Vaters erreicht hat, wird er mit diesem Ernährungspensum sehr bald wulstartige Verdickungen an seinem Leib bemerken, die ihm nicht gefallen können. Ich zeige ihm täglich meine, damit er weiß , was ich meine, wenn ich ihm sage: Mein Sohn, Du wirst einmal aussehen, wie dein dicker Papa und dann irgendwann platzen. Da freut sich der Schlawiner ganz unbändig und möchte, dass ich auf der Stelle platze, zu seinem Vergnügen. Zu was bin ich denn sonst da? Zum Essen kaufen.
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Tolle, romantaugliche Orte, die trotzdem keiner mag I

„… an der klebrigen Theke der Frittenbude am Minigolfplatz: zwei frisürlich schwach an Farrah Fawcett-Majors erinnernde Dorfpomeranzen in lila Leggings. Die Betonung auf „Dorf“, „Po“, „mehr“ und „Ranzen“. Prachtweiber mit einer vom Bier bezaubernd ins Schlingern geratenen Geschmeidigkeit. Die Dickere stützt sich auf Ihren Schläger. Ein Schritt zurück, schwankender Anhub des Golfstocks, ein schwacher Schubser und: Die Kugel kollert durch ein Kleingebirge aus Pappmaché, poltert über zwei Bodenwellen und ploppt sanft ins Loch. Vor Glück kreischend läßt sich die Wuchtbrumme in die Ligusterhecke fallen. „Jaqueline! Huif mir aus der depperten Hecken aussa! Hilfe!“ Der Schrei gurgelt Jaqueline durch die Ohren, dass es schäumt. Die Stimme kennt sie doch? Sie reisst Ihren Blick los vom unergründlichen Boden ihres Willibechers und setzt das schwerfällige Räderwerk ihrer Grobmotorik in Gang. Ziel: Martha im Liguster. Route: Luftlinie, wenn möglich. Der Dampfer dampft zielstrebig trotz höchstem Seegang im empfindlichen Innenohrbereich. Wäre nicht das Pappgebirge wie aus dem Nichts vor ihr gestanden, hätte sie ihre Sportskameradin auch planmäßig stehend erreicht. Sie fällt, ehe sie begreift warum. Weich fängt der wulstige Körper Marthas ihre wogende Fülle auf. Da dämmert es Schorschi – Platzwirt und gute Seele von „Schorschi´s´“ Minigolfplatz – sein Liguster würde nie mehr blühen …“

Also: der Minigolfplatz stellt eine Roman-Location ersten Ranges dar. Kann mit irgendwer ein Buch nennen, das den Minigolfplatz in seiner spezifischen Würde schildert?
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Sammeln Sie Herzen?

Manchmal kommt mir eine Idee, die vielleicht eine Idee zu großartig für mein vorsichtiges Selbstbewusstsein ist. Die Verkäuferinnen der Ladenkette Tengelmann fragen, während sie Tulip-Bacon, Tabasco und Prinzenrolle über den Laser ziehen, immer: „Sammeln Sie Herzen?“ Ich sehe der Kassenperle dann tief in die Augen, streiche mir lüstern, hm, ja: lüstern mit zwei Fingern über den 70er-Jahre Mike-Hammer-Pornoschnauzer und flüstere: „Nur gebrochene, Herzchen“. Die Rose hinterm Laufband errötet gierig und ich gehe mit einer hastig auf den Kassenzettel gekritzelten Nummer nach Hause. So weit die Idee. Alles daran gefällt mir, der Einkauf, die Kassiererin, der altmodische Chauvinismus. Nur der Schnauzer, den pack ich nicht. Das wird dann wohl nichts werden.
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