Elefantenjagd

Relativitätstheorie einmal ganz anschaulich: Der Raum muss im Kapitalismus gekrümmt sein, denn das obere und das untere Ende der Karriereleiter berühren sich im Unendlichen. Im unendlichen schwarzen Loch der vergeudeten Zeit. Von relevanter Arbeit befreit wie sonst nur ein Hartz 4 Empfänger sitzen die Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsräte herum und kümmern sich um wichtigere Dinge. Zum Beispiel darum, was im Handelsblatt über sie geschrieben steht. Steht dort etwa, sie trügen "grelle Krawatten mit Jagdmotiven", dann kann das für einen Ferdinand Piech schonmal der Anlass für eine gerichtlich durchgesetzte Gegendarstellung sein.

„Der Verlag hatte daraufhin ein Foto des VW-Aufsichtsratschefs mit einer Krawatte präsentiert, auf der ein Mann mit Gewehr und ein Elefant zu sehen sind. Piëchs Anwalt Prinz behauptete, dass es sich eher um ein Kriegsmotiv handele. Das Gericht führte an, dass auf dem Elefanten ein Tragegestell zu sehen ist. "Transportelefanten werden in der Regel nicht bejagt", sagte ein Gerichtssprecher.“

Was wäre denn nun richtig gewesen? „Grelle Krawatten mit Kriegsmotiven“? „Grelle Krawatten mit bewaffneten Männern vor Transportelefanten“? Wir werden es nie erfahren. Was wir aber jetzt wissen, ist, was den Piech bis ins Grab quälen wird: seine grelle, elefantenfette Eitelkeit. Vielleicht sucht er sich ja ein harmloses Hobby, das seine freie Zeit ausfüllt – eventuell Krawatten mit Kriegsmotiven batiken – dann quält er nicht auch noch die Öffentlichkeit und die von solchen Promi-Ehrhändeln sicherlich genervten Gerichte damit.
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Fußball

Gestern Fußball gesehen. Heute Zeitung gelesen: „Dresden. Nach dem EM-Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei kam es im alternativen Szeneviertel Neustadt zu schweren Ausschreitungen. Mehrere dutzend Nazis griffen mindestens drei türkische Imbisse an und verletzten dabei Menschen. Während in den Straßen türkische Fahnen verbrannt wurden und viele der so genannten alternativen Menschen in Sprechchören immer wieder "Wir hassen die Türkei!" skandierten, griff die anwesende Polizei nur sporadisch in die Szenerie ein.“
Der letzte Satz hat was. Wachtmeister Kalle: „Uwe, solln wir nochma?“, Uwe: „Ich lehn grad soo schön auf meinem Stock, mach ma alleine, O.K., Kalle?“. „Na gut, aber nur kurz. Welchen denn? Ich nehm den Schmächtigen, der ist nich so kriegerisch tätowiert wie die andern Hunnen.“ „Mit egal. Aber mach nich wieder rum im Gewühl bis Du eins auf den Helm kriegst, ja? Wir sollen ja noch länger die Bürger beschützen.“ „Weisst Du was? Ich schick den Neuen und ich bleib hier im Bus.“ „Na gut, aber sag ihm, er soll nicht die ganze hübsche Szenerie zerstören, ich mach grad so geile Einsatzfotos, richtig bedrohlich sehen die aus, meine Uschi wird ihren Helden lieben.“
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Tiergartenquelle

Weil ich wie alles Leben nach Gleichgewichtszuständen strebe, gehe ich seit geraumer Zeit einem Broterwerb nach, der das genaue Gegenteil meiner warnenden und auf die Vermeidung gefährlicher Handlungen zielenden Tätigkeit im Internet darstellt. Grundlebensmittel wie das umwerfend leckere Schweiger Bier (http://schweiger-bier.de/index.php) und kleinere Luxusartikel wie den von Kundigen leidenschaftlich verehrten Son of Hibachi (http://www.daerr.de/bestellen/ergebnis.lasso?id=3348638717180&sta=D&voll=hibachi&vo=d&mr=1&sr=0&-session=shop:C06DBE580c86c18E88NTYm2A87BE) kann ich mir nur darum leisten, weil ich anderen, die das nicht so überzeugend hinbekommen, geduldig dabei helfe, ihre Erzeugnisse und Fähigkeiten einem interessierten Publikum warm zu empfehlen.
Nun wurde ich von meinem Dachverband zu einem zünftigen Treffen nach Berlin in das Lokal „Tiergartenquelle“ mit dieser Fotografie eingeladen:

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Liebe Kollegen, wie werden wir bei dieser Zusammenkunft voraussichtlich die Zeit totschlagen? Indem wir einander die deprimierendsten Texterkrisen beichten? Im Halbdunkel die Backsteinmauern anstarren und leise fluchend der Proletarisierung der Massen in der Frühindustrialisierung nachsinnen? Schweigend trinken, bis wir von den Stühlen kippen? Gelangweilt warten bis der nächste Zug übers Kneipendach rumpelt? Davon träumen, wie schön es zuhause war? Nun, ich werde bei diesem Gildetreffen lieber aussetzen. Vielleicht beim nächsten Mal, z. B. im schönen Markt Schwaben beim Schweiger im sonnigen Bräuhaus.
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Aus Dr. Vogls Kochstudio

Zu einem gesunden Selbstumgang gehört es, sich auch immer wieder selbst mit neuen Fähigkeiten überraschen zu können. Mit gelingt das mühelos, manchmal sogar zur Erheiterung meiner Gäste. „Guten Appetit“ musste ich da nicht mehr wünschen, das Zwerchfell und die Schadenfreude treiben das, hm, Speiseobjekt auch so rein.

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Zeigefinger und Daumen versuchen etwas Neues und fühlen sich wohl dabei

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Zwei Finger, die sonst „sehr gut!“ deuten,
Mal Schräubchen halten, Zwiebeln häuten,
Zwecks Geldabhub ein Kärtchen stecken,
Mal zwickend einen Zwackl necken –

Versuchen etwas Unbestimmtes:
Halb abgepflückt, halb hingedrückt,
Ein Fingerzeig, der weich entzückt.
Wieso? – Du siehst es, schon verschwimmt es.

Die Geste wär´ uns nie begegnet,
Blieb´ unbedacht und ungenossen,
Hätt´ Peter uns nicht reich gesegnet
Und sie für uns in Gold gegossen.
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Alternative Treibstoffe aus Geflügel

Über Öl sprach ich schon und vergaß dabei sicher auch nicht , die drohende Verknappung dieser übelriechenden Naturgottheit der Wachstumsgläubigen zu erwähnen. Trotz ihres religiösen Handicaps haben manche von denen manchmal einen wachen Tag, an dem sie selbst bemerken, dass Alternativen not tun. Dann sagen sie sowas: „Chinas neue Liebe zum Auto lasse sich, so die Manager, eventuell mit alternativem Treibstoff befriedigen, der aus Erdgas, Kohle, Getreide, Zuckerrohr, Algen oder Truthahninnereien, gewinnen lassen. „ (Financial Times Deutschland 11.06.08)

Ein Treibstoff, der aus Truthahninnereinen gewinnen lassen, war bisher sicher nicht nur mir, sondern auch der deutschen Sprache unbekannt. Ich will nicht kleinlich sein, man geht ja mit dem Fortschritt. Nur, wie muss ich mir das praktisch vorstellen? Fünf Zapfsäulen? Super - Extra Super - Diesel - Superdiesel - Turkey?
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Stöckchen heisst das wohl bei Bloggern

Frau Goodytales möchte von mir sechs unwichtige Dinge, Gewohnheiten oder Macken erfahren. So eine Aufforderung zur öffentlichen Kleinbeichte drängelt sich zwar ein wenig ins Private hinein, aber ich werde ihre Neugier dennoch zu stillen wissen.
1) Ich knicke in Büchern Seiten um, damit ich sie leichter wieder finde. Fachleute dieser Unart sprechen von Eselsohren.
2) Ich frage mich bei Fischer, Schäuble, Müntefering etc. seit Jahren immer wieder „warum tun die das? Warum lässt er das nicht? Warum spricht der so?“ – obwohl ich die Antwort weiss.
3) Es ist zwecklos, die Stimme an mich zu richten, wenn ich in einem Alpenvereinsführer lese.
4) Ich könnte mir unter Umständen vorstellen, die Dänemark zu bereisen.
5) Ich kann nicht glauben, dass ich 4) geschrieben habe.
6) Ich apportiere brav wie ein Pudel, wenn mir ein Frauchen ein Stöckchen zuwirft. Wuff.
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Die Wissenschaft hat festgestellt: Emotionsarbeit macht krank

Im Callcenter, am Schalter und als Saftschubse im Flieger: Grinsen ist Pflicht, auch wenn das Herz einen ganz anderen Gesichtsausdruck präferieren würde. Dieses Rumschleimen, weil der Boss es will, macht krank, sagen die Psychologen. Was also tun als gesundheitsbewusste Düse?
„Echte Gefühle machen Kunden zufrieden. Außerdem gibt es bestimmte Vorstellungen, die bei der Freundlichkeit helfen. Flugbegleiter stellen sich beispielsweise bei der Arbeit vor, sie befänden sich in ihrem Wohnzimmer und die Passagiere wären ihre Verwandte.“
(
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28053/1.html)

Das möchte ich lieber nicht erleben, wie der Flugbegleiter mit kaum verhohlenem Sadismus zu mir sagt: „Ach komm schon, ein Scheiberl geht schon noch vom Braten, bist doch ein Mannsbild. Wegen dem kleinen Knödel, hörst, schmeckens Dir etwa nicht? Vielleicht noch ein Haxerl von der Ente? Satt bist? Bist krank, vielleicht? Kriegst an Schnaps. Iss ruhig zu, nachher gibts bloss noch ein wenig Brotzeit und dann Kuchen, weisst schon die Cremetorte, die Du immer so magst…“
Vielleicht will er aber emotional authentisch sein und sagt auf dem Flug, irgendwo über der hässlichen Dänemark, was er denkt: „Jaja. Die böse, böse Uhr. Tja, jetzt waren wir alle mal wieder ein Stünderl zusammen, schön, jetzt müsst Ihr aber leider wieder aufbrechen, weil unsereins noch nach New York weiterfliegen will - allein; war schön, dass wir uns mal wieder an Bord gesehen haben, der Kapitän entriegelt gleich hinten die Ausstiegsluke, ich helf Euch noch in den Mantel, Bussi servus, - nein nein, das sieht nur so hoch aus, also raus mit Euch…“
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Wer sucht, der findet

Seit meiner Jugend beobachte ich einen gewissen Magnetismus, der immer wieder Menschen in meine Nähe bringt, die in der Gaußschen Kurve der Normalverteilung von Zufallsgrößen an den ganz äußeren, hohe Unwahrscheinlichkeit signalisierenden Rändern und Ausläufern der normalen Persönlichkeitsentwicklung zu verorten wären.
gauss

Diese, hm, Individuen werden von anderen gemieden wie der Wertkauf von mir beim Einkauf, wie Menschen mit dem Vornamen Adolf, der Doktor, wenns noch nicht schmerzt, die Hells Angels natürlich und so Premium-Familien wie die Holtzbrinks nicht nur von mir, sondern von jedem vernunftbegabten Wesen. Warum besuchen die also meinen Infotainment-Blog?
Ich kann beweisen, dass es so ist. Google stellt fest, es kommen Leser hierher, die diese Begriffe googeln:
suche

Was mich tröstet, ist die Tatsache, dass etwa 80 % der Besucher meine Seite so schnell wieder verlassen, dass ich annehmen darf, sie kamen nur irrtümlich vorbei und gehen lieber wieder mit irgendeinem Adolf von den Hells Angels in den Wertkauf auf ein kleines christliches Kunstwerk, als meine wichtigen Warnungen zur Kenntnis zu nehmen und zu beherzigen,- was SIE aber doch hoffentlich tun.


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