Trendsport Selbstmord: Spanien geht voran
04.03.10 – warnt vor:Bedrohungen
allenthalben | Nachrichten
Der Selbstmord war 2009 die häufigste nicht
natürliche Todesursache in Spanien. Mich
wundert das seltsame „nicht natürlich“ an der
Beschreibung der Suizide. Ja was sind sie denn
dann? Psychisch bedingte Selbstmorde? Soziale?
Unerklärliche? Nachdem die Menschen im
Allgemeinen ganz gerne leben, sollte der
natürliche Grund der Selbstmorde da zu suchen
sein, wo die Lebenslust am Ende ist: in der
Verzweiflung. Würden die Statistiker aber
korrekt schreiben „2009 war in Spanien das Jahr
der Verzweiflungstoten“, dann wäre das
vielleicht einfach a) zu traurig für die Presse
und b) würde Fragen wecken nach dem Warum. Sowas
hat Gründe. Schon Peter Hacks hat die enorme
Selbstentleibungskraft des Kapitalismus betont.
Es wundert mich also nicht, dass die Menschen in
der Krise dem System in den Abgrund
nachspringen. Es geht zur Not aber auch ohne
Verzweiflung. Auf Platz zwei der Statistik nicht
natürlicher Todesursachen stehen die
Verkehrstoten, gleichsam die natürlichen, dem
System immanenten Selbstmorde im Kapitalismus.
2008 waren es in Spanien 3008 Menschen, die
meisten geopfert auf den Altaren der
Automobilindustrie. Der Glaube an die
individuelle Mobilität, die angeblich etwas mit
der Freiheit der Bürger zu tun haben soll, ist
die wirksamste Anleitung zum Suizid, eine, die
neben den Mitteln zum Freitod immer wieder auch
gleich den Grund mitliefert. Siehe oben.
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