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Bedrohungen allenthalben

Endlich Frieden – gemeinsam können wir es schaffen

Selbst unwahrscheinliche Zustände, wie der Friede auf Erden, lassen sich mit etwas Konzentration und geeigneten Stimulantien ganz einfach herstellen. Man muss nur wollen, üben und eisern aber entspannt dran bleiben. Zum Beweis meiner hoffnungsfrohen These zeige ich ein Bild, auf dem die paranormal begabten Medien Jens, Werner und der Doktor der beiden durch bloße kollektive Willensanspannung und Trinkdisziplin einmal einen wunderschönen Regenbogen im Raum erzeugten. Als Vorschein einer Zukunft, die alle Hoffnungen der fliegenden Yogis hell überstrahlen wird. Und die der Brauereien sowieso.

fest

kein Kommentar

Haloscan ist ein kostenloser Anbieter für Blogkommentarhosting – gewesen. Die Firma stellt den Dienst ein und nimmt mir damit die Kommentarfunktion weg. Sobald ich einen neuen aufgetrieben habe, können Sie wieder Ihren Senf dazugeben, wenn Dr. Vogl warnt. Also nicht traurig sein. Denn: Wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.

Heute schon gegruselt?

Frank T. Zumbachs Mysterious World ist eine kurzweilige Geisterbahn für alle, die ihren Kunstgenuss an den abgenagten Fingernägeln und elektrisierten Frisuren erkennen. Aber Vorsicht:

„Spaziert im Walde nicht der Clown Barsaq?
Schminkt er die Birkenrinde nicht mit flammend Rot?
Schlägt nicht mit flinken Pinselstrichen er gleich tot
der Sonntagsausflügler versturtes Pack?“

Nur lustig ist der Wonnegrusel auch nicht gemeint.
Welcome to his Nightmares

Ein Buch ist ein Buch ist ein Scheit

Die Gazette schreibt heute:
„Eine Londoner Zeitung berichtete am Dienstag, dass minderbemittelte Rentner in Wohltätigkeitsläden billige Bücher kaufen und sie als Heizmaterial verbrennen, um es in der strengen Kälte, die Großbritannien fest im Griff hat, warm zu haben.“

Die minderbemittelten Rentner lehren mich alles, was ich über das Verhältnis von Geist und Materie im Kapitalismus wissen muss. Ausserdem erstrahlen so Bolognaprozess, Studiengebühren und die ganzen Exzellenzinitiativen der deutschen Bildungselite einmal in dem richtigen Licht: Dem wärmenden Lodern des Kaminfeuers in den Häusern der sozial Exkludierten.
Andererseits: Während vier bis fünf Schwarten von Martin Walser den Raum gemütlich warm halten, kann ich schon fast ein Buch von Robert Walser durchlesen. Darauf könnte ich mich zur Not schon auch einlassen.

Captain Berlin rocks

Der Film: Hitlers Leibarzt, Nazi-Shewolf Dr. Ilse von Blitzen, hat Führers Gehirn mit Augen vor dem Untergang bewahrt und will den Gröfaz nun irgendwie wieder zum echten Leben erwecken. Das klappt nicht recht. Sie hat dazu zuerst einen Golem aus SS-Leichenteilen zusammengeschustert, der von dem unsterblichen Dracula lebendig gebissen werden soll. Der beisst aber lieber in die blonde Tochter von Captain Berlin als in Leichenteile, ausserdem ist er Kommunist. Captain Berlin nimmt die Verfolgung auf, um seine vom Fürsten der Finsternis entführte Tochter zu retten.
Dr. von Blitzen entsorgt derweil das Monster und packt den Führer in eine bewaffnete Blechkiste mit Rädern, den Hitlerrobo. Captain Berlin schaut bei Hitler vorbei und sucht einen Priester auf, der ihn mit Knoblauch, Kreuz und Weihwasserwumme auf Dracula vorbereitet und zieht los ins Brandenburger Schloss. Er kämpft dort mit Dracula, der Hitlerrobo mit Entourage kommt auch dazu und den Schluss gucken Sie sich selbst an, bitte.

Ein recht übersichtlicher Plot, aber was ist das eigentlich? Einem an einen fiktiven alten Comic angelehnten Theaterstück, das gerne ein Retrofilm wäre, wird sein Wunsch erfüllt. Seine Aufführung wird abgefilmt und zu schrottiger Retrocomicoptik am Computer überbastelt. Ein doppelter Gattungsschwindel ähnlich wie in der Rocky Horror Picture Show, die auch noch ein Musical sein will.

Das ist sehr genussvoll anzusehen. Das Ganze strotzt vor Genreklischees und das soll es wohl auch. Ich sehe darin die Hauptbotschaft dieses Films: Einem untoten Monstrum wie Hitler wird man nur so gerecht, dass man es neben Dracula und Frankenstein auftreten lässt. Sein künstlerischer Ort nach der Tragödie ist die unterste Schublade der Groschenhorrorcomic-Unterhaltung. Selbst der Landserroman tut ihm noch zuviel Ehre an. Versuche der hohen Filmkunst, sich dem Phänomen Hitler mittels Bruno Ganzschem Einfühlungsvermögen psychologisch zu nähern, sind gescheitert. Es ist ziemlich ekelhaft, den Führer als gebrochenen alten Mann vorgestellt zu bekommen. Als boshaftes Gehirn mit Stielaugen sehe ich ihn viel lieber.

Und noch eine andere Frage beantwortet der Film abschließend und gültig: Jimmy Hendrix hat über die USA alles Wichtige gesagt, als er die Nationalhymne auf seiner elektrischen Gitarre zersägte. Wie könnte man Deutschland durch die deutsche Hymne auf vergleichbare Weise verständlich machen? Man zerpfeift sie auf einer Blockflöte. Sehr deutsch und sehr schön.

Gefährliche Zahlen – charmante Wissenschaft

Wenn man in Georg Wagners „Einführung in die Erd- und Landschaftsgeschichte“ von 1931 im Vorwort nur immer die ersten Sätze der Absätze liest, wird einem der Wagner auf seltsame Weise sympathisch:

„Seit zwei Jahrzehnten stehe ich immer wieder vor der schönen Aufgabe, andere in die Geheimnisse der Erd- und Landschaftsgeschichte einzuführen. […]
Nun lernt man gerade diese Wissenschaft am allerwenigsten aus Büchern. […]
Aus demselben Grund ist das Buch auch reich mit Bildern ausgestattet. […]
Das Buch bringt auch viele Zahlen. […]
Es ist unmöglich, bei dem weit umfassenden Arbeitsfeld überall Fachmann zu sein, […]
Den Nichtfachmann muss man besonders darauf hinweisen, daß einen so junge Wissenschaft noch nicht am Ziel ist. […]
Das Werk ist bestimmt für alle, die ihre Heimat näher kennenlernen möchten. […]
Möge das Werk der Geologie neue Freunde gewinnen und uns inniger verwurzeln mit unserer Heimat, der Quelle unserer Kraft. Glück auf!“


Was für ein kluger, bescheidener Mensch. Der klassisch-schöne Satz „das Buch bringt auch viele Zahlen“ sollte m. E. verpflichtend sein für jede naturwissenschaftliche Veröffentlichung – die Warnung ist einfach zu putzig.

Die Botschaft der Engel

Die ev. Kirche lädt mich ein zu einer Veranstaltung

im Festsaal der St. Johanneskirche mit Rudolf Lenhard zum Thema: der Mensch, die Globalisierung und die Moral

Kurz nach Kopenhagen und kurz vor Weihnachten möchten wir an diesem Abend unser Menschsein im globalen Horizont verorten. Die weihnachtliche Botschaft der Engel, Friede auf Erden, bedeutet viel in diesen Tagen.

Rudolf Lenhard, seit Jahren in einem internationalem Unternehmen tätig und zudem vielfältig in sozialen Projekten engagiert, wird mit uns die Frage diskutieren, wo der Ort des Einzelnen in der globalen Welt ist und wie die Verantwortung jedes Einzelnen Aussehen kann, ohne, dass die Aufgaben erdrücken oder ohnmächtig machen. Es geht an diesem Abend nicht um den moralischen Zeigefinger, sondern darum, wie wir mit Globalisierung (vielleicht lustvoll) gestalten können. Dies wollen wir in gewohnt heiterer Atmosphäre bei Wasser, Wein und Brot diskutieren.


Da nimmt sich ein sozial engagierter Herr Lenhard, der hastig gegoogelt ein CEO der Swiss Re sein könnte, und in dieser Funktion gerade die Wachstumspotentiale Lateinamerikas abzugrasen beginnt (http://www.bnamericas.com/interviews/insurance/Rudolf_Lenhard_,Munich_Re), einen ganzen Abend Zeit für die Gemeinde. Ihm wird zugesichert, der moralische Zeigefinger wird nicht erhoben und Spaß, vielleicht lustvoll, wird es ihm auch machen, wenn er diskutiert, „wo der Ort des Einzelnen in der globalen Welt ist“. Dabei sind diese Orte doch allesamt bekannt. Es sind drei: Da gibt es oben (CEO), unten und ganz unten. Selten bekommt man die Funktion der Religion so auf einen Blick präsentiert wie in dieser Einladung. Die Botschaft der Engel: In gewohnt heiterer Atmosphäre das Unerträgliche weiter gestalten. Und der Vorstand der Globalisierung nickt väterlich dazu.

... was die Geschichte noch nicht kannte

Ganz eigenartig ist es, wenn in Deutschland sich mittlerweile die dritte Generation ehemals tschechischer und polnischer „Deutscher“ so vertrieben fühlt, wie nur je der Großpapa. Die Landsmannschaften unterscheiden einen Erlebnis- und einen Bekenntniskreis. Die Ersten haben die Vertreibung erlebt, die Anderen bekennen sich zu, ja, zu was denn eigentlich? Zum Nationalsozialismus? Egal. Sie wollen „ihre“ Scholle zurückhaben und verfolgen dieses Ziel unnachgiebig. Die CDU hilft dabei mit. Weit werden Sie damit eh nicht kommen.
Was mir allerdings von Zeit zu Zeit die Haare zu Berge stehen lässt, ist die weinerliche Selbststilisierung zu Jahrtausendopfern, mit der das revanchistische Getue notorisch einhergeht. Die Steinbach schreibt beispielsweise:

Stalins harte Faust lag über halb Europa und raffte Millionen Menschen vieler Völker dahin und in diesem Machtbereich geschah etwas in seiner Dimension bis dahin Ungekanntes, was die katholischen Bischöfe der USA am 17. November 1946 in einem gemeinsamen Hirtenbrief unmissverständlich geißelten. „In Europa ist etwas geschehen, was die Geschichte bis dahin noch nicht kannte. Auf Grund eines Abkommens zwischen den Siegerstaaten wurden Millionen von deutschen Menschen, die seit Jahrhunderten in Osteuropa ansässig waren, von ihrer Heimatscholle vertrieben und mittellos in das Herz Deutschlands gestoßen. Die Leiden dieser Menschen ... erzählen uns eine traurige Geschichte von der Unmenschlichkeit solcher Vertreibung."

Man wird dem Text durchaus gerecht, wenn man ihn kitschig, verlogen und sachlich falsch nennt. Vertreibungen gehören zur Geschichte der Menschheit wie Krieg, Not und Seuchen. Wenn einer 1946 schreibt, in Europa sei ein bislang noch nicht da gewesenes Verbrechen geschehen, und er meint nicht den Holocaust, der spinnt ganz einfach. Diese so genannten deutschen Menschen, die da vertrieben wurden, mussten zum Teil einfach Geraubtes zurückgeben, waren zum Großteil selbst Nazis gewesen, hatten sich herrenmenschlich aufgeführt auf ihrer „Scholle“ und wurden dann „mittellos in das Herz Deutschlands gestossen“, also dem politischen System zugetrieben, in dem sie sowieso lieber leben wollten als hinter dem antifaschistischen Schutzwall des Warschauer Paktes. Wie ging es Ihnen, nachdem Deutschland sie an sein großes Herz gedrückt hatte? Man kann es in einem Wort sagen: Gut. Sogar Ausländer zum piesacken gab es bald schon wieder.

Die große Schmähung der Wurstfabrik

Magnus Klaue holt in der Konkret weit aus („Der Text ist Wurst“,
http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=dertextistwurst&jahr=2009&mon=12
und haut der Textguerilla auf den Kopf, dass die sich verwundert die Augen reiben: Was will der denn von uns? (http://www.textguerilla.de/2009/11/26/ich-bin-dann-mal-wurst-machen/) „Die Mitglieder der "Protextbewegung" wollen der Sprache nicht nur den letzten Rest an Geist austreiben, sondern sich dafür auch noch gut bezahlen lassen.“ Das schreibt er und glaubt am Ende dran.

Herr Klaue, es ist viel eher so: In der Produktionskette stehen vorne die Arbeiter am Band und stellen Autos her, die keiner braucht. Hinten in der gleichen Kette sitzen Texter am Schreibtisch und helfen mit, das überflüssige Zeug zu verkaufen. Wenn Sie sich also darüber freuen, dass die Arbeiter und Angestellten in Betriebsräten und Gewerkschaften für stabile Löhne kämpfen, dann sollten sie ähnliche Versuche der zumeist freischaffenden Texter doch auch goutieren können? Um mehr geht es nicht. Ich werde der Sprache kein Leid antun. Dem Geist auch nicht. Versprochen. Rotfront, Genosse.

Was der Doc am liebsten hört: John McCormack

Heute warne ich Sie einmal vor schlechtem Gesang. Warum sollten Sie sich Andrea Bocelli oder Jose Carreras anhören, wenn ein John McCormack es bereits 1920 besser konnte? Ich kann Ihnen das beweisen.
Mozarts Il mio tesoro von McCormack ist die Referenzarie seit etwa hundert Jahren und wird es wohl auch die nächsten hundert bleiben:



Berührt Sie das? Dann hören Sie sich bitte noch "Oh sleep why dost thou leave me" an. Achten Sie einmal darauf, wie McCormack von 1:48 bis 2:09 eine einunddreissigsekündige Phrase in einem Zug singt. Kennen Sie einen lebenden Sänger, der diese Atemtechnik hat? Natürlich nicht. Und los:

Mauertrauertag

Das war schon immer ein Scheißtag: Am 9. November 1925 ordnete Hitler die Gründung der Schutzstaffel an. Am 9. November 1938 Reichspogromnacht. 9.11. 1989: Die Mauer wird geöffnet. Am nächsten Tag bricht als Menetekel der Bananenhandel zusammen, die DDR wird an westliche Industrieunternehmen verschenkt, und das Kapital beginnt kurz drauf mit seinen ergebenen Erfüllungsgehilfen Schröder, Fischer, Scharping, Clement, Riester e. a., den Reichtum nachhaltig (das Wort lieben die) umzuverteilen. Regelmäßige Wirtschaftskrisen, Ausbau des Überwachungstaates und Beginn erster taktischer Kriege im Ausland inklusive. Kurz: Wir haben schon auch unseren "nine eleven". Dabei wäre es doch so einfach, dem Tag des Verbrechens eine kleine Tat der Wiedergutmachung entgegenzustellen. Am 9. 11. 2010 stellt die Regierung in einem unerwarteten Anfall von historischer Vernunft den "antifaschistischen Schutzwall" bitte wieder auf, versprochen? Ich warte drauf.

Täglich Sex Minuten Deutschland

Eine Expertin für deutsche Verhältnisse und wie man Ihnen mit Fassung begegnet schreibt hier:
http://www.catinnovations.wordpress.com
Ich warne nicht.

Der dümmste Weg, Peakoil zu erreichen

Ich stehe früh auf. Zugegeben: Weil ich muss (s. u.). Früh wach, nutze ich die Zeit und gehe arbeiten. Nicht, weil ich muss. Ich will es so, schließlich ist morgens noch alles ruhig, keiner ruft an und ich kann konzentriert meine Aufträge abarbeiten. Wenn man mich lässt. Leider hat sich bei Deutschlands Hausmeistern neben dem obligatorischen Opel Astra, dem winterlichen Schneeschaufeln um fünf und der preisverdächtigen Hausflurverbotsprosa noch ein weiteres Statussymbol durchgesetzt: Der Laubbläser mit Benzinmotor. Wer findet für mich heraus, wer diese sinnlosen, nervenzersägenden Rucksäcke mit phallischem Föhnrohr erfunden hat? Wenn es wenigstens etwas nutzen würde. Aber die Blätter wirbeln durch die Luft und rieseln irgendwo wieder runter. Dafür wird das Bruttosozialprodukt ausgebremst, mein Arbeitstag verlängert, unwiederbringliches Öl vernichtet. Nur damit es der Hausbesorger mit seinem riesigen Ding den Nachbarn und dem wehrlosen Laub besorgen kann? Wartet man so seinen Block, Herr Hausmeister? Also: Wer war´s?

Zwei Couplets vom guten Stil

Kürzen
Das sitzt: Der Text ist rund und dient dem Zweck.
Jetzt setz´ Dich auch – und streich´ die Hälfte weg.

Phrasen
Er schreibt, was alle schreiben, der Verdacht
wächst Tag um Tag, dass er´s umnachtet macht.

Microsoft vs. deutsche Sprache: 2:0

Seit ich mit dem jüngst, unter starkem äusseren Zwang, installierten satanischen Betriebssystem arbeiten muss, reisst die Reihe der Überraschungen nicht ab. Heute lese ich in einem Winkel des Bildschirms den mit einem Warndreieck garnierten Hinweis: "Auf dem Desktop befinden sich nicht verwendete Dateien." Ich erschaudere. Nicht verwendet? Unnütze, faule Files auf meinem Desktop? Himmel hilf! Was tun? Das Fenster-Teufelchen verrät es mir: "Mit dem Desktopbereinigungs-Assistent kann der Desktop bereinigt werden. Klicken Sie auf dieses Symbol, um den Assistent zu starten." Bitte, Bill: Mit dem Assistenten. Dann ist es schon fast deutsch. Jetzt noch gereinigt statt bereinigt und auch der Sinn nimmt Konturen an. So halbwegs jedenfalls. Da gibt es bei MS offenbar eine Abteilung, die "Assistenten" programmiert. Die waren im November schon damit fertig. Und damit im Dezember keiner entlassen wird, fanden Sie das Desktopbereinigungsproblem. Ob das dieselben waren, die das "Eingabegebietsschema" durchgesetzt haben? Möglich wär´s.

Jetzt noch nicht

Seit gut drei Jahren habe ich zuhause ein Kind, das - vermutlich ein Akt der Notwehr gegen die mitteilsamen Eltern- viel spricht. Zum Beispiel das:

Doc Dad: Nachher bring ich dich zum letzten Mal in die Kinderkrippe. Traurig?
Sohn: Jetzt noch nicht.

Darin drückt sich die natürliche Unlust aus, sich mit dem Thema "trauriger letzter Krippenbesuch" überhaupt antizipatorisch zu befassen. Ehe Sie jetzt irgendeinen Satz mit "Verdrängung", "Leugnung" oder was weiß ich zu denken beginnen, möchte ich mal für diese Unlust eine dicke Lanze brechen und dabei etwas philosophisch werden.

Der Satz "Jetzt noch nicht" gehört zu den schönsten, die ich kenne. Er hat stoische Größe. Die monotheistischen Weltreligionen haben sich darauf geeinigt, die Menschen das Leben als Jammertal erdulden zu lassen, um sie später im Elysium für ihr devotes Geflenne zu entschädigen. Wie viel weiser und gesünder ist es, das Leben, solange es geht, von mir aus auch trotzig zu geniessen und sich um die Zukunft zu kümmern, wenn sie da ist.

Anders gesagt: Ein Kind das "Jetzt noch nicht" zu sagen vermag, wird sich als junger Mann nie von jenseitigen göttlichen Sexprämien dazu verleiten lassen, das Diesseits mittels Sprengstoffgürtel als Assassine zu verlassen. Was muss man einem Menschen alles antun, dass er von der natürlich Klugheit des Kindes zur religiösen Dummheit lebensverachtender Erwachsener konvertiert? Na, ich warne mal lieber vor einem Elysium, das nicht in Sichtweite liegt.

Bilden Sie mal einen Satz mit Madagaskar


Die Sennerin zum Senn
Kein Gas - kein Fraß, Du schweizer Lusche.
Hol´ aus Zer MADAGASKAR tusche!


Dieses kleine Scherzgedicht vom Doktor Vogl steht in diesem auch sonst ausserordentlich empfehlenswerten Bändchen von Robert Gernhardt und Klaus Cäsar Zehrer:

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http://www.amazon.de/Bilden-Sie-einen-Satz-Dichterwettstreit/dp/3596174376/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1254907327&sr=8-1-spell

Microsoft vs. deutsche Sprache: 1:0

Ich bin gezwungen, vorübergehend mit dem Betriebssystem des Satans zu arbeiten. Also XP professional. Wollte nun, für meine Arbeit zwingend, die Sprache vorab einstellen. Und zwar so, dass sie ab jetzt immer "Deutsch" ist und bleibt, bis ich es wieder anders haben will. Aber wo? Suche in der Hilfe nach "Sprache", "Standardsprache" und sogar "Default Sprache"/ "Default language" erfolglos. Dann längeres grantiges Rumprobieren bis sich ein Zufallserfolg einstellte. Danach großes anhaltendes Kopfschütteln.

Wie lange muss man in seinem Leben eigentlich programmiert haben, resp. sein Gehirn durch Alkoholabusus gemartert haben, bis man auf die Idee kommt, das schöne deutsche Wort "Sprache" durch "Eingabegebietsschema" zu ersetzen? (zu erreichen über die Eingabegebietsschemaleiste)

Der Staat, Frau Zypries und die Killerkids

In der Telepolis lese ich: "Justizministerin Zypries hat den Eindruck, "dass die Verrohung unter Jugendlichen seit Jahren zunimmt. Das mag vor allem daran liegen, dass es bei vielen jungen Menschen an einem vernünftigen Sozialverhalten fehlt." Dem abzuhelfen, empfiehlt sie Jugendarbeit.

Man könnte also der luciden Analyse der Frau Zypris folgend davon sprechen, die Verrohung der Jugendlichen leite sich aus einer gewissen Verrohung her. Klar. Dass der Staat diesen Möchtegern-Gangstarappern aus dem Stadelheim 0 Perspektive gibt, geht in die Ursachenforschung nicht mit ein.

Wer heute nicht das Glück hat, in der schrumpfenden Mittelschicht mit einem halbwegs schlauen Köpfchen geboren zu sein, der endet mit großer Wahrscheinlichkeit als Futter für die Zeitarbeitsfirmen oder in noch würdeloseren Umständen. Er hat sein Leben am Arbeitsmarkt abzugeben, ohne auch nur soviel von dort dafür zurückzubekommen, dass er sich ein halbwegs ausreichendes Auskommen verdienen kann. Kurz: Er gehört nicht mehr dazu, er ist draussen, asozial. Er ist bereits materiell und seelisch aus dem Kreis der Menschen mit einem vernünftigen Sozialverhalten ausgeschlossen.

Er kann sich fast nichts von dem leisten, was die vernünftigen Sozialen haben und kommt nirgends rein, wo die hingehen. Alles zu teuer. Er bekommt nicht die Wohnung, die Frauen, die Bestätigung, die medizinische Versorgung, die Sicherheit, die Hoffnungen, den Spaß, den Urlaub auf Ibiza - nichts. Und Bier und Schnaps, das Lebenselixier der Prekären, mit dessen Besteuerung sich der Staat die Taschen voll macht, aus denen er dann wieder Streetworker und Antidrogenkampagnen bezahlen kann, werden auch nicht billiger.

Killerkids sind notorische Schwarzfahrer. Jetzt fragen Sie: Müssen aus Schwarzfahrern Schläger werden? Nein. Aber aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein, erhöht die Wahrscheinlichkeit. Das staatlich geförderte Syndrom Armut in Tateinheit mit täglichem Verarschtwerden ist sicher kein moralischer Grund dafür, sich asozial zu verhalten. Eine Ursache aber schon. Wirtschaft und Staat verhalten sich einer wachsenden Gruppe an Armen gegenüber weder vernünftig noch sozial. Und die armen Streetworker und Fussballclubs sollen´s dann wieder richten. Sozialpädagogik und Vereinswesen sind schön, aber mit Sicherheit nicht die richtige Antwort auf Ungerechtigkeit.

Mitarbeiterdeutsch

Wer früher einen Gedanken äußerte, der gehaltvoll genug war, in weiteren Einzelheiten dargestellt zu werden, der sprach davon etwa so: Das ist meine Idee und die möchte ich Ihnen nun en detail ausführen. Ein Mitarbeiter unserer Tage würde seine Idee „herunter brechen“. Danach ist sie gewiss kaputt und zu nichts mehr zu gebrauchen.

Wer in der Vergangenheit jemanden treffen wollte, konnte ihm sagen, ich werde um 10 Uhr bei dir sein. Heute müsste er dort wenigstens zur vereinbarten Zeit „aufschlagen“, wenn er sich als kundig im Mitarbeiterdeutsch beweisen möchte. Ich konnte mich bislang nur einmal über das Aufschlagen eines Menschen freuen. Der hieß Möllemann.

Ihnen werden mühelos weitere Beispiele dieser Kategorie einfallen. Ich mag diese rohe Sprache nicht. Sie hat was möllemannsches, todesverliebtes.

Seine Exzellenz Bob Log III

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Auf wiedersehen im September, verehrte Leser. Der Doc macht Urlaub und legt seinen Prachtkörper am Strand in die Sonne. Ciao.

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Das ist nicht schlau

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Affen in der Asse

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Sammeln Sie Herzen?

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Sauberes Netz?

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Von Japan können wir noch lernen

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Das braucht jede und jeder: Wasser und Seife

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Aua

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iTunes

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Vorsicht Einladung

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Gefährliche Lektüre

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Dirty

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Sicherheitshalber mal eine Pause einlegen

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Unruhiger Ruhestand

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Vorsicht Grenzwerte

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Vieldeutige Titel in der Bloggosphäre

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Nebenwirkungen der Upanishaden

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Quark – Abenteuer und Kontrolle bei der Arbeit

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Sonnenstaat

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Der Lektor kommt spät, aber er kommt

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CO2-Killer

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Aus Dr. Vogls Kochstudio

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Zeigefinger und Daumen versuchen etwas Neues und fühlen sich wohl dabei

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Stöckchen heisst das wohl bei Bloggern

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Die Wissenschaft hat festgestellt: Emotionsarbeit macht krank

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Wer sucht, der findet

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Ölkrise – pro und contra

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Werbung, die fasziniert

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Firmenschilder im Schwanzvergleich

Der Erfolg eines Kleinunternehmens wächst natürlich mit der Länge seines Firmenschildes, das versteht man ohne nachzudenken. Abends, wenn der Meister die Hände in den Schoß gelegt hat, geht er deshalb in sich und knobelt versonnen große Namen aus. Mit ein bisschen Phantasie geht das für ihn befriedigend aus und nur selten in die Hose. Hat er sich schließlich den längsten herausgegriffen, den er finden konnte, muss er nur noch ein mächtiges Schild vor dem Eingang annageln, das seine riesige Buchstabenlatte auch zu fassen vermag,– dann kommt die Kundschaft wie von selbst und das Geld fliesst in Strömen. Bis jetzt steht das bedeutendste mir bekannte Firmenschild in Wien. Es heisst „Leichtmetalljalousienerzeuger“. Die 29 Zeichen wurden nun allerdings schon fast getoppt durch den in Königsdorf ansässigen „Orthopädieschuhmachermeister“ (28 Z.). Der Wettbewerb ist eröffnet. Mal sehen, wer als nächstes mitmacht. Über meinem Büro steht übrigens „DoktorvogldergenauaufpasstwerdaslängsteSchildhatwarnt“.

Geläufige Irrtümer der Medizin

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Immobilienkrise erreicht Bulgarien

Diese luxuriöse Shoppingmall im Premiumsegment mitten im fruchtbaren Bulgarischen Kernland wird wohl nie mehr realisiert werden. Das großzügige Areal versteppt, der ruinierte Rohbau ächzt unter der Last geplatzter Kredite, und es zeichnet sich bereits ab, dass auch die Telekommunikationsbranche mit in den Abgrund gerissen wird. So endet der Traum vom Bauboom im blühenden Osten, noch ehe er recht begann.
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Gedanken sind auch nicht immer das, was sie gern wären

Morgens aufgewacht, aus dem Fenster gesehen und gedacht: „Ich hab garnicht gehört, dass es geschneit hat heut Nacht.“ Dann wurde es kurz peinlich still in meinem Köpfchen und es formte sich schließlich der selbstkritische Satz: „Scheppernd prasselten die samtweichen Schneeflocken aufs Dach.“

Allegorie der Philosophia

Staunen im Blick,
den Kant in der Hand,
so stiefelt der Weise
verkannt durchs Land.

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Wenn Ihnen einer mit Kants Kritik der reinen Vernunft kommt, dann sehen Sie sich den Burschen ruhig genau an. Den meisten ist nicht nur ihre Lektüre ein paar Nummern zu groß.

Back to the woods

civilization

Vorsicht Ärzte!

Fachsprachen sind nie schön und auch niemals besonders einfühlsam. Sie richten sich die Dinge so her, dass sich die Eingeweihten rasch, andere aber gar nicht mehr unterhalten können. Wer dabei steht, wundert sich, zum Beispiel bei Ärzten, über kauzige Wendungen wie „manisch-läppisches Faseln“ oder die bereits etwas breiter bekannte „senile Bettflucht“.
Manchmal gehen den Ärzten aber regelrecht die Zügel durch vor Entzücken, wenn Sie besonders aufregende Phänomene in ihrem Idiom ausdrücken dürfen. So las ich vor kurzem von einem „fulminanten Leberversagen“, das mir bereits etwas obszön vorkam, in der offenen Begeisterung für die seltene Krankheit. Mein Duden gibt mir diese Synonyme für „fulminant“: berauschend, brillant, grandios, großartig, hinreißend, imposant, mitreißend, überwältigend, umwerfend; (ugs.): [echt] bombig, famos, fantastisch; (oft scherzh.): göttlich.
Der Facharzt auf der Notaufnahme: „Mensch, Müller, Sie bringen uns da ja ein famoses Leberversagen mit. Sagen Sie nichts, wir müssen vielleicht erstmal sehen, wie wir sie wieder aus dem Koma kriegen, was? Aber ehrlich, Respekt, so einen imposanten totalen Leberausfall hatten wir hier Jahre nicht mehr. Einfach göttlich, Müller. Oh Mann, ihren Zusammenbruch erzähl ich gleich dem Chef, der kriegt sich nicht mehr ein.“

Ein bizarrer Repräsentant der traditionsreichen Firma Siemens

Von Zeit zu Zeit zwingen mich die Begleitumstände meiner Lebenshaltung, das ein oder andere Reklamemittel der Siemens Aktiengesellschaft zur Kenntnis zu nehmen. Ich leide. Sie sollen nicht leiden, deshalb warne ich Sie hier einmal in aller Form vor Lichtbildern wie diesem. Machen Sie die empfindlichen Äuglein fest zu, wenn Ihnen sowas unterkommt. Sonst klopft Ihnen die grausige Bildkeule die unangenehmsten Ideen in Ihren wehrlosen Kopf.

vertreter

Als erstes zwang mich das Bild, an einen Mord zu denken. Der Mann schreit auf, er wurde von hinten erschossen, soviel ist klar. Vielleicht hielt ihn der CIA seines Ziegenbärtleins wegen für einen erwachenden Schläfer der Taliban? Wer würde sonst so ein hässliches Lederimitattäschlein mit sich führen, wenn nicht ein von der Welt bereits völlig losgelöster Suizidaler?

Dann dachte es in mir: Nehmen wir an, er lebt noch, sein Schrei ist kein Todes- sondern ein Wutschrei. Vielleicht hat Mutti ihrem ziegenbärtigen Sohn zum achten Mal das gleiche hässliche Lederimitattäschlein geschenkt und er möchte es mit der Faust vernichten.

Noch Abwegigeres kam mir in den Sinn: Der Vertreter schreit vor Freude auf wegen einer Unterschrift, die ihm unter ein in dem hässlichen Lederimitattäschlein verborgenes Schriftstück gesetzt wurde. Er hat irgendeinen Abschluss bewirkt und kann deshalb nicht mehr an sich halten. Die Heiterkeit hetzt ihn fast in den Wahnsinn, so überwältigend paradiesisch ist das süße Geheimnis in seinem hässlichen Lederimitattäschlein.

Dann warf ich einen kurzen Blick auf den Hintergrund – und wie so oft: Der Kontext plaudert aus, was der Ziegenbärtige gern verschweigt: Der Siemenshandlungsreisende ist einfach blau. Sternhagelvoll. Strack und breit wie kein zweiter Siemensvertreter. Die kleine Ausbuchtung in seinem hässlichen Lederimitattäschlein passt präzise zu einer feinen Flasche Tullamore Dew, die der Kreischende bei einer Abteilungswette auf ex gelehrt hat. Danach konnte er nur noch „Yep!“ jauchzen, als ihn die Kollegen fragten: „He, Ziege, was dagegen wenn wir dich mit deinem hässlichen Lederimitattäschlein ablichten? Mach´ Fäustchen, Ziege. Und cheese!“

Bergarchitektur

Dieser Scheich aus Abu Dhabi, namens Vibramil Bin-Andreas, ist der einzige mir bekannte Bergarchitekt. Ein Visionär unter den Baukünstlern, der seine kolossalen Werke grundsätzlich selbst erstbesteigt.
portrait
Man muss ihn einmal mit eigenen Augen bei der Arbeit gesehen haben. Fieberhaft, als gäbe es kein Morgen, entwirft er am Zeichentisch mit donnerndem Lachen und wild wirbelnden Gesten neue Bergrücken, Latschengürtel, Kämme, Grate, Abdachungen, Rinnen, Runsen, Schrofenbänder, Spalten, Risse, Platten, Ferner, Felsen, Bohrhaken nicht zu vergessen und Gipfelkreuze, ausschließlich zu seinem persönlichen Vergnügen. Ganze Heervölker von Bausklaven und Jahresproduktionen an Baggern, Kränen und Lastwagen schleppen, wuchten und betonieren die titanischen Entwürfe in die überraschte Landschaft unserer bis vor kurzem noch sehr bescheidenen Alpen. Danach widmet sich der "Godfather of Mountainbuilding" der Flora und Fauna, gestaltet so manisch wie liebevoll neue großzügigere Murmeltiermodelle, schrofensichere Kühe und Bergdohlen mit kleinen Schnapsfässchen um den Hals, für Verunglückte an schwer zugänglichen Stellen. Gefällt ihm sein Werk, tupft er hier und da ein paar letzte quietschbunte Enziane in den Fels und tritt etwas zurück.

Ist ein neuer Gebirgszug fertig geworden, prüft der steinreiche Bergphantast die Winkel, vermisst die Grate und murmelt, „steiler könntens sein, höher auch, was solls“, nur wenig später ist der agile Wüstensohn am Gipfel, felsgrau in feinsten Ozelot gekleidet, stolz und für einen kurzen Augenblick zufrieden.
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Ein Foto – schon hat er am Horizont eine noch unbebergte Ebene ausgemacht und hastet wieder seinem Schreibtisch zu, den Kopf voller neuer Entwürfe, „aber diesmal auf Westalpenniveau“ wie er mit irre flackendem Blick verrät.

Zur Zeit befindet sich Vibramil Bin-Andreas auf Urlaubsreise in Nepal, wo ihn handverlesene Spitzen-Sherpas auf einer vergoldeten Ottomane die Pässe hinauftragen. Hier inspiriert sich der pfiffige Gebirgsbaumeister in seidenen Kissenbergen locker ausgestreckt zu neuen Ideen, schielt auf seiner Prunkliege mit halb geöffneten Augen zum Annapurna hinüber und flüstert, „hübsch, sehr hübsch, den lass ich gleich abtragen, und zieh ihn in Murnau wieder hoch, aber höher, steiler und vielleicht noch einmal in Istrien bei meinem kleinen Lustschloß, wer weiß; na, jetzt schau ich mir doch erst noch den Everest an.“

Botschaften aus dem Jenseits des Spamfilters

Heute morgen bei einem gewohnt kargen Frühstück aus annähernd versteinerten Brotresten, die ich in abgestandenes Leitungswasser tunkte, fragte ich mich – nicht zum ersten Mal – wer mir wohl helfen kann, angesichts des Vorhandensein der Rechnung in der Bank, dennoch meine Traume zu zwingen, mich, bekommend das monatliche Gehalt, das das Internet einwirkt, zu verwirklichen? Wieder und wieder diese bohrend existentielle Frage und heute überraschend die Antwort. Endlich sorgt sich jemand um mein Blühen! Und die Lage ist einfach. Danke LifeProfit Inc.:


Betreff: LifeProfit Inc.

LifeProfit Inc. kann Ihnen helfen, Ihre Traume zu zwingen, sich, bekommend das monatliche Gehalt, das das Internet einwirkt, zu verwirklichen. Um mit LifeProfit Inc. zu arbeiten, brauchen: • Ein Bürger Deutschlands zu sein • das Vorhandensein der Rechnung in der Bank • die Vereinigung des Computers zum Internet • ist ein wenig es Ihre freie Zeit Wie es arbeitet: Arbeitend für uns wie die Bezahlung, Die den Manager bearbeitet, werden Sie Teil Aus der neuen Tendenz im weltumfassenden Banksystem. Die Pflichten Die Lage ist einfach, und das Einkommen hangt nur von Ihren Bemühungen ab. Sie Sollen - die Zahlungen der Sendung zwischen unseren Kunden, die Ihr Interesse von jeder Operation bekommen, machen. Hauptsachlich werden es 5 %, mit jeder Sendung, die Ihr Interesse züchten wird. Unsere Kunden bekommen 1000 EURO zu 20000. LifeProfit Inc. sorgt sich um Ihr Blühen. Machen Sie Ihr Leben besser zusammen mit der LifeProfit Inc.!

Schwerkraft - die Geißel des Bergsteigens

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Postkarten

Seit zwanzig Jahren schütze ich die Öffentlichkeit vor einer diabolischen Postkarte, die ich auf einem Flohmarkt sicherheitshalber an mich nahm.

Pasted Graphic
Wenn die ein Kind in die Hand bekäme! Sie lag wohl verwahrt und bewacht ganz unten in einer Schublade meines Safes. Kürzlich erinnerte ich mich wieder an sie, setze mir die Taucherbrille auf, nahm das sinistre Kärtlein mit Schutzhandschuhen heraus, legte es auf den Tisch und fragte mich, an wen es wohl abgeschickt worden sein mag.

Pasted Graphic 1
Umgedreht und gewundert: Kein Wörtchen war auf der Rückseite zu lesen. Aber ich ahne schon, welches böse Geheimnis hinter dieser Karte steckt. Lassen Sie mich raten, was dort hätte stehen sollen, wenn die Karte Ihren Zweck hätte erfüllen dürfen:

„Von anderen sehr geehrter Reiseveranstalter Dansk Tours,
mein Pauschalurlaub auf der dänischen Drecksinsel ist ein Fiasko. Ich bin im Club Gammeldansk umgeben von suizidalen Psychopathen. Der Reiseleiter antwortete auf meinen Wunsch, einmal zu grillen, mit der Ankündigung: „Dann mach ich schon mal den Wald an.“ Ich habe seit Tagen die Sonne nicht mehr gesehen. Ich reise ab. Sie hören von meinem Anwalt.
Dansk Avskum,
Stig Helmer“

oder das?

„Liebe Mutti,
wir sind jetzt angekommen, ich schreibe Dir von drüben, hier ist alles genau so, wie es Dein weissbärtiger Zauberzausel mir erzählt hat. Nur noch viel dunkler. Wenn ich mich nur erinnern könnte, wo ich den blöden Ring reinschmeissen soll. Der Dicke wird es wissen.
Alles Liebe aus Mordor,
Frodo“

Vom Nutzen der deutschen Sprache

Hüten Sie sich davor, zu viele Worte zu machen. Vieles lässt sich im Deutschen ausgesprochen kurz sagen.
Die deutsche Sprache schafft es, sehr vielschichtige Zusammenhänge, wie beispielsweise die Biographie Harald Juhnkes, in zwei Worten, mit einer winzigen Modifikation des Ausgangswortes vollständig darzustellen.
Glück - Gluck.
Kürzer und schöner lässt es sich nicht sagen. Schon fast eine Grabinschrift.

Für fünf Jahrhunderte der schleichenden Säkularisierung braucht unsere Muttersprache nur ein passend gewähltes Ausgangswort und ein r.
Beichte - Berichte.

Wie der Kapitalismus diese Entwicklung innerhalb weniger Sekunden in einer trivialen Online-Auktion wieder rückgängig macht, erschliesst sich mit nur einem i:
Bieten - Beten

Auch die Folgen des Wohlstands sind sehr knapp ausgesagt in:
Torte - Tote

Manche behaupten, sogar der Geisteszustand eines bekannten Internetdoktors lasse sich in einem e beschreiben:
Vogl - Vogel

Aber das stimmt nicht.