Bedrohungen allenthalben
Wagnis
27.07.10 –
Ich bin Mitglied einer Wohnbaugenossenschaft mit dem
schönen Namen „Wagnis“. Ich bin nur Genosse geworden,
weil mir der Name so gut gefällt. Der würde jeden
Marketingberater in den Wahnsinn treiben. Jetzt
möchte ich noch bei der freiwilligen Feuerwehr
mitmachen, aber nur im Zug „Inferno“. Wenn es einen
Kochclub „Der Kotzlöffel“ gibt - ich bin dabei. Und
sogar Greenpeace dürfte auf meine Mitarbeit hoffen,
wenn sie sich „Naturfreunde Sisyphos“ nennen wollten.
|
Wo sind nur all die Brüste hin?
28.06.10 –
Wenn ich in der alten Bundesrepublik an den See zum
Baden ging, sah ich mindestens so viele Frauen, die
stolz ihre Brüste zeigten, wie andere, die sie
verdeckten. Jetzt, in der Fähnchen schwingenden
„Wirsindwiederwer“-Republik hat sich das geändert.
Public Viewing gibt´s nur noch im schwulsten Sport
der Weltgeschichte, wenn sich die überbezahlten
Fussballfachkräfte, nachdem sie dem Torwart „das Ding
reingemacht“ haben, ihre Leibchen vom Leib reissen.
Ich beobachte seit mehreren Jahren, wie die
Freizügigkeit an Bayerns Badeorten einer neuen Freude
am Bedecktsein weicht. Freude? Vielleicht auch nicht.
Als vulgärer Marxist und ordinärer Freudianer würde
ich sagen, das ist kein gutes Zeichen. Da rutscht
eine Gesellschaft in Richtung Totalitarismus und
Kontrolle ab. Sex und Anarchie liegen so nahe
beieinander wie die rechte und die linke Brust. Ein
Volk, das seiner Lust nicht über den Weg traut
dagegen, lässt sich prima regieren. Nicht nur die
Katholiken leben es vor. Passt auch irgendwie zu den
letzten Innenministern und ihren paranoiden
Phantasien vom sicheren Bürger. Hmhm. Da muss ich
noch ein bisschen dran feilen, aber der Grundstock
für eine spitzen Verschwörungstheorie /
Abendland-Untergangsprognose ist gelegt.
Passau rocks
22.06.10 –
Irgendwas stört mich in dem Text:
Wer, um Gottes willen, zieht „einfach so“ nach Passau? P a s s a u? Und das, obwohl uns dort einfach so viel Arbeit und viele Fragen erwarten: „Was will ich hier? Warum bin ich nicht woanders?“ Bzw. „Scheißarbeit, jetzt muss ich den ganzen Mist wieder einpacken, ich bin versehentlich einfach so nach Passau gezogen.“
Mann haben die ein Ego. Die Dreiflüssestadt sollte Dreieierstadt heissen.
Wer, um Gottes willen, zieht „einfach so“ nach Passau? P a s s a u? Und das, obwohl uns dort einfach so viel Arbeit und viele Fragen erwarten: „Was will ich hier? Warum bin ich nicht woanders?“ Bzw. „Scheißarbeit, jetzt muss ich den ganzen Mist wieder einpacken, ich bin versehentlich einfach so nach Passau gezogen.“
Mann haben die ein Ego. Die Dreiflüssestadt sollte Dreieierstadt heissen.
iKillmyself
28.05.10 –
Bei Apples Zulieferer Foxconn unterschreiben die
Mitarbeiter nun also eine Suizidklausel des
folgenden Inhalts: „Ich verspreche, mich oder
andere niemals in einer extremen Form zu
verletzen“. Erinnert ein wenig an das hübsche
Schild an einem Baumstamm, das sich die Titanic
ausgedacht hatte: „Waldsterben verboten.“
Dabei lenkt die Aufregung um Mitarbeiter, die Ihr Leben abrupt beenden, davon ab, wie viele genau dasselbe mit leicht verzögertem Tempo erledigen. Und wirklich nicht nur die Knechte. Auch die Herren.
Was ich so mitbekomme, ist ohne als Genuss verbrämten Alkohol- und Nikotin-Abusus, um nur die erlaubten Drogen zu nennen, ja nicht einmal den steinreichen „Gewinnern“ des Systems erträglich, wie sie im Getriebe des Spätkapitalismus als Rädchen rotieren dürfen. Deren Frauen (1, 2, 3) sehen oft aus, als hätte man die Unglücklichen gerade aus einer Favela gezerrt, zum Frisör geschleift und unpassenderweise in Designerfummel gestopft – zwecklos, im Gesichtsausdruck bleiben das Elend und die Angst kleben. Lebenslust sieht anders aus. Dabei haben die doch alles, sollte man meinen. Die Selbstentleibung auf Raten ist das Grundmodell kapitalistischer Lebenserfüllung. In die Nachrichten schaffen es halt nur die paar besonders hektischen, die vor der Fabrik auf dem Pflaster aufschlagen oder sich wie der Ratiopharm-Tycoon Merckle vor einen fahrenden Zug begeben.
Dabei lenkt die Aufregung um Mitarbeiter, die Ihr Leben abrupt beenden, davon ab, wie viele genau dasselbe mit leicht verzögertem Tempo erledigen. Und wirklich nicht nur die Knechte. Auch die Herren.
Was ich so mitbekomme, ist ohne als Genuss verbrämten Alkohol- und Nikotin-Abusus, um nur die erlaubten Drogen zu nennen, ja nicht einmal den steinreichen „Gewinnern“ des Systems erträglich, wie sie im Getriebe des Spätkapitalismus als Rädchen rotieren dürfen. Deren Frauen (1, 2, 3) sehen oft aus, als hätte man die Unglücklichen gerade aus einer Favela gezerrt, zum Frisör geschleift und unpassenderweise in Designerfummel gestopft – zwecklos, im Gesichtsausdruck bleiben das Elend und die Angst kleben. Lebenslust sieht anders aus. Dabei haben die doch alles, sollte man meinen. Die Selbstentleibung auf Raten ist das Grundmodell kapitalistischer Lebenserfüllung. In die Nachrichten schaffen es halt nur die paar besonders hektischen, die vor der Fabrik auf dem Pflaster aufschlagen oder sich wie der Ratiopharm-Tycoon Merckle vor einen fahrenden Zug begeben.
Seien Sie nett zu Ihren Spamberichten
17.05.10 –
Heavy-Metal-Romantik
20.04.10 –
Ab&an muss ich Leuten was schreiben, damit die
irgendwas besser verkaufen können. In den
Reklamebetrieben trifft man Menschen wie ihn: sitzen
stumm vor ihrem Computer, die glatte Kopfmatte
schwarz gefärbt, Augenringe, dicke Chipsbacken und
ein D I O - T-shirt, black XL über den Rumpf
gespannt. Freundlich frage ich das offenbar
nachtaktive Gegenüber: Dio? Den hab ich vor, hm, so
30 Jahren gehört. Lebt der denn noch? Macht Musik? –
The creature of the night wird kurz wach, öffnet die
Augen zwischen dunklen Kajalstrichen überweit und
haucht: Er hat sogar Krebs. Magen. Sackt
wieder zusammen und starrt träge lächelnd in den
Bildschirm.
„Hat sogar Krebs!“ Was heisst das?
der Glückspilz?
der Unsterbliche?
vom Singen?
Romantik ist mir fremd. Aber die Romantik wäre sogar dem armen Ronnie James Dio zuviel. Da bin ich sicher.
„Hat sogar Krebs!“ Was heisst das?
der Glückspilz?
der Unsterbliche?
vom Singen?
Romantik ist mir fremd. Aber die Romantik wäre sogar dem armen Ronnie James Dio zuviel. Da bin ich sicher.
Synonyme?
18.03.10 –
Trendsport Selbstmord: Spanien geht voran
04.03.10 –
Der Selbstmord war 2009 die häufigste nicht
natürliche Todesursache in Spanien. Mich
wundert das seltsame „nicht natürlich“ an der
Beschreibung der Suizide. Ja was sind sie denn
dann? Psychisch bedingte Selbstmorde? Soziale?
Unerklärliche? Nachdem die Menschen im
Allgemeinen ganz gerne leben, sollte der
natürliche Grund der Selbstmorde da zu suchen
sein, wo die Lebenslust am Ende ist: in der
Verzweiflung. Würden die Statistiker aber
korrekt schreiben „2009 war in Spanien das Jahr
der Verzweiflungstoten“, dann wäre das
vielleicht einfach a) zu traurig für die Presse
und b) würde Fragen wecken nach dem Warum. Sowas
hat Gründe. Schon Peter Hacks hat die enorme
Selbstentleibungskraft des Kapitalismus betont.
Es wundert mich also nicht, dass die Menschen in
der Krise dem System in den Abgrund
nachspringen. Es geht zur Not aber auch ohne
Verzweiflung. Auf Platz zwei der Statistik nicht
natürlicher Todesursachen stehen die
Verkehrstoten, gleichsam die natürlichen, dem
System immanenten Selbstmorde im Kapitalismus.
2008 waren es in Spanien 3008 Menschen, die
meisten geopfert auf den Altaren der
Automobilindustrie. Der Glaube an die
individuelle Mobilität, die angeblich etwas mit
der Freiheit der Bürger zu tun haben soll, ist
die wirksamste Anleitung zum Suizid, eine, die
neben den Mitteln zum Freitod immer wieder auch
gleich den Grund mitliefert. Siehe oben.
Groschenromane für´s Handy: Mr. Smith und Andere
22.02.10 –
Ein Albtraum in 13 SMS (< 160 Z.):
Mr. Smith, der Freund der Frauen, träumt von den Malediven, als ein stattliches Weib wie eine Operndiva einschwebt und sagt: Ich bin die Operndiva.
Bitte wer? Smith, auch ein Freund der Klugheit, merkt, dass seine hastige Rückfrage ein klein wenig ungeschickt genannt werden könnte. Sie: Idiot!
Mein Name ist Edita Gruberova, sie Kretin. Die ganze Welt liegt mir zu Füßen (Smith sieht sich an Ihren Stiefeln leckend), ich bin ein Star, Smith, aber
Mich quält ein Problem. Welches? Smith verengt die Lider: Ich werde es lösen. Sie, Smith, werden mein Strumpfband lösen, wenn ich zufrieden bin.
Sie sieht ihn an. Er sieht Ihre Beine an. Ein Raubtier blickt aus seinen Augen. Wie ein wildes Frettchen haspelt Smith willenlos, was muß ich tun?
Die Gruberova lacht. Diese Königin der Nacht schleudert die Federboa auf den staubigen Schreibtisch und sagt ein Wort, nur eins: Reden.
Ich tus! brüllt Mr.Smith begeistert. Dann kommt ihm eine Frage, nein zwei. Aber was soll ich sagen? Und wem? - Sie sind so klug, Smith, lobt die Göttliche.
Smith lächelt narkotisiert. Sie erklärt. Er heißt Schmid. Mein Agent. Er möchte, dass ich nach Tokyo wechsle. Aber das wäre mein Ende. Reden Sie mit ihm.
Sagen Sie ihm, in Japan müsste ich schreien vor Wut. Meine Stimme wird leiden. Erpressen Sie ihn. Sagen Sie ihm, ich wechsle den Agenten.
Smith greift zum Hörer. Wählt. Tuut. Schmid. Smith. Nein, Schmid. Sagen Sie nicht nein, Sie wissen nicht, was ich ihnen vorschlagen will.
Ich will es auch gar nicht wissen.. Klack. Er hat eingehängt, sagt Smith. Da platzt die Tür auf, ein Mann schreit: Wer ist der Typ da? Ich mach ihn kalt!
Smith duckt sich, die Diva flüstert: Darf ich vorstellen, mein Mann, Herkules Schmitt. Smith: Angenehm, Smith. Der Mann: Schmitt! Du verarschst mich wohl?
Schmitt zieht den Colt, um seinen Nebenbuhler zu exekutieren, aber der wacht vorher auf, schwitzt. Die Gruberova singt im Radio. Smith seufzt. Finis.
Mr. Smith, der Freund der Frauen, träumt von den Malediven, als ein stattliches Weib wie eine Operndiva einschwebt und sagt: Ich bin die Operndiva.
Bitte wer? Smith, auch ein Freund der Klugheit, merkt, dass seine hastige Rückfrage ein klein wenig ungeschickt genannt werden könnte. Sie: Idiot!
Mein Name ist Edita Gruberova, sie Kretin. Die ganze Welt liegt mir zu Füßen (Smith sieht sich an Ihren Stiefeln leckend), ich bin ein Star, Smith, aber
Mich quält ein Problem. Welches? Smith verengt die Lider: Ich werde es lösen. Sie, Smith, werden mein Strumpfband lösen, wenn ich zufrieden bin.
Sie sieht ihn an. Er sieht Ihre Beine an. Ein Raubtier blickt aus seinen Augen. Wie ein wildes Frettchen haspelt Smith willenlos, was muß ich tun?
Die Gruberova lacht. Diese Königin der Nacht schleudert die Federboa auf den staubigen Schreibtisch und sagt ein Wort, nur eins: Reden.
Ich tus! brüllt Mr.Smith begeistert. Dann kommt ihm eine Frage, nein zwei. Aber was soll ich sagen? Und wem? - Sie sind so klug, Smith, lobt die Göttliche.
Smith lächelt narkotisiert. Sie erklärt. Er heißt Schmid. Mein Agent. Er möchte, dass ich nach Tokyo wechsle. Aber das wäre mein Ende. Reden Sie mit ihm.
Sagen Sie ihm, in Japan müsste ich schreien vor Wut. Meine Stimme wird leiden. Erpressen Sie ihn. Sagen Sie ihm, ich wechsle den Agenten.
Smith greift zum Hörer. Wählt. Tuut. Schmid. Smith. Nein, Schmid. Sagen Sie nicht nein, Sie wissen nicht, was ich ihnen vorschlagen will.
Ich will es auch gar nicht wissen.. Klack. Er hat eingehängt, sagt Smith. Da platzt die Tür auf, ein Mann schreit: Wer ist der Typ da? Ich mach ihn kalt!
Smith duckt sich, die Diva flüstert: Darf ich vorstellen, mein Mann, Herkules Schmitt. Smith: Angenehm, Smith. Der Mann: Schmitt! Du verarschst mich wohl?
Schmitt zieht den Colt, um seinen Nebenbuhler zu exekutieren, aber der wacht vorher auf, schwitzt. Die Gruberova singt im Radio. Smith seufzt. Finis.
Groschenromane für´s Handy: Mr. Smith und der Fabrikant
19.02.10 –
Ein Kriminaldramolett in 10 SMS (< 160 Z.):
1) Smith sitzt. Raucht. Denkt. Nichts. Seit Tagen nichts Neues. Da. Klopfen. Herein. Die Frau tritt ein. Grazil, mondän, leicht schwingend auf Stilettos.
2) Smith strafft sich auf seinem Stuhl. Was kann ich für Sie tun? Sie: Wie sehen sie denn aus? Er: Nur eine Platzwunde. Sie: Gut. Sie mögen Kekse?
3) Nein, ich hasse Kekse, warum? Die Frau lächelt. Sie sagt: Mein Mann ist Keksfabrikant. Der Teig macht ihn fett und verklebt sein Gehirn. Mir ist schlecht,
4) so oft ich an ihn denke. Er ist hoch versichert. Es muss wie ein Unfall aussehen. Smith grübelt. Schweigt. Dann: Ein Absatz drückt hart auf seine Brust.
5) Smith spannt die Hose. Ich kann das nicht machen, denkt er. Er denkt, ich kann die nicht lassen. Da sitzt sie schon auf ihm. Mr. Smith lässt sich überzeugen.
6) Smith ordnet seine Kleider. Trinkt wacklig einen Wodka. Gut, noch einen. Nimmt die Smith&Wesson, sieht die Frau an und geht den Mann suchen.
7) Er fährt zur Keksfabrik. Er geht ins oberste Stockwerk. Er schleicht den Gang entlang. Die lederbeschlagene Tür. Smith reißt sie auf, die Waffe im Anschlag.
8) Scheiße, denkt Smith. So wird das kein Unfall. Aber da steckt schon das ganze Magazin in einem erkaltenden Keksfabrikanten.
9) Ich wusste, sie würden es vermasseln, aber das macht nichts: Die Frau hält ihm ein Glas hin. Er trinkt. Die Kugel durchschlägt das Glas, den Wodka, Smith.
10) Die Frau lässt ihre Pistole fallen. Notwehr. Ihr Lächeln erfriert. Sie geht zum Schreibtisch, nimmt den Hörer ab und ruft gelassen die Polizei. Finis.
1) Smith sitzt. Raucht. Denkt. Nichts. Seit Tagen nichts Neues. Da. Klopfen. Herein. Die Frau tritt ein. Grazil, mondän, leicht schwingend auf Stilettos.
2) Smith strafft sich auf seinem Stuhl. Was kann ich für Sie tun? Sie: Wie sehen sie denn aus? Er: Nur eine Platzwunde. Sie: Gut. Sie mögen Kekse?
3) Nein, ich hasse Kekse, warum? Die Frau lächelt. Sie sagt: Mein Mann ist Keksfabrikant. Der Teig macht ihn fett und verklebt sein Gehirn. Mir ist schlecht,
4) so oft ich an ihn denke. Er ist hoch versichert. Es muss wie ein Unfall aussehen. Smith grübelt. Schweigt. Dann: Ein Absatz drückt hart auf seine Brust.
5) Smith spannt die Hose. Ich kann das nicht machen, denkt er. Er denkt, ich kann die nicht lassen. Da sitzt sie schon auf ihm. Mr. Smith lässt sich überzeugen.
6) Smith ordnet seine Kleider. Trinkt wacklig einen Wodka. Gut, noch einen. Nimmt die Smith&Wesson, sieht die Frau an und geht den Mann suchen.
7) Er fährt zur Keksfabrik. Er geht ins oberste Stockwerk. Er schleicht den Gang entlang. Die lederbeschlagene Tür. Smith reißt sie auf, die Waffe im Anschlag.
8) Scheiße, denkt Smith. So wird das kein Unfall. Aber da steckt schon das ganze Magazin in einem erkaltenden Keksfabrikanten.
9) Ich wusste, sie würden es vermasseln, aber das macht nichts: Die Frau hält ihm ein Glas hin. Er trinkt. Die Kugel durchschlägt das Glas, den Wodka, Smith.
10) Die Frau lässt ihre Pistole fallen. Notwehr. Ihr Lächeln erfriert. Sie geht zum Schreibtisch, nimmt den Hörer ab und ruft gelassen die Polizei. Finis.
Groschenromane fürs Handy: Smith und das Geheimnis der Drachen.
17.02.10 –
Ein Krimi in 12 SMS (< 160 Z.):
1) Die alte Tür. Das Schild Detektei Smith. Smith am Schreibtisch, schweigt, raucht, wartet: Ein Mann. Das Telefon klingelt. Ja? - Wieso ich? Wieviel? Ok
2) Es klopft. Smith ruft. Der Fremde tritt ein. Der Fremde tritt auf Smith ein, schlägt ihn nieder. Lucky Strike. Smith lässt seine fallen. Ohnmacht.
3) Smith wacht in einem Hangar auf. Fragt wo und was. Ein Fremder schlägt ihn nieder. Bevor er einknickt, sieht Smith sein Tattoo:
4) Ein Drache macht Maennchen. Smith wacht in einem Keller auf. Fragt sich, Drache: die Loge? Die Mafia? Die Frau am Telefon? Dann ein Schlag. Smith kennt das.
5) Detektiv Smith wacht in einem Auto auf, bittet um eine Zigarette und wird niedergeschlagen. Er träumt wirr von Drachen-Tattoos auf nackten Frauen.
6) Smith steht muehsam auf. Kopfweh, diesmal kein Fremder zu sehen. Zur Telefonzelle. Die Frau anrufen. Kennwort: K9. Was wird gespielt? Treffen? Wo? Gut
7) Im Cafe. Die Frau mit Sonnenbrille. Sie ist klein, aber scharf. Sie erklärt alles. Smith ascht schweigend in seinen Martini. Sie macht Drachen. Aus Gold.
8) Die Chinesen glauben, diese Drachen bringen Glueck. Für einen Drachen erschlagen sie ihre Grossmutter. Das wissen die Fremden. Smith zündet den Filter an.
9) Die Fremden wollen die Frau entführen. SIE MÜSSEN MIR HELFEN! Smith nickt. Geht klar. Der Kellner schlägt ihm auf den Kopf. Er nimmt beide mit.
10) Smith und die Frau in einem Keller. Sex mit gefesselten Händen? Smith zerbeißt ihre Fessel. Sie hält ihm den Mund zu. Smith kommt. Der Fremde kommt rein.
11) Smith ist groß in Form. Der Fremde schlägt, Smith kontert, schlägt, würgt, tritt. Der Fremde röchelt. Und so geht’s den anderen. Smith raucht.
12) Die Fremden geknebelt im Keller. Die Frau nimmt die Sonnenbrille ab. Geht zu Smith. Danke. Er: Wofür? Er steckt sich einen Drachen an. Finis.
1) Die alte Tür. Das Schild Detektei Smith. Smith am Schreibtisch, schweigt, raucht, wartet: Ein Mann. Das Telefon klingelt. Ja? - Wieso ich? Wieviel? Ok
2) Es klopft. Smith ruft. Der Fremde tritt ein. Der Fremde tritt auf Smith ein, schlägt ihn nieder. Lucky Strike. Smith lässt seine fallen. Ohnmacht.
3) Smith wacht in einem Hangar auf. Fragt wo und was. Ein Fremder schlägt ihn nieder. Bevor er einknickt, sieht Smith sein Tattoo:
4) Ein Drache macht Maennchen. Smith wacht in einem Keller auf. Fragt sich, Drache: die Loge? Die Mafia? Die Frau am Telefon? Dann ein Schlag. Smith kennt das.
5) Detektiv Smith wacht in einem Auto auf, bittet um eine Zigarette und wird niedergeschlagen. Er träumt wirr von Drachen-Tattoos auf nackten Frauen.
6) Smith steht muehsam auf. Kopfweh, diesmal kein Fremder zu sehen. Zur Telefonzelle. Die Frau anrufen. Kennwort: K9. Was wird gespielt? Treffen? Wo? Gut
7) Im Cafe. Die Frau mit Sonnenbrille. Sie ist klein, aber scharf. Sie erklärt alles. Smith ascht schweigend in seinen Martini. Sie macht Drachen. Aus Gold.
8) Die Chinesen glauben, diese Drachen bringen Glueck. Für einen Drachen erschlagen sie ihre Grossmutter. Das wissen die Fremden. Smith zündet den Filter an.
9) Die Fremden wollen die Frau entführen. SIE MÜSSEN MIR HELFEN! Smith nickt. Geht klar. Der Kellner schlägt ihm auf den Kopf. Er nimmt beide mit.
10) Smith und die Frau in einem Keller. Sex mit gefesselten Händen? Smith zerbeißt ihre Fessel. Sie hält ihm den Mund zu. Smith kommt. Der Fremde kommt rein.
11) Smith ist groß in Form. Der Fremde schlägt, Smith kontert, schlägt, würgt, tritt. Der Fremde röchelt. Und so geht’s den anderen. Smith raucht.
12) Die Fremden geknebelt im Keller. Die Frau nimmt die Sonnenbrille ab. Geht zu Smith. Danke. Er: Wofür? Er steckt sich einen Drachen an. Finis.
Endlich Frieden – gemeinsam können wir es schaffen
11.02.10 –
Selbst ganz unwahrscheinliche Zustände, wie der
Friede auf Erden, lassen sich mit etwas Konzentration
und geeigneten Stimulantien ganz einfach herstellen.
Man muss nur wollen, üben und eisern aber entspannt
dran bleiben. Zum Beweis meiner hoffnungsfrohen These
zeige ich ein Bild, auf dem die paranormal begabten
Medien Jens, Werner und der Doktor der beiden durch
bloße kollektive Willensanspannung und Trinkdisziplin
einmal einen wunderschönen Regenbogen im Raum
erzeugten. Als Vorschein einer Zukunft, die alle
Hoffnungen der fliegenden Yogis hell
überstrahlen wird. Und die der Brauereien
sowieso.
kein Kommentar
11.02.10 –
Haloscan ist ein kostenloser Anbieter für
Blogkommentarhosting – gewesen. Die Firma stellt den
Dienst ein und nimmt mir damit die Kommentarfunktion
weg. Sobald ich einen neuen aufgetrieben habe, können
Sie wieder Ihren Senf dazugeben, wenn Dr. Vogl warnt.
Also nicht traurig sein. Denn: Wenn Du denkst es geht
nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.
Heute schon gegruselt?
07.02.10 –
Frank T. Zumbachs Mysterious World ist eine
kurzweilige Geisterbahn für alle, die ihren
Kunstgenuss an den abgenagten Fingernägeln und
elektrisierten Frisuren erkennen. Aber Vorsicht:
„Spaziert im Walde nicht der Clown Barsaq?
Schminkt er die Birkenrinde nicht mit flammend Rot?
Schlägt nicht mit flinken Pinselstrichen er gleich tot
der Sonntagsausflügler versturtes Pack?“
Nur lustig ist der Wonnegrusel auch nicht gemeint.
Welcome to his Nightmares
„Spaziert im Walde nicht der Clown Barsaq?
Schminkt er die Birkenrinde nicht mit flammend Rot?
Schlägt nicht mit flinken Pinselstrichen er gleich tot
der Sonntagsausflügler versturtes Pack?“
Nur lustig ist der Wonnegrusel auch nicht gemeint.
Welcome to his Nightmares
Ein Buch ist ein Buch ist ein Scheit
25.01.10 –
Die Gazette schreibt heute:
„Eine Londoner Zeitung berichtete am Dienstag, dass minderbemittelte Rentner in Wohltätigkeitsläden billige Bücher kaufen und sie als Heizmaterial verbrennen, um es in der strengen Kälte, die Großbritannien fest im Griff hat, warm zu haben.“
Die minderbemittelten Rentner lehren mich alles, was ich über das Verhältnis von Geist und Materie im Kapitalismus wissen muss. Ausserdem erstrahlen so Bolognaprozess, Studiengebühren und die ganzen Exzellenzinitiativen der deutschen Bildungselite einmal in dem richtigen Licht: Dem wärmenden Lodern des Kaminfeuers in den Häusern der sozial Exkludierten.
Andererseits: Während vier bis fünf Schwarten von Martin Walser den Raum gemütlich warm halten, kann ich schon fast ein Buch von Robert Walser durchlesen. Darauf könnte ich mich zur Not schon auch einlassen.
„Eine Londoner Zeitung berichtete am Dienstag, dass minderbemittelte Rentner in Wohltätigkeitsläden billige Bücher kaufen und sie als Heizmaterial verbrennen, um es in der strengen Kälte, die Großbritannien fest im Griff hat, warm zu haben.“
Die minderbemittelten Rentner lehren mich alles, was ich über das Verhältnis von Geist und Materie im Kapitalismus wissen muss. Ausserdem erstrahlen so Bolognaprozess, Studiengebühren und die ganzen Exzellenzinitiativen der deutschen Bildungselite einmal in dem richtigen Licht: Dem wärmenden Lodern des Kaminfeuers in den Häusern der sozial Exkludierten.
Andererseits: Während vier bis fünf Schwarten von Martin Walser den Raum gemütlich warm halten, kann ich schon fast ein Buch von Robert Walser durchlesen. Darauf könnte ich mich zur Not schon auch einlassen.
Captain Berlin rocks
14.01.10 –
Der Film: Hitlers Leibarzt, Nazi-Shewolf Dr. Ilse von
Blitzen, hat Führers Gehirn mit Augen vor dem
Untergang bewahrt und will den Gröfaz nun irgendwie
wieder zum echten Leben erwecken. Das klappt nicht
recht. Sie hat dazu zuerst einen Golem aus
SS-Leichenteilen zusammengeschustert, der von dem
unsterblichen Dracula lebendig gebissen werden soll.
Der beisst aber lieber in die blonde Tochter von
Captain Berlin als in Leichenteile, ausserdem ist er
Kommunist. Captain Berlin nimmt die Verfolgung auf,
um seine vom Fürsten der Finsternis entführte Tochter
zu retten.
Dr. von Blitzen entsorgt derweil das Monster und packt den Führer in eine bewaffnete Blechkiste mit Rädern, den Hitlerrobo. Captain Berlin schaut bei Hitler vorbei und sucht einen Priester auf, der ihn mit Knoblauch, Kreuz und Weihwasserwumme auf Dracula vorbereitet und zieht los ins Brandenburger Schloss. Er kämpft dort mit Dracula, der Hitlerrobo mit Entourage kommt auch dazu und den Schluss gucken Sie sich selbst an, bitte.
Ein recht übersichtlicher Plot, aber was ist das eigentlich? Einem an einen fiktiven alten Comic angelehnten Theaterstück, das gerne ein Retrofilm wäre, wird sein Wunsch erfüllt. Seine Aufführung wird abgefilmt und zu schrottiger Retrocomicoptik am Computer überbastelt. Ein doppelter Gattungsschwindel ähnlich wie in der Rocky Horror Picture Show, die auch noch ein Musical sein will.
Das ist sehr genussvoll anzusehen. Das Ganze strotzt vor Genreklischees und das soll es wohl auch. Ich sehe darin die Hauptbotschaft dieses Films: Einem untoten Monstrum wie Hitler wird man nur so gerecht, dass man es neben Dracula und Frankenstein auftreten lässt. Sein künstlerischer Ort nach der Tragödie ist die unterste Schublade der Groschenhorrorcomic-Unterhaltung. Selbst der Landserroman tut ihm noch zuviel Ehre an. Versuche der hohen Filmkunst, sich dem Phänomen Hitler mittels Bruno Ganzschem Einfühlungsvermögen psychologisch zu nähern, sind gescheitert. Es ist ziemlich ekelhaft, den Führer als gebrochenen alten Mann vorgestellt zu bekommen. Als boshaftes Gehirn mit Stielaugen sehe ich ihn viel lieber.
Und noch eine andere Frage beantwortet der Film abschließend und gültig: Jimmy Hendrix hat über die USA alles Wichtige gesagt, als er die Nationalhymne auf seiner elektrischen Gitarre zersägte. Wie könnte man Deutschland durch die deutsche Hymne auf vergleichbare Weise verständlich machen? Man zerpfeift sie auf einer Blockflöte. Sehr deutsch und sehr schön.
Dr. von Blitzen entsorgt derweil das Monster und packt den Führer in eine bewaffnete Blechkiste mit Rädern, den Hitlerrobo. Captain Berlin schaut bei Hitler vorbei und sucht einen Priester auf, der ihn mit Knoblauch, Kreuz und Weihwasserwumme auf Dracula vorbereitet und zieht los ins Brandenburger Schloss. Er kämpft dort mit Dracula, der Hitlerrobo mit Entourage kommt auch dazu und den Schluss gucken Sie sich selbst an, bitte.
Ein recht übersichtlicher Plot, aber was ist das eigentlich? Einem an einen fiktiven alten Comic angelehnten Theaterstück, das gerne ein Retrofilm wäre, wird sein Wunsch erfüllt. Seine Aufführung wird abgefilmt und zu schrottiger Retrocomicoptik am Computer überbastelt. Ein doppelter Gattungsschwindel ähnlich wie in der Rocky Horror Picture Show, die auch noch ein Musical sein will.
Das ist sehr genussvoll anzusehen. Das Ganze strotzt vor Genreklischees und das soll es wohl auch. Ich sehe darin die Hauptbotschaft dieses Films: Einem untoten Monstrum wie Hitler wird man nur so gerecht, dass man es neben Dracula und Frankenstein auftreten lässt. Sein künstlerischer Ort nach der Tragödie ist die unterste Schublade der Groschenhorrorcomic-Unterhaltung. Selbst der Landserroman tut ihm noch zuviel Ehre an. Versuche der hohen Filmkunst, sich dem Phänomen Hitler mittels Bruno Ganzschem Einfühlungsvermögen psychologisch zu nähern, sind gescheitert. Es ist ziemlich ekelhaft, den Führer als gebrochenen alten Mann vorgestellt zu bekommen. Als boshaftes Gehirn mit Stielaugen sehe ich ihn viel lieber.
Und noch eine andere Frage beantwortet der Film abschließend und gültig: Jimmy Hendrix hat über die USA alles Wichtige gesagt, als er die Nationalhymne auf seiner elektrischen Gitarre zersägte. Wie könnte man Deutschland durch die deutsche Hymne auf vergleichbare Weise verständlich machen? Man zerpfeift sie auf einer Blockflöte. Sehr deutsch und sehr schön.
Gefährliche Zahlen – charmante Wissenschaft
13.01.10 –
Wenn man in Georg Wagners „Einführung in die Erd- und
Landschaftsgeschichte“ von 1931 im Vorwort nur immer
die ersten Sätze der Absätze liest, wird einem der
Wagner auf seltsame Weise sympathisch:
„Seit zwei Jahrzehnten stehe ich immer wieder vor der schönen Aufgabe, andere in die Geheimnisse der Erd- und Landschaftsgeschichte einzuführen. […]
Nun lernt man gerade diese Wissenschaft am allerwenigsten aus Büchern. […]
Aus demselben Grund ist das Buch auch reich mit Bildern ausgestattet. […]
Das Buch bringt auch viele Zahlen. […]
Es ist unmöglich, bei dem weit umfassenden Arbeitsfeld überall Fachmann zu sein, […]
Den Nichtfachmann muss man besonders darauf hinweisen, daß einen so junge Wissenschaft noch nicht am Ziel ist. […]
Das Werk ist bestimmt für alle, die ihre Heimat näher kennenlernen möchten. […]
Möge das Werk der Geologie neue Freunde gewinnen und uns inniger verwurzeln mit unserer Heimat, der Quelle unserer Kraft. Glück auf!“
Was für ein kluger, bescheidener Mensch. Der klassisch-schöne Satz „das Buch bringt auch viele Zahlen“ sollte m. E. verpflichtend sein für jede naturwissenschaftliche Veröffentlichung – die Warnung ist einfach zu putzig.
„Seit zwei Jahrzehnten stehe ich immer wieder vor der schönen Aufgabe, andere in die Geheimnisse der Erd- und Landschaftsgeschichte einzuführen. […]
Nun lernt man gerade diese Wissenschaft am allerwenigsten aus Büchern. […]
Aus demselben Grund ist das Buch auch reich mit Bildern ausgestattet. […]
Das Buch bringt auch viele Zahlen. […]
Es ist unmöglich, bei dem weit umfassenden Arbeitsfeld überall Fachmann zu sein, […]
Den Nichtfachmann muss man besonders darauf hinweisen, daß einen so junge Wissenschaft noch nicht am Ziel ist. […]
Das Werk ist bestimmt für alle, die ihre Heimat näher kennenlernen möchten. […]
Möge das Werk der Geologie neue Freunde gewinnen und uns inniger verwurzeln mit unserer Heimat, der Quelle unserer Kraft. Glück auf!“
Was für ein kluger, bescheidener Mensch. Der klassisch-schöne Satz „das Buch bringt auch viele Zahlen“ sollte m. E. verpflichtend sein für jede naturwissenschaftliche Veröffentlichung – die Warnung ist einfach zu putzig.
Die Botschaft der Engel
14.12.09 –
Die ev. Kirche lädt mich ein zu einer Veranstaltung
im Festsaal der St. Johanneskirche mit Rudolf Lenhard zum Thema: der Mensch, die Globalisierung und die Moral
Kurz nach Kopenhagen und kurz vor Weihnachten möchten wir an diesem Abend unser Menschsein im globalen Horizont verorten. Die weihnachtliche Botschaft der Engel, Friede auf Erden, bedeutet viel in diesen Tagen.
Rudolf Lenhard, seit Jahren in einem internationalem Unternehmen tätig und zudem vielfältig in sozialen Projekten engagiert, wird mit uns die Frage diskutieren, wo der Ort des Einzelnen in der globalen Welt ist und wie die Verantwortung jedes Einzelnen Aussehen kann, ohne, dass die Aufgaben erdrücken oder ohnmächtig machen. Es geht an diesem Abend nicht um den moralischen Zeigefinger, sondern darum, wie wir mit Globalisierung (vielleicht lustvoll) gestalten können. Dies wollen wir in gewohnt heiterer Atmosphäre bei Wasser, Wein und Brot diskutieren.
Da nimmt sich ein sozial engagierter Herr Lenhard, der hastig gegoogelt ein CEO der Swiss Re sein könnte, und in dieser Funktion gerade die Wachstumspotentiale Lateinamerikas abzugrasen beginnt (http://www.bnamericas.com/interviews/insurance/Rudolf_Lenhard_,Munich_Re), einen ganzen Abend Zeit für die Gemeinde. Ihm wird zugesichert, der moralische Zeigefinger wird nicht erhoben und Spaß, vielleicht lustvoll, wird es ihm auch machen, wenn er diskutiert, „wo der Ort des Einzelnen in der globalen Welt ist“. Dabei sind diese Orte doch allesamt bekannt. Es sind drei: Da gibt es oben (CEO), unten und ganz unten. Selten bekommt man die Funktion der Religion so auf einen Blick präsentiert wie in dieser Einladung. Die Botschaft der Engel: In gewohnt heiterer Atmosphäre das Unerträgliche weiter gestalten. Und der Vorstand der Globalisierung nickt väterlich dazu.
im Festsaal der St. Johanneskirche mit Rudolf Lenhard zum Thema: der Mensch, die Globalisierung und die Moral
Kurz nach Kopenhagen und kurz vor Weihnachten möchten wir an diesem Abend unser Menschsein im globalen Horizont verorten. Die weihnachtliche Botschaft der Engel, Friede auf Erden, bedeutet viel in diesen Tagen.
Rudolf Lenhard, seit Jahren in einem internationalem Unternehmen tätig und zudem vielfältig in sozialen Projekten engagiert, wird mit uns die Frage diskutieren, wo der Ort des Einzelnen in der globalen Welt ist und wie die Verantwortung jedes Einzelnen Aussehen kann, ohne, dass die Aufgaben erdrücken oder ohnmächtig machen. Es geht an diesem Abend nicht um den moralischen Zeigefinger, sondern darum, wie wir mit Globalisierung (vielleicht lustvoll) gestalten können. Dies wollen wir in gewohnt heiterer Atmosphäre bei Wasser, Wein und Brot diskutieren.
Da nimmt sich ein sozial engagierter Herr Lenhard, der hastig gegoogelt ein CEO der Swiss Re sein könnte, und in dieser Funktion gerade die Wachstumspotentiale Lateinamerikas abzugrasen beginnt (http://www.bnamericas.com/interviews/insurance/Rudolf_Lenhard_,Munich_Re), einen ganzen Abend Zeit für die Gemeinde. Ihm wird zugesichert, der moralische Zeigefinger wird nicht erhoben und Spaß, vielleicht lustvoll, wird es ihm auch machen, wenn er diskutiert, „wo der Ort des Einzelnen in der globalen Welt ist“. Dabei sind diese Orte doch allesamt bekannt. Es sind drei: Da gibt es oben (CEO), unten und ganz unten. Selten bekommt man die Funktion der Religion so auf einen Blick präsentiert wie in dieser Einladung. Die Botschaft der Engel: In gewohnt heiterer Atmosphäre das Unerträgliche weiter gestalten. Und der Vorstand der Globalisierung nickt väterlich dazu.
... was die Geschichte noch nicht kannte
09.12.09 –
Ganz eigenartig ist es, wenn in Deutschland sich
mittlerweile die dritte Generation ehemals
tschechischer und polnischer „Deutscher“ so
vertrieben fühlt, wie nur je der Großpapa. Die
Landsmannschaften unterscheiden einen Erlebnis- und
einen Bekenntniskreis. Die Ersten haben die
Vertreibung erlebt, die Anderen bekennen sich zu, ja,
zu was denn eigentlich? Zum Nationalsozialismus?
Egal. Sie wollen „ihre“ Scholle zurückhaben und
verfolgen dieses Ziel unnachgiebig. Die CDU hilft
dabei mit. Weit werden Sie damit eh nicht kommen.
Was mir allerdings von Zeit zu Zeit die Haare zu Berge stehen lässt, ist die weinerliche Selbststilisierung zu Jahrtausendopfern, mit der das revanchistische Getue notorisch einhergeht. Die Steinbach schreibt beispielsweise:
Stalins harte Faust lag über halb Europa und raffte Millionen Menschen vieler Völker dahin und in diesem Machtbereich geschah etwas in seiner Dimension bis dahin Ungekanntes, was die katholischen Bischöfe der USA am 17. November 1946 in einem gemeinsamen Hirtenbrief unmissverständlich geißelten. „In Europa ist etwas geschehen, was die Geschichte bis dahin noch nicht kannte. Auf Grund eines Abkommens zwischen den Siegerstaaten wurden Millionen von deutschen Menschen, die seit Jahrhunderten in Osteuropa ansässig waren, von ihrer Heimatscholle vertrieben und mittellos in das Herz Deutschlands gestoßen. Die Leiden dieser Menschen ... erzählen uns eine traurige Geschichte von der Unmenschlichkeit solcher Vertreibung."
Man wird dem Text durchaus gerecht, wenn man ihn kitschig, verlogen und sachlich falsch nennt. Vertreibungen gehören zur Geschichte der Menschheit wie Krieg, Not und Seuchen. Wenn einer 1946 schreibt, in Europa sei ein bislang noch nicht da gewesenes Verbrechen geschehen, und er meint nicht den Holocaust, der spinnt ganz einfach. Diese so genannten deutschen Menschen, die da vertrieben wurden, mussten zum Teil einfach Geraubtes zurückgeben, waren zum Großteil selbst Nazis gewesen, hatten sich herrenmenschlich aufgeführt auf ihrer „Scholle“ und wurden dann „mittellos in das Herz Deutschlands gestossen“, also dem politischen System zugetrieben, in dem sie sowieso lieber leben wollten als hinter dem antifaschistischen Schutzwall des Warschauer Paktes. Wie ging es Ihnen, nachdem Deutschland sie an sein großes Herz gedrückt hatte? Man kann es in einem Wort sagen: Gut. Sogar Ausländer zum piesacken gab es bald schon wieder.
Was mir allerdings von Zeit zu Zeit die Haare zu Berge stehen lässt, ist die weinerliche Selbststilisierung zu Jahrtausendopfern, mit der das revanchistische Getue notorisch einhergeht. Die Steinbach schreibt beispielsweise:
Stalins harte Faust lag über halb Europa und raffte Millionen Menschen vieler Völker dahin und in diesem Machtbereich geschah etwas in seiner Dimension bis dahin Ungekanntes, was die katholischen Bischöfe der USA am 17. November 1946 in einem gemeinsamen Hirtenbrief unmissverständlich geißelten. „In Europa ist etwas geschehen, was die Geschichte bis dahin noch nicht kannte. Auf Grund eines Abkommens zwischen den Siegerstaaten wurden Millionen von deutschen Menschen, die seit Jahrhunderten in Osteuropa ansässig waren, von ihrer Heimatscholle vertrieben und mittellos in das Herz Deutschlands gestoßen. Die Leiden dieser Menschen ... erzählen uns eine traurige Geschichte von der Unmenschlichkeit solcher Vertreibung."
Man wird dem Text durchaus gerecht, wenn man ihn kitschig, verlogen und sachlich falsch nennt. Vertreibungen gehören zur Geschichte der Menschheit wie Krieg, Not und Seuchen. Wenn einer 1946 schreibt, in Europa sei ein bislang noch nicht da gewesenes Verbrechen geschehen, und er meint nicht den Holocaust, der spinnt ganz einfach. Diese so genannten deutschen Menschen, die da vertrieben wurden, mussten zum Teil einfach Geraubtes zurückgeben, waren zum Großteil selbst Nazis gewesen, hatten sich herrenmenschlich aufgeführt auf ihrer „Scholle“ und wurden dann „mittellos in das Herz Deutschlands gestossen“, also dem politischen System zugetrieben, in dem sie sowieso lieber leben wollten als hinter dem antifaschistischen Schutzwall des Warschauer Paktes. Wie ging es Ihnen, nachdem Deutschland sie an sein großes Herz gedrückt hatte? Man kann es in einem Wort sagen: Gut. Sogar Ausländer zum piesacken gab es bald schon wieder.
Die große Schmähung der Wurstfabrik
27.11.09 –
Magnus Klaue holt in der Konkret weit aus („Der Text
ist Wurst“,
http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=dertextistwurst&jahr=2009&mon=12
und haut der Textguerilla auf den Kopf, dass die sich verwundert die Augen reiben: Was will der denn von uns? (http://www.textguerilla.de/2009/11/26/ich-bin-dann-mal-wurst-machen/) „Die Mitglieder der "Protextbewegung" wollen der Sprache nicht nur den letzten Rest an Geist austreiben, sondern sich dafür auch noch gut bezahlen lassen.“ Das schreibt er und glaubt am Ende dran.
Herr Klaue, es ist viel eher so: In der Produktionskette stehen vorne die Arbeiter am Band und stellen Autos her, die keiner braucht. Hinten in der gleichen Kette sitzen Texter am Schreibtisch und helfen mit, das überflüssige Zeug zu verkaufen. Wenn Sie sich also darüber freuen, dass die Arbeiter und Angestellten in Betriebsräten und Gewerkschaften für stabile Löhne kämpfen, dann sollten sie ähnliche Versuche der zumeist freischaffenden Texter doch auch goutieren können? Um mehr geht es nicht. Ich werde der Sprache kein Leid antun. Dem Geist auch nicht. Versprochen. Rotfront, Genosse.
http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=dertextistwurst&jahr=2009&mon=12
und haut der Textguerilla auf den Kopf, dass die sich verwundert die Augen reiben: Was will der denn von uns? (http://www.textguerilla.de/2009/11/26/ich-bin-dann-mal-wurst-machen/) „Die Mitglieder der "Protextbewegung" wollen der Sprache nicht nur den letzten Rest an Geist austreiben, sondern sich dafür auch noch gut bezahlen lassen.“ Das schreibt er und glaubt am Ende dran.
Herr Klaue, es ist viel eher so: In der Produktionskette stehen vorne die Arbeiter am Band und stellen Autos her, die keiner braucht. Hinten in der gleichen Kette sitzen Texter am Schreibtisch und helfen mit, das überflüssige Zeug zu verkaufen. Wenn Sie sich also darüber freuen, dass die Arbeiter und Angestellten in Betriebsräten und Gewerkschaften für stabile Löhne kämpfen, dann sollten sie ähnliche Versuche der zumeist freischaffenden Texter doch auch goutieren können? Um mehr geht es nicht. Ich werde der Sprache kein Leid antun. Dem Geist auch nicht. Versprochen. Rotfront, Genosse.
Was der Doc am liebsten hört: John McCormack
12.11.09 –
Heute warne ich Sie einmal vor schlechtem Gesang.
Warum sollten Sie sich Andrea Bocelli oder Jose
Carreras anhören, wenn ein John McCormack es bereits
1920 besser konnte? Ich kann Ihnen das beweisen.
Mozarts Il mio tesoro von McCormack ist die Referenzarie seit etwa hundert Jahren und wird es wohl auch die nächsten hundert bleiben:
Berührt Sie das? Dann hören Sie sich bitte noch "Oh sleep why dost thou leave me" an. Achten Sie einmal darauf, wie McCormack von 1:48 bis 2:09 eine einunddreissigsekündige Phrase in einem Zug singt. Kennen Sie einen lebenden Sänger, der diese Atemtechnik hat? Natürlich nicht. Und los:
Mozarts Il mio tesoro von McCormack ist die Referenzarie seit etwa hundert Jahren und wird es wohl auch die nächsten hundert bleiben:
Berührt Sie das? Dann hören Sie sich bitte noch "Oh sleep why dost thou leave me" an. Achten Sie einmal darauf, wie McCormack von 1:48 bis 2:09 eine einunddreissigsekündige Phrase in einem Zug singt. Kennen Sie einen lebenden Sänger, der diese Atemtechnik hat? Natürlich nicht. Und los:
Mauertrauertag
09.11.09 –
Das war schon immer ein Scheißtag: Am 9. November
1925 ordnete Hitler die Gründung der Schutzstaffel
an. Am 9. November 1938 Reichspogromnacht. 9.11.
1989: Die Mauer wird geöffnet. Am nächsten Tag bricht
als Menetekel der Bananenhandel zusammen, die DDR
wird an westliche Industrieunternehmen verschenkt,
und das Kapital beginnt kurz drauf mit seinen
ergebenen Erfüllungsgehilfen Schröder, Fischer,
Scharping, Clement, Riester e. a., den Reichtum
nachhaltig (das Wort lieben die) umzuverteilen.
Regelmäßige Wirtschaftskrisen, Ausbau des
Überwachungstaates und Beginn erster taktischer
Kriege im Ausland inklusive. Kurz: Wir haben schon
auch unseren "nine eleven". Dabei wäre es doch so
einfach, dem Tag des Verbrechens eine kleine Tat der
Wiedergutmachung entgegenzustellen. Am 9. 11. 2010
stellt die Regierung in einem unerwarteten Anfall von
historischer Vernunft den "antifaschistischen
Schutzwall" bitte wieder auf, versprochen? Ich warte
drauf.
Täglich Sex Minuten Deutschland
06.11.09 –
Eine Expertin für deutsche Verhältnisse und wie man
Ihnen mit Fassung begegnet schreibt hier:
http://www.catinnovations.wordpress.com
Ich warne nicht.
http://www.catinnovations.wordpress.com
Ich warne nicht.
Der dümmste Weg, Peakoil zu erreichen
28.10.09 –
Ich stehe früh auf. Zugegeben: Weil ich muss (s. u.).
Früh wach, nutze ich die Zeit und gehe arbeiten.
Nicht, weil ich muss. Ich will es so, schließlich ist
morgens noch alles ruhig, keiner ruft an und ich kann
konzentriert meine Aufträge abarbeiten. Wenn man mich
lässt. Leider hat sich bei Deutschlands Hausmeistern
neben dem obligatorischen Opel Astra, dem
winterlichen Schneeschaufeln um fünf und der
preisverdächtigen Hausflurverbotsprosa noch ein
weiteres Statussymbol durchgesetzt: Der Laubbläser
mit Benzinmotor. Wer findet für mich heraus, wer
diese sinnlosen, nervenzersägenden Rucksäcke mit
phallischem Föhnrohr erfunden hat? Wenn es wenigstens
etwas nutzen würde. Aber die Blätter wirbeln durch
die Luft und rieseln irgendwo wieder runter. Dafür
wird das Bruttosozialprodukt ausgebremst, mein
Arbeitstag verlängert, unwiederbringliches Öl
vernichtet. Nur damit es der Hausbesorger mit seinem
riesigen Ding den Nachbarn und dem wehrlosen Laub
besorgen kann? Wartet man so seinen Block, Herr
Hausmeister? Also: Wer war´s?
Zwei Couplets vom guten Stil
20.10.09 –
Microsoft vs. deutsche Sprache: 2:0
19.10.09 –
Seit ich mit dem jüngst, unter starkem äusseren
Zwang, installierten satanischen Betriebssystem
arbeiten muss, reisst die Reihe der Überraschungen
nicht ab. Heute lese ich in einem Winkel des
Bildschirms den mit einem Warndreieck garnierten
Hinweis: "Auf dem Desktop befinden sich nicht
verwendete Dateien." Ich erschaudere. Nicht
verwendet? Unnütze, faule Files auf meinem
Desktop? Himmel hilf! Was tun? Das Fenster-Teufelchen
verrät es mir: "Mit dem Desktopbereinigungs-Assistent
kann der Desktop bereinigt werden. Klicken Sie auf
dieses Symbol, um den Assistent zu starten." Bitte,
Bill: Mit dem Assistenten. Dann ist
es schon fast deutsch. Jetzt noch gereinigt statt
bereinigt und auch der Sinn nimmt Konturen an. So
halbwegs jedenfalls. Da gibt es bei MS offenbar eine
Abteilung, die "Assistenten" programmiert. Die waren
im November schon damit fertig. Und damit im Dezember
keiner entlassen wird, fanden Sie das
Desktopbereinigungsproblem. Ob das dieselben waren,
die das "Eingabegebietsschema" durchgesetzt haben?
Möglich wär´s.
Jetzt noch nicht
15.10.09 –
Seit gut drei Jahren habe ich zuhause ein Kind, das -
vermutlich ein Akt der Notwehr gegen die mitteilsamen
Eltern- viel spricht. Zum Beispiel das:
Doc Dad: Nachher bring ich dich zum letzten Mal in die Kinderkrippe. Traurig?
Sohn: Jetzt noch nicht.
Darin drückt sich die natürliche Unlust aus, sich mit dem Thema "trauriger letzter Krippenbesuch" überhaupt antizipatorisch zu befassen. Ehe Sie jetzt irgendeinen Satz mit "Verdrängung", "Leugnung" oder was weiß ich zu denken beginnen, möchte ich mal für diese Unlust eine dicke Lanze brechen und dabei etwas philosophisch werden.
Der Satz "Jetzt noch nicht" gehört zu den schönsten, die ich kenne. Er hat stoische Größe. Die monotheistischen Weltreligionen haben sich darauf geeinigt, die Menschen das Leben als Jammertal erdulden zu lassen, um sie später im Elysium für ihr devotes Geflenne zu entschädigen. Wie viel weiser und gesünder ist es, das Leben, solange es geht, von mir aus auch trotzig zu geniessen und sich um die Zukunft zu kümmern, wenn sie da ist.
Anders gesagt: Ein Kind das "Jetzt noch nicht" zu sagen vermag, wird sich als junger Mann nie von jenseitigen göttlichen Sexprämien dazu verleiten lassen, das Diesseits mittels Sprengstoffgürtel als Assassine zu verlassen. Was muss man einem Menschen alles antun, dass er von der natürlich Klugheit des Kindes zur religiösen Dummheit lebensverachtender Erwachsener konvertiert? Na, ich warne mal lieber vor einem Elysium, das nicht in Sichtweite liegt.
Doc Dad: Nachher bring ich dich zum letzten Mal in die Kinderkrippe. Traurig?
Sohn: Jetzt noch nicht.
Darin drückt sich die natürliche Unlust aus, sich mit dem Thema "trauriger letzter Krippenbesuch" überhaupt antizipatorisch zu befassen. Ehe Sie jetzt irgendeinen Satz mit "Verdrängung", "Leugnung" oder was weiß ich zu denken beginnen, möchte ich mal für diese Unlust eine dicke Lanze brechen und dabei etwas philosophisch werden.
Der Satz "Jetzt noch nicht" gehört zu den schönsten, die ich kenne. Er hat stoische Größe. Die monotheistischen Weltreligionen haben sich darauf geeinigt, die Menschen das Leben als Jammertal erdulden zu lassen, um sie später im Elysium für ihr devotes Geflenne zu entschädigen. Wie viel weiser und gesünder ist es, das Leben, solange es geht, von mir aus auch trotzig zu geniessen und sich um die Zukunft zu kümmern, wenn sie da ist.
Anders gesagt: Ein Kind das "Jetzt noch nicht" zu sagen vermag, wird sich als junger Mann nie von jenseitigen göttlichen Sexprämien dazu verleiten lassen, das Diesseits mittels Sprengstoffgürtel als Assassine zu verlassen. Was muss man einem Menschen alles antun, dass er von der natürlich Klugheit des Kindes zur religiösen Dummheit lebensverachtender Erwachsener konvertiert? Na, ich warne mal lieber vor einem Elysium, das nicht in Sichtweite liegt.
Bilden Sie mal einen Satz mit Madagaskar
07.10.09 –
Die Sennerin zum Senn
Kein Gas - kein Fraß, Du schweizer Lusche.
Hol´ aus Zer MADAGASKAR tusche!
Dieses kleine Scherzgedicht vom Doktor Vogl steht in diesem auch sonst ausserordentlich empfehlenswerten Bändchen von Robert Gernhardt und Klaus Cäsar Zehrer:
http://www.amazon.de/Bilden-Sie-einen-Satz-Dichterwettstreit/dp/3596174376/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1254907327&sr=8-1-spell
Microsoft vs. deutsche Sprache: 1:0
20.09.09 –
Ich bin gezwungen, vorübergehend mit dem
Betriebssystem des Satans zu arbeiten. Also XP
professional. Wollte nun, für meine Arbeit zwingend,
die Sprache vorab einstellen. Und zwar so, dass sie
ab jetzt immer "Deutsch" ist und bleibt, bis ich es
wieder anders haben will. Aber wo? Suche in der Hilfe
nach "Sprache", "Standardsprache" und sogar "Default
Sprache"/ "Default language" erfolglos. Dann längeres
grantiges Rumprobieren bis sich ein Zufallserfolg
einstellte. Danach großes anhaltendes Kopfschütteln.
Wie lange muss man in seinem Leben eigentlich programmiert haben, resp. sein Gehirn durch Alkoholabusus gemartert haben, bis man auf die Idee kommt, das schöne deutsche Wort "Sprache" durch "Eingabegebietsschema" zu ersetzen? (zu erreichen über die Eingabegebietsschemaleiste)
Wie lange muss man in seinem Leben eigentlich programmiert haben, resp. sein Gehirn durch Alkoholabusus gemartert haben, bis man auf die Idee kommt, das schöne deutsche Wort "Sprache" durch "Eingabegebietsschema" zu ersetzen? (zu erreichen über die Eingabegebietsschemaleiste)
Der Staat, Frau Zypries und die Killerkids
15.09.09 –
In der Telepolis lese ich: "Justizministerin Zypries
hat den Eindruck, "dass die Verrohung unter
Jugendlichen seit Jahren zunimmt. Das mag vor allem
daran liegen, dass es bei vielen jungen Menschen an
einem vernünftigen Sozialverhalten fehlt." Dem
abzuhelfen, empfiehlt sie Jugendarbeit.
Man könnte also der luciden Analyse der Frau Zypris folgend davon sprechen, die Verrohung der Jugendlichen leite sich aus einer gewissen Verrohung her. Klar. Dass der Staat diesen Möchtegern-Gangstarappern aus dem Stadelheim 0 Perspektive gibt, geht in die Ursachenforschung nicht mit ein.
Wer heute nicht das Glück hat, in der schrumpfenden Mittelschicht mit einem halbwegs schlauen Köpfchen geboren zu sein, der endet mit großer Wahrscheinlichkeit als Futter für die Zeitarbeitsfirmen oder in noch würdeloseren Umständen. Er hat sein Leben am Arbeitsmarkt abzugeben, ohne auch nur soviel von dort dafür zurückzubekommen, dass er sich ein halbwegs ausreichendes Auskommen verdienen kann. Kurz: Er gehört nicht mehr dazu, er ist draussen, asozial. Er ist bereits materiell und seelisch aus dem Kreis der Menschen mit einem vernünftigen Sozialverhalten ausgeschlossen.
Er kann sich fast nichts von dem leisten, was die vernünftigen Sozialen haben und kommt nirgends rein, wo die hingehen. Alles zu teuer. Er bekommt nicht die Wohnung, die Frauen, die Bestätigung, die medizinische Versorgung, die Sicherheit, die Hoffnungen, den Spaß, den Urlaub auf Ibiza - nichts. Und Bier und Schnaps, das Lebenselixier der Prekären, mit dessen Besteuerung sich der Staat die Taschen voll macht, aus denen er dann wieder Streetworker und Antidrogenkampagnen bezahlen kann, werden auch nicht billiger.
Killerkids sind notorische Schwarzfahrer. Jetzt fragen Sie: Müssen aus Schwarzfahrern Schläger werden? Nein. Aber aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein, erhöht die Wahrscheinlichkeit. Das staatlich geförderte Syndrom Armut in Tateinheit mit täglichem Verarschtwerden ist sicher kein moralischer Grund dafür, sich asozial zu verhalten. Eine Ursache aber schon. Wirtschaft und Staat verhalten sich einer wachsenden Gruppe an Armen gegenüber weder vernünftig noch sozial. Und die armen Streetworker und Fussballclubs sollen´s dann wieder richten. Sozialpädagogik und Vereinswesen sind schön, aber mit Sicherheit nicht die richtige Antwort auf Ungerechtigkeit.
Man könnte also der luciden Analyse der Frau Zypris folgend davon sprechen, die Verrohung der Jugendlichen leite sich aus einer gewissen Verrohung her. Klar. Dass der Staat diesen Möchtegern-Gangstarappern aus dem Stadelheim 0 Perspektive gibt, geht in die Ursachenforschung nicht mit ein.
Wer heute nicht das Glück hat, in der schrumpfenden Mittelschicht mit einem halbwegs schlauen Köpfchen geboren zu sein, der endet mit großer Wahrscheinlichkeit als Futter für die Zeitarbeitsfirmen oder in noch würdeloseren Umständen. Er hat sein Leben am Arbeitsmarkt abzugeben, ohne auch nur soviel von dort dafür zurückzubekommen, dass er sich ein halbwegs ausreichendes Auskommen verdienen kann. Kurz: Er gehört nicht mehr dazu, er ist draussen, asozial. Er ist bereits materiell und seelisch aus dem Kreis der Menschen mit einem vernünftigen Sozialverhalten ausgeschlossen.
Er kann sich fast nichts von dem leisten, was die vernünftigen Sozialen haben und kommt nirgends rein, wo die hingehen. Alles zu teuer. Er bekommt nicht die Wohnung, die Frauen, die Bestätigung, die medizinische Versorgung, die Sicherheit, die Hoffnungen, den Spaß, den Urlaub auf Ibiza - nichts. Und Bier und Schnaps, das Lebenselixier der Prekären, mit dessen Besteuerung sich der Staat die Taschen voll macht, aus denen er dann wieder Streetworker und Antidrogenkampagnen bezahlen kann, werden auch nicht billiger.
Killerkids sind notorische Schwarzfahrer. Jetzt fragen Sie: Müssen aus Schwarzfahrern Schläger werden? Nein. Aber aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein, erhöht die Wahrscheinlichkeit. Das staatlich geförderte Syndrom Armut in Tateinheit mit täglichem Verarschtwerden ist sicher kein moralischer Grund dafür, sich asozial zu verhalten. Eine Ursache aber schon. Wirtschaft und Staat verhalten sich einer wachsenden Gruppe an Armen gegenüber weder vernünftig noch sozial. Und die armen Streetworker und Fussballclubs sollen´s dann wieder richten. Sozialpädagogik und Vereinswesen sind schön, aber mit Sicherheit nicht die richtige Antwort auf Ungerechtigkeit.
Mitarbeiterdeutsch
08.09.09 –
Wer früher einen Gedanken äußerte, der gehaltvoll
genug war, in weiteren Einzelheiten dargestellt zu
werden, der sprach davon etwa so: Das ist meine Idee
und die möchte ich Ihnen nun en detail ausführen. Ein
Mitarbeiter unserer Tage würde seine Idee „herunter
brechen“. Danach ist sie gewiss kaputt und zu nichts
mehr zu gebrauchen.
Wer in der Vergangenheit jemanden treffen wollte, konnte ihm sagen, ich werde um 10 Uhr bei dir sein. Heute müsste er dort wenigstens zur vereinbarten Zeit „aufschlagen“, wenn er sich als kundig im Mitarbeiterdeutsch beweisen möchte. Ich konnte mich bislang nur einmal über das Aufschlagen eines Menschen freuen. Der hieß Möllemann.
Ihnen werden mühelos weitere Beispiele dieser Kategorie einfallen. Ich mag diese rohe Sprache nicht. Sie hat was möllemannsches, todesverliebtes.
Wer in der Vergangenheit jemanden treffen wollte, konnte ihm sagen, ich werde um 10 Uhr bei dir sein. Heute müsste er dort wenigstens zur vereinbarten Zeit „aufschlagen“, wenn er sich als kundig im Mitarbeiterdeutsch beweisen möchte. Ich konnte mich bislang nur einmal über das Aufschlagen eines Menschen freuen. Der hieß Möllemann.
Ihnen werden mühelos weitere Beispiele dieser Kategorie einfallen. Ich mag diese rohe Sprache nicht. Sie hat was möllemannsches, todesverliebtes.
Seine Exzellenz Bob Log III
01.09.09 –
Das ist nicht schlau
06.08.09 –
Affen in der Asse
03.07.09 –
Sammeln Sie Herzen?
22.06.09 –
Sauberes Netz?
19.06.09 –
Von Japan können wir noch lernen
05.05.09 –
Das braucht jede und jeder: Wasser und Seife
07.04.09 –
Aua
02.04.09 –
iTunes
16.03.09 –
Vorsicht Einladung
13.03.09 –
Gefährliche Lektüre
02.03.09 –
Dirty
01.03.09 –
Sicherheitshalber mal eine Pause einlegen
19.09.08 –
Unruhiger Ruhestand
07.08.08 –
Vorsicht Grenzwerte
05.08.08 –
Vieldeutige Titel in der Bloggosphäre
04.08.08 –
Nebenwirkungen der Upanishaden
04.08.08 –
Der Lektor kommt spät, aber er kommt
08.07.08 –
Aus Dr. Vogls Kochstudio
18.06.08 –
Stöckchen heisst das wohl bei Bloggern
10.06.08 –
Wer sucht, der findet
03.06.08 –
Ölkrise – pro und contra
23.05.08 –
Werbung, die fasziniert
19.05.08 –
Firmenschilder im Schwanzvergleich
16.05.08 –
Der Erfolg
eines Kleinunternehmens wächst natürlich mit der
Länge seines Firmenschildes, das versteht man ohne
nachzudenken. Abends, wenn der Meister die Hände in
den Schoß gelegt hat, geht er deshalb in sich und
knobelt versonnen große Namen aus. Mit ein bisschen
Phantasie geht das für ihn befriedigend aus und nur
selten in die Hose. Hat er sich schließlich den
längsten herausgegriffen, den er finden konnte, muss
er nur noch ein mächtiges Schild vor dem Eingang
annageln, das seine riesige Buchstabenlatte auch zu
fassen vermag,– dann kommt die Kundschaft wie von
selbst und das Geld fliesst in Strömen. Bis jetzt
steht das bedeutendste mir bekannte Firmenschild in
Wien. Es heisst „Leichtmetalljalousienerzeuger“. Die
29 Zeichen wurden nun allerdings schon fast getoppt
durch den in Königsdorf ansässigen
„Orthopädieschuhmachermeister“ (28 Z.). Der
Wettbewerb ist eröffnet. Mal sehen, wer als nächstes
mitmacht. Über meinem Büro steht übrigens
„DoktorvogldergenauaufpasstwerdaslängsteSchildhatwarnt“.
Geläufige Irrtümer der Medizin
24.04.08 –
Immobilienkrise erreicht Bulgarien
18.03.08 –
Diese
luxuriöse Shoppingmall im Premiumsegment mitten im
fruchtbaren Bulgarischen Kernland wird wohl nie mehr
realisiert werden. Das großzügige Areal versteppt,
der ruinierte Rohbau ächzt unter der Last geplatzter
Kredite, und es zeichnet sich bereits ab, dass auch
die Telekommunikationsbranche mit in den Abgrund
gerissen wird. So endet der Traum vom Bauboom im
blühenden Osten, noch ehe er recht begann.
Allegorie der Philosophia
02.03.08 –
Vorsicht Ärzte!
30.01.08 –
Fachsprachen
sind nie schön und auch niemals besonders einfühlsam.
Sie richten sich die Dinge so her, dass sich die
Eingeweihten rasch, andere aber gar nicht mehr
unterhalten können. Wer dabei steht, wundert sich,
zum Beispiel bei Ärzten, über kauzige Wendungen wie
„manisch-läppisches Faseln“ oder die bereits etwas
breiter bekannte „senile Bettflucht“.
Manchmal gehen den Ärzten aber regelrecht die Zügel durch vor Entzücken, wenn Sie besonders aufregende Phänomene in ihrem Idiom ausdrücken dürfen. So las ich vor kurzem von einem „fulminanten Leberversagen“, das mir bereits etwas obszön vorkam, in der offenen Begeisterung für die seltene Krankheit. Mein Duden gibt mir diese Synonyme für „fulminant“: berauschend, brillant, grandios, großartig, hinreißend, imposant, mitreißend, überwältigend, umwerfend; (ugs.): [echt] bombig, famos, fantastisch; (oft scherzh.): göttlich.
Der Facharzt auf der Notaufnahme: „Mensch, Müller, Sie bringen uns da ja ein famoses Leberversagen mit. Sagen Sie nichts, wir müssen vielleicht erstmal sehen, wie wir sie wieder aus dem Koma kriegen, was? Aber ehrlich, Respekt, so einen imposanten totalen Leberausfall hatten wir hier Jahre nicht mehr. Einfach göttlich, Müller. Oh Mann, ihren Zusammenbruch erzähl ich gleich dem Chef, der kriegt sich nicht mehr ein.“
Manchmal gehen den Ärzten aber regelrecht die Zügel durch vor Entzücken, wenn Sie besonders aufregende Phänomene in ihrem Idiom ausdrücken dürfen. So las ich vor kurzem von einem „fulminanten Leberversagen“, das mir bereits etwas obszön vorkam, in der offenen Begeisterung für die seltene Krankheit. Mein Duden gibt mir diese Synonyme für „fulminant“: berauschend, brillant, grandios, großartig, hinreißend, imposant, mitreißend, überwältigend, umwerfend; (ugs.): [echt] bombig, famos, fantastisch; (oft scherzh.): göttlich.
Der Facharzt auf der Notaufnahme: „Mensch, Müller, Sie bringen uns da ja ein famoses Leberversagen mit. Sagen Sie nichts, wir müssen vielleicht erstmal sehen, wie wir sie wieder aus dem Koma kriegen, was? Aber ehrlich, Respekt, so einen imposanten totalen Leberausfall hatten wir hier Jahre nicht mehr. Einfach göttlich, Müller. Oh Mann, ihren Zusammenbruch erzähl ich gleich dem Chef, der kriegt sich nicht mehr ein.“
Ein bizarrer Repräsentant der traditionsreichen Firma Siemens
08.11.07 –
Von Zeit zu
Zeit zwingen mich die Begleitumstände meiner
Lebenshaltung, das ein oder andere Reklamemittel der
Siemens Aktiengesellschaft zur Kenntnis zu nehmen.
Ich leide. Sie sollen nicht leiden, deshalb warne ich
Sie hier einmal in aller Form vor Lichtbildern wie
diesem. Machen Sie die empfindlichen Äuglein fest zu,
wenn Ihnen sowas unterkommt. Sonst klopft Ihnen die
grausige Bildkeule die unangenehmsten Ideen in Ihren
wehrlosen Kopf.
Als erstes zwang mich das Bild, an einen Mord zu denken. Der Mann schreit auf, er wurde von hinten erschossen, soviel ist klar. Vielleicht hielt ihn der CIA seines Ziegenbärtleins wegen für einen erwachenden Schläfer der Taliban? Wer würde sonst so ein hässliches Lederimitattäschlein mit sich führen, wenn nicht ein von der Welt bereits völlig losgelöster Suizidaler?
Dann dachte es in mir: Nehmen wir an, er lebt noch, sein Schrei ist kein Todes- sondern ein Wutschrei. Vielleicht hat Mutti ihrem ziegenbärtigen Sohn zum achten Mal das gleiche hässliche Lederimitattäschlein geschenkt und er möchte es mit der Faust vernichten.
Noch Abwegigeres kam mir in den Sinn: Der Vertreter schreit vor Freude auf wegen einer Unterschrift, die ihm unter ein in dem hässlichen Lederimitattäschlein verborgenes Schriftstück gesetzt wurde. Er hat irgendeinen Abschluss bewirkt und kann deshalb nicht mehr an sich halten. Die Heiterkeit hetzt ihn fast in den Wahnsinn, so überwältigend paradiesisch ist das süße Geheimnis in seinem hässlichen Lederimitattäschlein.
Dann warf ich einen kurzen Blick auf den Hintergrund – und wie so oft: Der Kontext plaudert aus, was der Ziegenbärtige gern verschweigt: Der Siemenshandlungsreisende ist einfach blau. Sternhagelvoll. Strack und breit wie kein zweiter Siemensvertreter. Die kleine Ausbuchtung in seinem hässlichen Lederimitattäschlein passt präzise zu einer feinen Flasche Tullamore Dew, die der Kreischende bei einer Abteilungswette auf ex gelehrt hat. Danach konnte er nur noch „Yep!“ jauchzen, als ihn die Kollegen fragten: „He, Ziege, was dagegen wenn wir dich mit deinem hässlichen Lederimitattäschlein ablichten? Mach´ Fäustchen, Ziege. Und cheese!“
Als erstes zwang mich das Bild, an einen Mord zu denken. Der Mann schreit auf, er wurde von hinten erschossen, soviel ist klar. Vielleicht hielt ihn der CIA seines Ziegenbärtleins wegen für einen erwachenden Schläfer der Taliban? Wer würde sonst so ein hässliches Lederimitattäschlein mit sich führen, wenn nicht ein von der Welt bereits völlig losgelöster Suizidaler?
Dann dachte es in mir: Nehmen wir an, er lebt noch, sein Schrei ist kein Todes- sondern ein Wutschrei. Vielleicht hat Mutti ihrem ziegenbärtigen Sohn zum achten Mal das gleiche hässliche Lederimitattäschlein geschenkt und er möchte es mit der Faust vernichten.
Noch Abwegigeres kam mir in den Sinn: Der Vertreter schreit vor Freude auf wegen einer Unterschrift, die ihm unter ein in dem hässlichen Lederimitattäschlein verborgenes Schriftstück gesetzt wurde. Er hat irgendeinen Abschluss bewirkt und kann deshalb nicht mehr an sich halten. Die Heiterkeit hetzt ihn fast in den Wahnsinn, so überwältigend paradiesisch ist das süße Geheimnis in seinem hässlichen Lederimitattäschlein.
Dann warf ich einen kurzen Blick auf den Hintergrund – und wie so oft: Der Kontext plaudert aus, was der Ziegenbärtige gern verschweigt: Der Siemenshandlungsreisende ist einfach blau. Sternhagelvoll. Strack und breit wie kein zweiter Siemensvertreter. Die kleine Ausbuchtung in seinem hässlichen Lederimitattäschlein passt präzise zu einer feinen Flasche Tullamore Dew, die der Kreischende bei einer Abteilungswette auf ex gelehrt hat. Danach konnte er nur noch „Yep!“ jauchzen, als ihn die Kollegen fragten: „He, Ziege, was dagegen wenn wir dich mit deinem hässlichen Lederimitattäschlein ablichten? Mach´ Fäustchen, Ziege. Und cheese!“
Bergarchitektur
22.10.07 –
Dieser
Scheich aus Abu Dhabi, namens Vibramil Bin-Andreas,
ist der einzige mir bekannte Bergarchitekt. Ein
Visionär unter den Baukünstlern, der seine kolossalen
Werke grundsätzlich selbst erstbesteigt.

Man muss ihn einmal mit eigenen Augen bei der Arbeit gesehen haben. Fieberhaft, als gäbe es kein Morgen, entwirft er am Zeichentisch mit donnerndem Lachen und wild wirbelnden Gesten neue Bergrücken, Latschengürtel, Kämme, Grate, Abdachungen, Rinnen, Runsen, Schrofenbänder, Spalten, Risse, Platten, Ferner, Felsen, Bohrhaken nicht zu vergessen und Gipfelkreuze, ausschließlich zu seinem persönlichen Vergnügen. Ganze Heervölker von Bausklaven und Jahresproduktionen an Baggern, Kränen und Lastwagen schleppen, wuchten und betonieren die titanischen Entwürfe in die überraschte Landschaft unserer bis vor kurzem noch sehr bescheidenen Alpen. Danach widmet sich der "Godfather of Mountainbuilding" der Flora und Fauna, gestaltet so manisch wie liebevoll neue großzügigere Murmeltiermodelle, schrofensichere Kühe und Bergdohlen mit kleinen Schnapsfässchen um den Hals, für Verunglückte an schwer zugänglichen Stellen. Gefällt ihm sein Werk, tupft er hier und da ein paar letzte quietschbunte Enziane in den Fels und tritt etwas zurück.
Ist ein neuer Gebirgszug fertig geworden, prüft der steinreiche Bergphantast die Winkel, vermisst die Grate und murmelt, „steiler könntens sein, höher auch, was solls“, nur wenig später ist der agile Wüstensohn am Gipfel, felsgrau in feinsten Ozelot gekleidet, stolz und für einen kurzen Augenblick zufrieden.

Ein Foto – schon hat er am Horizont eine noch unbebergte Ebene ausgemacht und hastet wieder seinem Schreibtisch zu, den Kopf voller neuer Entwürfe, „aber diesmal auf Westalpenniveau“ wie er mit irre flackendem Blick verrät.
Zur Zeit befindet sich Vibramil Bin-Andreas auf Urlaubsreise in Nepal, wo ihn handverlesene Spitzen-Sherpas auf einer vergoldeten Ottomane die Pässe hinauftragen. Hier inspiriert sich der pfiffige Gebirgsbaumeister in seidenen Kissenbergen locker ausgestreckt zu neuen Ideen, schielt auf seiner Prunkliege mit halb geöffneten Augen zum Annapurna hinüber und flüstert, „hübsch, sehr hübsch, den lass ich gleich abtragen, und zieh ihn in Murnau wieder hoch, aber höher, steiler und vielleicht noch einmal in Istrien bei meinem kleinen Lustschloß, wer weiß; na, jetzt schau ich mir doch erst noch den Everest an.“

Man muss ihn einmal mit eigenen Augen bei der Arbeit gesehen haben. Fieberhaft, als gäbe es kein Morgen, entwirft er am Zeichentisch mit donnerndem Lachen und wild wirbelnden Gesten neue Bergrücken, Latschengürtel, Kämme, Grate, Abdachungen, Rinnen, Runsen, Schrofenbänder, Spalten, Risse, Platten, Ferner, Felsen, Bohrhaken nicht zu vergessen und Gipfelkreuze, ausschließlich zu seinem persönlichen Vergnügen. Ganze Heervölker von Bausklaven und Jahresproduktionen an Baggern, Kränen und Lastwagen schleppen, wuchten und betonieren die titanischen Entwürfe in die überraschte Landschaft unserer bis vor kurzem noch sehr bescheidenen Alpen. Danach widmet sich der "Godfather of Mountainbuilding" der Flora und Fauna, gestaltet so manisch wie liebevoll neue großzügigere Murmeltiermodelle, schrofensichere Kühe und Bergdohlen mit kleinen Schnapsfässchen um den Hals, für Verunglückte an schwer zugänglichen Stellen. Gefällt ihm sein Werk, tupft er hier und da ein paar letzte quietschbunte Enziane in den Fels und tritt etwas zurück.
Ist ein neuer Gebirgszug fertig geworden, prüft der steinreiche Bergphantast die Winkel, vermisst die Grate und murmelt, „steiler könntens sein, höher auch, was solls“, nur wenig später ist der agile Wüstensohn am Gipfel, felsgrau in feinsten Ozelot gekleidet, stolz und für einen kurzen Augenblick zufrieden.

Ein Foto – schon hat er am Horizont eine noch unbebergte Ebene ausgemacht und hastet wieder seinem Schreibtisch zu, den Kopf voller neuer Entwürfe, „aber diesmal auf Westalpenniveau“ wie er mit irre flackendem Blick verrät.
Zur Zeit befindet sich Vibramil Bin-Andreas auf Urlaubsreise in Nepal, wo ihn handverlesene Spitzen-Sherpas auf einer vergoldeten Ottomane die Pässe hinauftragen. Hier inspiriert sich der pfiffige Gebirgsbaumeister in seidenen Kissenbergen locker ausgestreckt zu neuen Ideen, schielt auf seiner Prunkliege mit halb geöffneten Augen zum Annapurna hinüber und flüstert, „hübsch, sehr hübsch, den lass ich gleich abtragen, und zieh ihn in Murnau wieder hoch, aber höher, steiler und vielleicht noch einmal in Istrien bei meinem kleinen Lustschloß, wer weiß; na, jetzt schau ich mir doch erst noch den Everest an.“
Botschaften aus dem Jenseits des Spamfilters
27.09.07 –
Heute morgen
bei einem gewohnt kargen Frühstück aus annähernd
versteinerten Brotresten, die ich in abgestandenes
Leitungswasser tunkte, fragte ich mich – nicht zum
ersten Mal – wer mir wohl helfen kann, angesichts des
Vorhandensein der Rechnung in der Bank, dennoch meine
Traume zu zwingen, mich, bekommend das monatliche
Gehalt, das das Internet einwirkt, zu verwirklichen?
Wieder und wieder diese bohrend existentielle Frage
und heute überraschend die Antwort. Endlich sorgt
sich jemand um mein Blühen! Und die Lage ist einfach.
Danke LifeProfit Inc.:
Betreff: LifeProfit Inc.
LifeProfit Inc. kann Ihnen helfen, Ihre Traume zu zwingen, sich, bekommend das monatliche Gehalt, das das Internet einwirkt, zu verwirklichen. Um mit LifeProfit Inc. zu arbeiten, brauchen: • Ein Bürger Deutschlands zu sein • das Vorhandensein der Rechnung in der Bank • die Vereinigung des Computers zum Internet • ist ein wenig es Ihre freie Zeit Wie es arbeitet: Arbeitend für uns wie die Bezahlung, Die den Manager bearbeitet, werden Sie Teil Aus der neuen Tendenz im weltumfassenden Banksystem. Die Pflichten Die Lage ist einfach, und das Einkommen hangt nur von Ihren Bemühungen ab. Sie Sollen - die Zahlungen der Sendung zwischen unseren Kunden, die Ihr Interesse von jeder Operation bekommen, machen. Hauptsachlich werden es 5 %, mit jeder Sendung, die Ihr Interesse züchten wird. Unsere Kunden bekommen 1000 EURO zu 20000. LifeProfit Inc. sorgt sich um Ihr Blühen. Machen Sie Ihr Leben besser zusammen mit der LifeProfit Inc.!
Betreff: LifeProfit Inc.
LifeProfit Inc. kann Ihnen helfen, Ihre Traume zu zwingen, sich, bekommend das monatliche Gehalt, das das Internet einwirkt, zu verwirklichen. Um mit LifeProfit Inc. zu arbeiten, brauchen: • Ein Bürger Deutschlands zu sein • das Vorhandensein der Rechnung in der Bank • die Vereinigung des Computers zum Internet • ist ein wenig es Ihre freie Zeit Wie es arbeitet: Arbeitend für uns wie die Bezahlung, Die den Manager bearbeitet, werden Sie Teil Aus der neuen Tendenz im weltumfassenden Banksystem. Die Pflichten Die Lage ist einfach, und das Einkommen hangt nur von Ihren Bemühungen ab. Sie Sollen - die Zahlungen der Sendung zwischen unseren Kunden, die Ihr Interesse von jeder Operation bekommen, machen. Hauptsachlich werden es 5 %, mit jeder Sendung, die Ihr Interesse züchten wird. Unsere Kunden bekommen 1000 EURO zu 20000. LifeProfit Inc. sorgt sich um Ihr Blühen. Machen Sie Ihr Leben besser zusammen mit der LifeProfit Inc.!
Schwerkraft - die Geißel des Bergsteigens
19.09.07 –
Postkarten
11.09.07 –
Seit zwanzig
Jahren schütze ich die Öffentlichkeit vor einer
diabolischen Postkarte, die ich auf einem Flohmarkt
sicherheitshalber an mich nahm.
Wenn die ein Kind in die Hand bekäme! Sie lag wohl verwahrt und bewacht ganz unten in einer Schublade meines Safes. Kürzlich erinnerte ich mich wieder an sie, setze mir die Taucherbrille auf, nahm das sinistre Kärtlein mit Schutzhandschuhen heraus, legte es auf den Tisch und fragte mich, an wen es wohl abgeschickt worden sein mag.

Umgedreht und gewundert: Kein Wörtchen war auf der Rückseite zu lesen. Aber ich ahne schon, welches böse Geheimnis hinter dieser Karte steckt. Lassen Sie mich raten, was dort hätte stehen sollen, wenn die Karte Ihren Zweck hätte erfüllen dürfen:
„Von anderen sehr geehrter Reiseveranstalter Dansk Tours,
mein Pauschalurlaub auf der dänischen Drecksinsel ist ein Fiasko. Ich bin im Club Gammeldansk umgeben von suizidalen Psychopathen. Der Reiseleiter antwortete auf meinen Wunsch, einmal zu grillen, mit der Ankündigung: „Dann mach ich schon mal den Wald an.“ Ich habe seit Tagen die Sonne nicht mehr gesehen. Ich reise ab. Sie hören von meinem Anwalt.
Dansk Avskum,
Stig Helmer“
oder das?
„Liebe Mutti,
wir sind jetzt angekommen, ich schreibe Dir von drüben, hier ist alles genau so, wie es Dein weissbärtiger Zauberzausel mir erzählt hat. Nur noch viel dunkler. Wenn ich mich nur erinnern könnte, wo ich den blöden Ring reinschmeissen soll. Der Dicke wird es wissen.
Alles Liebe aus Mordor,
Frodo“
Wenn die ein Kind in die Hand bekäme! Sie lag wohl verwahrt und bewacht ganz unten in einer Schublade meines Safes. Kürzlich erinnerte ich mich wieder an sie, setze mir die Taucherbrille auf, nahm das sinistre Kärtlein mit Schutzhandschuhen heraus, legte es auf den Tisch und fragte mich, an wen es wohl abgeschickt worden sein mag.

Umgedreht und gewundert: Kein Wörtchen war auf der Rückseite zu lesen. Aber ich ahne schon, welches böse Geheimnis hinter dieser Karte steckt. Lassen Sie mich raten, was dort hätte stehen sollen, wenn die Karte Ihren Zweck hätte erfüllen dürfen:
„Von anderen sehr geehrter Reiseveranstalter Dansk Tours,
mein Pauschalurlaub auf der dänischen Drecksinsel ist ein Fiasko. Ich bin im Club Gammeldansk umgeben von suizidalen Psychopathen. Der Reiseleiter antwortete auf meinen Wunsch, einmal zu grillen, mit der Ankündigung: „Dann mach ich schon mal den Wald an.“ Ich habe seit Tagen die Sonne nicht mehr gesehen. Ich reise ab. Sie hören von meinem Anwalt.
Dansk Avskum,
Stig Helmer“
oder das?
„Liebe Mutti,
wir sind jetzt angekommen, ich schreibe Dir von drüben, hier ist alles genau so, wie es Dein weissbärtiger Zauberzausel mir erzählt hat. Nur noch viel dunkler. Wenn ich mich nur erinnern könnte, wo ich den blöden Ring reinschmeissen soll. Der Dicke wird es wissen.
Alles Liebe aus Mordor,
Frodo“
Vom Nutzen der deutschen Sprache
06.09.07 –
Hüten Sie
sich davor, zu viele Worte zu machen. Vieles lässt
sich im Deutschen ausgesprochen kurz sagen.
Die deutsche Sprache schafft es, sehr vielschichtige Zusammenhänge, wie beispielsweise die Biographie Harald Juhnkes, in zwei Worten, mit einer winzigen Modifikation des Ausgangswortes vollständig darzustellen.
Glück - Gluck.
Kürzer und schöner lässt es sich nicht sagen. Schon fast eine Grabinschrift.
Für fünf Jahrhunderte der schleichenden Säkularisierung braucht unsere Muttersprache nur ein passend gewähltes Ausgangswort und ein r.
Beichte - Berichte.
Wie der Kapitalismus diese Entwicklung innerhalb weniger Sekunden in einer trivialen Online-Auktion wieder rückgängig macht, erschliesst sich mit nur einem i:
Bieten - Beten
Auch die Folgen des Wohlstands sind sehr knapp ausgesagt in:
Torte - Tote
Manche behaupten, sogar der Geisteszustand eines bekannten Internetdoktors lasse sich in einem e beschreiben:
Vogl - Vogel
Aber das stimmt nicht.
Die deutsche Sprache schafft es, sehr vielschichtige Zusammenhänge, wie beispielsweise die Biographie Harald Juhnkes, in zwei Worten, mit einer winzigen Modifikation des Ausgangswortes vollständig darzustellen.
Glück - Gluck.
Kürzer und schöner lässt es sich nicht sagen. Schon fast eine Grabinschrift.
Für fünf Jahrhunderte der schleichenden Säkularisierung braucht unsere Muttersprache nur ein passend gewähltes Ausgangswort und ein r.
Beichte - Berichte.
Wie der Kapitalismus diese Entwicklung innerhalb weniger Sekunden in einer trivialen Online-Auktion wieder rückgängig macht, erschliesst sich mit nur einem i:
Bieten - Beten
Auch die Folgen des Wohlstands sind sehr knapp ausgesagt in:
Torte - Tote
Manche behaupten, sogar der Geisteszustand eines bekannten Internetdoktors lasse sich in einem e beschreiben:
Vogl - Vogel
Aber das stimmt nicht.



