Sep 2010
Bürgerabend
30.09.10 – warnt vor:Menschen zu meidende
Sarrazin feiert einen Abend mit seinen Fans im Literaturhaus in München und es passiert etwas Unvorhergesehenes: Da, wo sonst so distinguierte, gebildete, still geniessende Münchner Kulturkonsumenten ihre Pfeifchen und Moleskin-Notizblöckchen hintragen, da wurden die Gegner Sarrazins laut und bös gemobt – von dem Münchner Kulturmob. Warum die da öffentlich den Rassisten herauskehren, ist sonnenklar: sie dürfen es dort im Schutz der Masse wagen. Die SZ wundert sich, warum die vielen gebildeten Menschen sich so gehen lassen konnten. Ich wundere mich nicht. Der Sarrazin spricht ihnen aus dem Herzen. Schließlich spürt der Mittelstand, dass seine Felle seit einigen Jahren ins Schwimmen geraten, Hartz 4 ist auch für überdurchschnittlich Verdienende eine ernstzunehmende Bedrohung geworden, denken die. Das weckt den Rassisten im Kleinbildungsbürger. Oder, mit Sarrazin zu sprechen: "Ich bin 65 Jahre alt, lebe noch, war viele Jahrzehnte Beamter, ich habe eine gute Altersversorgung und mein Haus in Berlin ist schuldenfrei. Angst habe ich keine mehr“. Die Münchner Literaturgeniesser wünschen sich von Herzen, dass das auch für Sie so bleibt. Und der Sarrazin erklärt, wie es geht: Weg mit den unnützen Essern, die auch gern in schuldenfreien Häusern leben und eine Pension geniessen würden. Sarrazin und seine Anhänger glauben, damit wäre ein Gedanke, womöglich ein für „Deutschland“ wichtiger Gedanke ausgedrückt. Was Sarrazin wirklich ausspricht, ist ein Reflex. Der Reflex, den Nahrungskonkurrenten auszuschalten. Nichts weiter. Das einzige, was ihn von richtigen Nazis unterscheidet, ist die Weitschweifigkeit. Er muss ein ganzes Buch lang mit Wissenschaft und Rhetorik bluffen, um auszusprechen, was ein Nazi in einem Satz rausbellt. Deutschland den Deutschen.
|
Von Hartz 4 zu Hartz 5
28.09.10 – warnt vor:Bedrohungen allenthalben
Die Empörung ist natürlich groß. Nur fünf Euro mehr sollen die bekommen, die „Basisgeld“ beantragen müssen. Da können Sie sich die Hand, mit der sie es abheben, gleich in den Mund stecken, reichen wird es nämlich nicht. Aber, ernsthaft: Hat irgendwer etwas anderes erwartet?
Und deshalb braucht man auch nur ein, zwei Tage zu warten, bis die Bürgerlichen einen ihrer Erkläresbittedemvolk-Deppen vorschicken, der (Thomas Öchsner ist diesmal sein Name) den Lesern der SZ ausführt, jeder höhere Satz wäre „politischer Selbstmord“ gewesen, das Bundesverfassungsgericht habe auch keinen höheren Satz gewollt, sondern nur eine andere Kalkulation des gleichen Ergebnisses. Warum wäre mehr Stütze „politischer Selbstmord“? Weil das Geld ja dann Anderen, Reicheren genommen werden müsste. Keiner dieser Kommentatoren traut sich auch nur kurz zu denken, dass eine Grundsicherung selbstverständlich eine Umverteilung bedeuten würde – das Geld fliesst von den Sicheren weg zu den Ungesicherten hin. So weit darf es nicht kommen. Öchsner lobt deshalb auch eher das staatliche Almosenwesen, das mit einem „warmen Mittagessen in der Schule, Nachhilfestunden, dem Vereinsbeitrag, den der Staat übernimmt“ sozial exkludierten Kindern sicher massenhaft zum Uniabschluß verhilft. Dass die das schaffen diese Journalisten. Sich jeden Tag hinsetzen und so staatstragendes Zeug runterschreiben. Der Öchsner hat vom Gewerkschaftsbund einen Preis für „investigativen Journalismus“ in Sachen Aktienhandel mit Schrottimmobilien bekommen. Ich muss nicht lesen, was der dazu geschrieben hat. Ich kann es mir denken. Er fand heraus, dass hier sehr sehr viele Menschen böse abgezockt wurden. Und er fand heraus, warum das leider fürs Allgemeinwohl so sein muss. Er fand nicht heraus, wie man den Abzockern das Geld wieder abnimmt. Dafür gibt es nämlich keinen DGB-Preis.
Und deshalb braucht man auch nur ein, zwei Tage zu warten, bis die Bürgerlichen einen ihrer Erkläresbittedemvolk-Deppen vorschicken, der (Thomas Öchsner ist diesmal sein Name) den Lesern der SZ ausführt, jeder höhere Satz wäre „politischer Selbstmord“ gewesen, das Bundesverfassungsgericht habe auch keinen höheren Satz gewollt, sondern nur eine andere Kalkulation des gleichen Ergebnisses. Warum wäre mehr Stütze „politischer Selbstmord“? Weil das Geld ja dann Anderen, Reicheren genommen werden müsste. Keiner dieser Kommentatoren traut sich auch nur kurz zu denken, dass eine Grundsicherung selbstverständlich eine Umverteilung bedeuten würde – das Geld fliesst von den Sicheren weg zu den Ungesicherten hin. So weit darf es nicht kommen. Öchsner lobt deshalb auch eher das staatliche Almosenwesen, das mit einem „warmen Mittagessen in der Schule, Nachhilfestunden, dem Vereinsbeitrag, den der Staat übernimmt“ sozial exkludierten Kindern sicher massenhaft zum Uniabschluß verhilft. Dass die das schaffen diese Journalisten. Sich jeden Tag hinsetzen und so staatstragendes Zeug runterschreiben. Der Öchsner hat vom Gewerkschaftsbund einen Preis für „investigativen Journalismus“ in Sachen Aktienhandel mit Schrottimmobilien bekommen. Ich muss nicht lesen, was der dazu geschrieben hat. Ich kann es mir denken. Er fand heraus, dass hier sehr sehr viele Menschen böse abgezockt wurden. Und er fand heraus, warum das leider fürs Allgemeinwohl so sein muss. Er fand nicht heraus, wie man den Abzockern das Geld wieder abnimmt. Dafür gibt es nämlich keinen DGB-Preis.
Na endlich, sagt der Uhu
24.09.10 – warnt vor:Gefahren in Flora und Fauna
Seit Jahren liegen mir Freunde und Bekannte im Ohr: „Doc, Du bist so ein profunder Kenner der Strigidae namentlich des Bovus bovus, wann erscheint endlich Dein grundlegendes Werk zum Uhu?“ Heute. Und damit es nicht zu fad wird, habe ich es in knappen Versen kindertauglich gereimt und von einer begabten Illustratorin durchgehend bebildern lassen. Nähere Informationen gibt es hier.


Scrivener for Windows
17.09.10 – warnt vor:Bedrohungen allenthalben
Sie schreiben viel, haben sich aber mit der dunklen Seite der Macht verbündet und einen PC gekauft? Schämen Sie sich ein bisschen – – – gut. Das sollte reichen. Denn ich habe heute gute Nachrichten für Sie. Der für Autoren und Texter wichtigste Grund, einen Mac zu kaufen, ist ab 2011 keiner mehr: Denn dann gibt es Scrivener auch für Windows:
http://www.literatureandlatte.com/scrivenerforwindows/
Was ist Scrivener, fragen Sie? Das Werkzeug mit dem ich jeden Tag arbeite. Glücklich. Mein Herz klopft vor Freude, wenn ich daran denke, dass Ende Oktober Scrivener 2.0 erscheint. Zu einem Spottpreis.
Das hier ist eine Website für Warnungen. Betrachten Sie diese kleine Reklame bitte als Ausnahme und freuen Sie sich auf die nächsten Warnungen in naher Zukunft. Obacht!
http://www.literatureandlatte.com/scrivenerforwindows/
Was ist Scrivener, fragen Sie? Das Werkzeug mit dem ich jeden Tag arbeite. Glücklich. Mein Herz klopft vor Freude, wenn ich daran denke, dass Ende Oktober Scrivener 2.0 erscheint. Zu einem Spottpreis.
Das hier ist eine Website für Warnungen. Betrachten Sie diese kleine Reklame bitte als Ausnahme und freuen Sie sich auf die nächsten Warnungen in naher Zukunft. Obacht!
Eine Alternative
16.09.10 – warnt vor:Menschen zu meidende
Die Paranoiden sind sehr berechenbar. Sie werden sich immer so verhalten, dass das, was sie am meisten fürchten (vom Teufel Israel besiegt zu werden), mit der größten Wahrscheinlichkeit geschieht (Israel bombardiert den Iran). Was hat der Achmachmirdenjihad eigentlich für ein Problem? Ich denke, es ist ein großes und altes: Die islamische Welt ist vor ein paar Jahrhunderten, als in England der Kapitalismus und in Frankreich die Revolution erfunden wurde, abgehängt worden. Seitdem sind sie schwächer entwickelt und abhängig. Das zutreffende Gefühl, von den entwickelten Ländern ausgenutzt und übervorteilt zu sein, nährt das Minderwertigkeitsgefühl und die Verfolgungsängste. Er spinnt also mit Grund, was ihn nicht angenehmer macht. Was wäre die Lösung? Die Entwicklung aufzuholen. Der ideale Partner dafür wäre Israel. Ein Land in nächster Nähe mit hohem Innovationspotential, mit Universitäten, einer demokratisch legitimierten Regierung und einem Korruptionslevel, der in etwa dem in Schland entsprechen dürfte. Ein Land auf der Höhe der Zeit. Hier gäbe es Vertragssicherheit und viel zu lernen. Das wäre freilich ein weiter Weg, der ohne Selbstkritik und das Abschneiden vieler religiöser Zöpfe oder Bärte kaum zu gehen ist. Deutlich schneller sind die eigenen Größenphantasien zu Hand, man könne beispielsweise noch vor dem Westen einen Kernfusionsreaktor bauen und sogar den Krebs besiegen. Dabei wünsche ich gutes Gelingen. Ich setz mich jetzt kurz hin und besiege den Kaffeedurst. Ein Mensch braucht realistische Ziele, nicht?
Atomkraft? Na, gut. Wenns denn sein muss
08.09.10 – warnt vor:Menschen zu meidende
Im Jahr 2000 beschlossen die Grünen gemeinsam mit der SPD einen Atomausstieg mit einer Laufzeit der Kraftwerke von 30 bis 34 Jahren bei einer fixen Gesamtstrommenge, die die produzieren dürfen. Die Grünen? Genau. Die Partei, die wegen der Parole „Atomausstieg jetzt!“ gewählt worden war, beschloss einen Atomausstieg, der schlappe 22 bis 24 Jahre in der Zukunft liegt. Jetzt ist dieser Haufen halt- und gewissenloser Opportunisten in der Opposition, oder was bei uns so genannt wird, und behauptet, man könne nicht mit den Schwarzen zusammenarbeiten, solange die an der Verlängerung der Laufzeiten festhalten. Cem Özdemir sagte der Rheinischen Post: "Eines ist klar: Uns gibt es 2013 nur auf Basis des Atomausstiegs, wie er 2000 vereinbart wurde.“ Ich kann da beim besten Willen keine Basis erkennen, nur eine große Bereitschaft zur Selbstverläugnung. Bei den Grünen heissen die Bezahlten, glaub ich, „Realos“ im Gegensatz zu den „Fundis“, die als Nochzubezahlende in irgendwelchen Ortsgruppen versauern müssen und sich für die Bundesgarde hoffentlich ordentlich schämen.
Noch 2010 trauen sich die Grünenrealos sowas zu plakatieren:

Auf dem Plakat fehlt nur die Erklärung, dass die Bedeutung des Wortes „Jetzt“ von gewissen Transferleistungen der Energiekonzerne abhängen kann. Wir wissen ja, dass im erdgeschichtlichen Massstab der Zeitpunkt Jetzt durchaus ein paar Jahrzehnte umfassen kann. Ein Denken in größeren Zeiträumen ist dem Thema ja sowieso angemessen, schließlich wird auch der Müll der KKWs noch einige Jahrtausende vor sich hin strahlen.
Im Kapitalismus gibt es genau zwei mögliche Ursachen für einen Atomausstieg: Die KKWs werfen nicht mehr den gewünschten Gewinn ab. Die Uranvorkommen sind erschöpft. Ich weiss nicht, was davon als erstes passieren wird, aber ich weiss dass davor nichts passiert.
Noch 2010 trauen sich die Grünenrealos sowas zu plakatieren:

Auf dem Plakat fehlt nur die Erklärung, dass die Bedeutung des Wortes „Jetzt“ von gewissen Transferleistungen der Energiekonzerne abhängen kann. Wir wissen ja, dass im erdgeschichtlichen Massstab der Zeitpunkt Jetzt durchaus ein paar Jahrzehnte umfassen kann. Ein Denken in größeren Zeiträumen ist dem Thema ja sowieso angemessen, schließlich wird auch der Müll der KKWs noch einige Jahrtausende vor sich hin strahlen.
Im Kapitalismus gibt es genau zwei mögliche Ursachen für einen Atomausstieg: Die KKWs werfen nicht mehr den gewünschten Gewinn ab. Die Uranvorkommen sind erschöpft. Ich weiss nicht, was davon als erstes passieren wird, aber ich weiss dass davor nichts passiert.
Wenn Irre Irre kirre machen
07.09.10 – warnt vor:Menschen zu meidende
Ein paar Evangelikale wollen am 11. September ein Signal setzen: Sie planen ein Autodafé, bei dem sie den Koran verbrennen. Der Widerstand ist groß, schließlich werden sich radikale Muslime sehr provoziert fühlen durch die Bücherverbrennung. Der Pastor Terry Jones des "Dove World Outreach Center", Gainesville, Florida, ruderte daraufhin zurück: „O.K., wenn der arabische Satan Schwierigkeiten macht, nur weil wir seine sündigen Suren verbrennen, dann zünden wir sie eben nur ganz kurz an, eher symbolisch, und pissen das Feuer gleich wieder aus. Ich hoffe dann ist Ruhe an der Front des Guten gegen das Böse. Praise the lord.“
Eine gegen alles
07.09.10 – warnt vor:Menschen zu meidende | Bedrohungen allenthalben
Tripp trapp die U-Bahn-Treppe hoch und raus ans Licht, haut mir plötzlich dieses Reklametaferl eins auf die Augen:

Schau an, denkt sich der Doc, an diesem Werbeobjekt stören mich eigentlich nur der schrottige Schalter, die schwule Farbe und die Worte „Effektive“, „erfolgsorientierte“, „Lösungen“, „positive“, „Bewegung“ sowie „Ihr Leben“ und „bringen“. Das ist die Sprache der Unternehmensberater. Das ist das Lebensziel der Heilpraktiker. Hier kommt beides zusammen. Das Dümmste aus zwei Welten.
Drüber steht „Wegezurlebensfreude.de“, nicht zu verwechseln mit „Lebensfreunde.de“, die sich für die Unversehrtheit von Föten einsetzen. Wer führt mich denn nun den Weg zur Lebensfreude? Anja Morgenroth im schönen München tut das. Nachdem kürzlich ein Mann in der U-Bahn versuchte, mich mit Hypnose glücklich zu machen, bin ich jetzt natürlich neugierig, was die Morgenroth so auf der Pfanne hat. Das liest sich so:
„Deep memory process (Tiefenerinnerung) erlaubt ein Hervorholen von Bildern und Erinnerungen aus tieferen Schichten des Unterbewusstseins. Dieser Prozess findet in einer Tiefenentspannung statt. Der Klient erinnert sich hinterher an alles.“ Mit der Tiefenentspannung kann sie bei mir schonmal punkten. Das Hervorholen von Bildern aus tieferen Schichten ist auch super. Ich habe da so ein uraltes, vermutlich noch aus der Renaissance stammendes Fresko in einem der unteren Verliese meines Unterbewusstseins, das muss ganz großartig sein, ein Gruppenakt bei einem Bacchanal in einem Serail ist, glaub ich, zu sehen, aber ich bin nicht entspannt genug, nochmal da hinzufinden und die vielen auch nicht gerade keuschen Deckerinnerungen abzukratzen. Schön, wenn das Frau Morgenroth für mich über- oder unternimmt. Mit gefällt auch, dass ich mich hinterher an alles erinnere, der Hypnoseheini wollte in dieser Hinsicht nichts garantieren.
Das Bild ist da und schon geht alles Schlag auf Schlag! Knoten werden durchtrennt und Ströme entfesselt: „Gebundene Lebensenergie wird nach Lösen von Blockaden und Verstrickungen frei. Das persönliche Energieniveau erhöht sich spürbar.“ Klar. Denn hinter jedem geretteten Tiefenfresko schlummert ein Geysir der – nennen wir das Kind doch beim Namen – der unbändigen Lust, eine brodelnde Quelle, was sage ich, die Morgenröthe der Lebensenergie. Der Deep memory process klingt wohl nicht zufällig nach einer besonders tief gehenden Fellatiovariante. Sex sells, denkt sich der Tiefenheilpraktiker.
Und wann und wogegen hilft das, Frau Morgenroth?
Gegen Energiedefizite natürlich, aber auch bei Beziehungsproblemen, Stagnation („ich stagnier´ heut wieder so“?), Angst vor dem Tod, Krankheiten, Naturkatastrophen und Sinnkrisen. Also immer und gegen alles, was so als übles Hindernis auf dem Weg zur Lebensfreude im Weg liegen könnte. Spätestens jetzt fragt man sich natürlich schon, ob hier nicht der Wunsch der Vater des Hilfsangebotes sein könnte.
Im Impressum steht deshalb sicherheitshalber: „Der Autor behält es sich ausdrücklich vor, […] das gesamte Angebot […] zu löschen“. Warten wir´s ab.

Schau an, denkt sich der Doc, an diesem Werbeobjekt stören mich eigentlich nur der schrottige Schalter, die schwule Farbe und die Worte „Effektive“, „erfolgsorientierte“, „Lösungen“, „positive“, „Bewegung“ sowie „Ihr Leben“ und „bringen“. Das ist die Sprache der Unternehmensberater. Das ist das Lebensziel der Heilpraktiker. Hier kommt beides zusammen. Das Dümmste aus zwei Welten.
Drüber steht „Wegezurlebensfreude.de“, nicht zu verwechseln mit „Lebensfreunde.de“, die sich für die Unversehrtheit von Föten einsetzen. Wer führt mich denn nun den Weg zur Lebensfreude? Anja Morgenroth im schönen München tut das. Nachdem kürzlich ein Mann in der U-Bahn versuchte, mich mit Hypnose glücklich zu machen, bin ich jetzt natürlich neugierig, was die Morgenroth so auf der Pfanne hat. Das liest sich so:
„Deep memory process (Tiefenerinnerung) erlaubt ein Hervorholen von Bildern und Erinnerungen aus tieferen Schichten des Unterbewusstseins. Dieser Prozess findet in einer Tiefenentspannung statt. Der Klient erinnert sich hinterher an alles.“ Mit der Tiefenentspannung kann sie bei mir schonmal punkten. Das Hervorholen von Bildern aus tieferen Schichten ist auch super. Ich habe da so ein uraltes, vermutlich noch aus der Renaissance stammendes Fresko in einem der unteren Verliese meines Unterbewusstseins, das muss ganz großartig sein, ein Gruppenakt bei einem Bacchanal in einem Serail ist, glaub ich, zu sehen, aber ich bin nicht entspannt genug, nochmal da hinzufinden und die vielen auch nicht gerade keuschen Deckerinnerungen abzukratzen. Schön, wenn das Frau Morgenroth für mich über- oder unternimmt. Mit gefällt auch, dass ich mich hinterher an alles erinnere, der Hypnoseheini wollte in dieser Hinsicht nichts garantieren.
Das Bild ist da und schon geht alles Schlag auf Schlag! Knoten werden durchtrennt und Ströme entfesselt: „Gebundene Lebensenergie wird nach Lösen von Blockaden und Verstrickungen frei. Das persönliche Energieniveau erhöht sich spürbar.“ Klar. Denn hinter jedem geretteten Tiefenfresko schlummert ein Geysir der – nennen wir das Kind doch beim Namen – der unbändigen Lust, eine brodelnde Quelle, was sage ich, die Morgenröthe der Lebensenergie. Der Deep memory process klingt wohl nicht zufällig nach einer besonders tief gehenden Fellatiovariante. Sex sells, denkt sich der Tiefenheilpraktiker.
Und wann und wogegen hilft das, Frau Morgenroth?
Gegen Energiedefizite natürlich, aber auch bei Beziehungsproblemen, Stagnation („ich stagnier´ heut wieder so“?), Angst vor dem Tod, Krankheiten, Naturkatastrophen und Sinnkrisen. Also immer und gegen alles, was so als übles Hindernis auf dem Weg zur Lebensfreude im Weg liegen könnte. Spätestens jetzt fragt man sich natürlich schon, ob hier nicht der Wunsch der Vater des Hilfsangebotes sein könnte.
Im Impressum steht deshalb sicherheitshalber: „Der Autor behält es sich ausdrücklich vor, […] das gesamte Angebot […] zu löschen“. Warten wir´s ab.
Imame, die Kant singen
06.09.10 – warnt vor:Menschen zu meidende
Hamed Abdel-Samad hat ein Buch geschrieben, das den Untergang des Islam vorhersagt (Hamed Abdel-Samad: Der Untergang der islamischen Welt. Eine Prognose). Da beschreibt er, was seines Erachtens der Islam braucht: „Wir brauchen Imame, die Averroes, Kant und Spinoza gelesen haben, und Moscheen, in denen Frauen nicht nur ohne Abtrennung neben Männern beten, sondern auch predigen können. Wir brauchen mehr Mut und mehr klare Worte. Wenn es nach mir ginge, wollte ich den Wahlspruch der Aufklärung von jedem Minarett der islamischen Welt fünfmal am Tag hören: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ – den Wahlspruch würde er sicher nicht fünfmal sondern nur einmal hören. Weil nach mutiger Betätigung seines eigenen Verstandes der Imam sofort von seinem Türmchen heruntersteigt und sich eine andere Beschäftigung sucht.
So denken wohl viele: Wenn es einen aufgeklärten Islam, ein aufgeklärtes Christentum, einen aufgeklärten Zionismus usw. gäbe, dann könnte die Vernunft ihre segensreiche Wirkung in und zwischen den Völkern entfalten. Wenn es aber nunmal nicht der Sache der Religion entspricht, besonders aufgeklärt zu sein? Die Selbstkritik der Religion reicht immer nur bis zum nächsten geoffenbarten oder sonstwie unaufgebbaren Glaubenssatz, resp. Fetisch.
So denken wohl viele: Wenn es einen aufgeklärten Islam, ein aufgeklärtes Christentum, einen aufgeklärten Zionismus usw. gäbe, dann könnte die Vernunft ihre segensreiche Wirkung in und zwischen den Völkern entfalten. Wenn es aber nunmal nicht der Sache der Religion entspricht, besonders aufgeklärt zu sein? Die Selbstkritik der Religion reicht immer nur bis zum nächsten geoffenbarten oder sonstwie unaufgebbaren Glaubenssatz, resp. Fetisch.


