Trendsport Selbstmord: Spanien geht voran

Der Selbstmord war 2009 die häufigste nicht natürliche Todesursache in Spanien. Mich wundert das seltsame „nicht natürlich“ an der Beschreibung der Suizide. Ja was sind sie denn dann? Psychisch bedingte Selbstmorde? Soziale? Unerklärliche? Nachdem die Menschen im Allgemeinen ganz gerne leben, sollte der natürliche Grund der Selbstmorde da zu suchen sein, wo die Lebenslust am Ende ist: in der Verzweiflung. Würden die Statistiker aber korrekt schreiben „2009 war in Spanien das Jahr der Verzweiflungstoten“, dann wäre das vielleicht einfach a) zu traurig für die Presse und b) würde Fragen wecken nach dem Warum. Sowas hat Gründe. Schon Peter Hacks hat die enorme Selbstentleibungskraft des Kapitalismus betont. Es wundert mich also nicht, dass die Menschen in der Krise dem System in den Abgrund nachspringen. Es geht zur Not aber auch ohne Verzweiflung. Auf Platz zwei der Statistik nicht natürlicher Todesursachen stehen die Verkehrstoten, gleichsam die natürlichen, dem System immanenten Selbstmorde im Kapitalismus. 2008 waren es in Spanien 3008 Menschen, die meisten geopfert auf den Altaren der Automobilindustrie. Der Glaube an die individuelle Mobilität, die angeblich etwas mit der Freiheit der Bürger zu tun haben soll, ist die wirksamste Anleitung zum Suizid, eine, die neben den Mitteln zum Freitod immer wieder auch gleich den Grund mitliefert. Siehe oben.
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