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Kirche und Geld

www.kircheundgeld.de hat die Aufgabe, mir zu sagen, warum ich Kirchensteuer zahlen soll und was mit dem Geld dann geschieht. Ich weiss natürlich längst, was damit geschieht: es wird von der Kirche ausgegeben. So mache ich das auch mit dem Geld. Es ist nahe liegend.
Die Website will mir aber noch mehr erklären. Sie will mir sagen, warum es besonders gut ist, wie die Kirche das Geld ausgibt. Und sie entwickelt dabei einen gewissen Humor der Irreführung. Die frommen Schlawiner schreiben einfach nicht das, was sie ankündigen, sondern irgendetwas seltsam anderes. Das hat was. Wir klicken uns durch das Menu:

  • Menüpunkt 1 „Angebote“: „Kirche ist die erlebte Botschaft von der Liebe Gottes“. Aha. Also ein Erlebnisangebot? Ein Botschaftsevent? Was ist das Angebot? Wir erfahren es noch nicht.
  • Nächster Punkt „Kindergarten und die ersten Schuljahre“: „Wenn Gott die Schulbank drückt“. Eine kühne Überschrift. Tut er das stellvertretend für mich?
  • „Teens“: „Fragen nach dem Warum und Wieso des Lebens drängen nach Antworten“. Da werden die Teenies im Club aber froh sein, wenn mal einer das Wieso und Warum des Abhängens und cool seins beantwortet. Ist doch kein Leben, in so runtergezogenen Hosen Flatrate Limeys saufen, oder?
  • Es wird noch besser. Ich klicke auf „Ausbildung und Studium“. Da empfängt mich die Headline „Kirchenmedien sind informativ und meinungsbildend“. Schau an. Haben die eine Lehrstelle frei?
  • „Partnerschaft und Ehe“: „Die Hochzeitsbibel als Stammbaum- und Erinnerungsdokument“. Sie haben ein Händchen für die wirklich drängenden Probleme, ehrlich.
  • „Beruf und Karriere“: „Kirche im Urlaub gehört zur Erholung.“ Hand auf´s Herz: Denken wir nicht alle ein bisschen an Urlaub, wenn wir „Beruf und Karriere“ lesen?
  • Auch die Alten&Siechen werden nicht verschont. „Krankheit und Reifen“ wird damit übertitelt: „Die Silberne Konfirmation ist eine schöne Gelegenheit, sich zu besinnen und Zwiesprache mit Gott zu halten“. Silberne Konfirmation? Bekomme ich die gerade an den Schläfen, wo mein Haar die Farbe verliert?
  • Zum Sex im Alter heisst es unter „Der zweite Frühling“: „Prädikanten halten Gottesdienste und sind nicht-ordinierte Gemeindemitglieder“. Nun ja, Eingeweihte werden die knisternde Pointe dieses Satzes verstehen.

Die Kirche betreut mich also über meine ganze Lebensspanne hinweg. Das ist demnach das Angebot: Ein Lifecycle-Service. Eine Art Wartungsvertrag. In der Schulzeit darf ich schwänzen, da drückt Gott für mich die Schulbank; in meiner Jugend wird noch schnell die Sinnfrage beantwortet; die Ausbildung ist ohne Schulabschluss natürlich kein Thema, statt dessen höre ich Kirchenfunk; bis ich eine Frau gefunden habe, die bereit ist mit mir eine Stammbaumbibel zu teilen; danach geht es erstmal in die Urlaubskarriere; wenn ich ergraue, tröstet mich ein Gespräch mit Gott, der sicher auch nicht mehr der Jüngste ist; und als dirty old man kann ich mich noch zum nicht-ordinierten Gemeindemitglied fortbilden. Das wäre es in groben Zügen. Eine todsichere Investition.

Sie sind entweder Komiker. Oder etwas unbeholfen. Wahrscheinlich etwas unbeholfene Komiker. Ich finde, da muss jeder selbst wissen, ob er Geld hergibt. Ich will es nicht empfehlen – aber zum Warnen sind sie zu harmlos.