Von Hartz 4 zu Hartz 5

Die Empörung ist natürlich groß. Nur fünf Euro mehr sollen die bekommen, die „Basisgeld“ beantragen müssen. Da können Sie sich die Hand, mit der sie es abheben, gleich in den Mund stecken, reichen wird es nämlich nicht. Aber, ernsthaft: Hat irgendwer etwas anderes erwartet?

Und deshalb braucht man auch nur ein, zwei Tage zu warten, bis die Bürgerlichen einen ihrer Erkläresbittedemvolk-Deppen vorschicken, der (Thomas Öchsner ist diesmal sein Name) den Lesern der SZ ausführt, jeder höhere Satz wäre „politischer Selbstmord“ gewesen, das Bundesverfassungsgericht habe auch keinen höheren Satz gewollt, sondern nur eine andere Kalkulation des gleichen Ergebnisses. Warum wäre mehr Stütze „politischer Selbstmord“? Weil das Geld ja dann Anderen, Reicheren genommen werden müsste. Keiner dieser Kommentatoren traut sich auch nur kurz zu denken, dass eine Grundsicherung selbstverständlich eine Umverteilung bedeuten würde – das Geld fliesst von den Sicheren weg zu den Ungesicherten hin. So weit darf es nicht kommen. Öchsner lobt deshalb auch eher das staatliche Almosenwesen, das mit einem „warmen Mittagessen in der Schule, Nachhilfestunden, dem Vereinsbeitrag, den der Staat übernimmt“ sozial exkludierten Kindern sicher massenhaft zum Uniabschluß verhilft. Dass die das schaffen diese Journalisten. Sich jeden Tag hinsetzen und so staatstragendes Zeug runterschreiben. Der Öchsner hat vom Gewerkschaftsbund einen Preis für „investigativen Journalismus“ in Sachen Aktienhandel mit Schrottimmobilien bekommen. Ich muss nicht lesen, was der dazu geschrieben hat. Ich kann es mir denken. Er fand heraus, dass hier sehr sehr viele Menschen böse abgezockt wurden. Und er fand heraus, warum das leider fürs Allgemeinwohl so sein muss. Er fand nicht heraus, wie man den Abzockern das Geld wieder abnimmt. Dafür gibt es nämlich keinen DGB-Preis.
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