Qualitätsjournalismus leicht gemacht

Erstens: Der Titel muss ziehen. Suchmaschinenoptimiert und auch sonst mit ordentlich Wallung. Mindestens Finanzkrise und Strahlenopfer und Trümmerfrauen-Edelmut. Warum also nicht: „Aufräumarbeiten im Finanz-Fukushima“? Ja, ist gut. Echt gut. Und dann was, was die Leute mitreisst. Erst abholt, auch die Analphabeten, und dann empört. Vielleicht so: „Berlin ist Entenhausen. Seit Mittwoch ist das amtlich. Schon die 440 Milliarden Euro des sogenannten Rettungsschirms, der Europa und den Euro auffangen soll, waren eine schwer vorstellbare Summe. Durch einen Trick der Finanz-Alchemie wurde daraus nun eine Billion Euro. Onkel Dagobert lässt grüßen.“ Genau. Schon sind alle, die sich auch nichts vorstellen können, bei ihm. Und gleich noch etwas mehr Dramatik: „Die Trümmer der europäischen Wirtschaftsarchitektur bergen eine vernichtende Gefahr für den ganzen Kontinent. Ein Finanz-Fukushima, dessen die Politik nicht Herr wird.“ Diese Worte bergen zwar logisch und grammatikalisch einen Unsinn, dessen der Deutschlehrer kaum Herr wird, aber eine notwendige Zuspitzung für die Katharsis dieses kleinen Journalliendramas sind sie durchaus: „Seit Beginn der Krise im Jahr 2008 tut Angela Merkel ihr Bestes, den maroden Reaktor des Finanzkapitalismus wieder in Gang zu setzen während doch die einzige Lehre aus dem Desaster lauten muss: Abschalten!“ Ja, abschalten, das wär´s doch, er ist so in Rage, da vergisst man schonmal die korrekte Zeichensetzung. Dann spricht er noch, was er bei der Wagenknecht gelesen hat: „Die Schulden des Staates sind die Vermögen der Reichen.“ Aber auf einmal geht es mit der SPD weiter, der zur „Zukunft Europas offenbar auch nichts anderes einfällt als der CDU“. SPD, CDU? Ein fieses Signal, das schlimme Ahnungen, es könnte vielleicht garnicht so gemeint sein, wie es sich anhört, im Leser weckt. Sie bestätigen sich wenig später in diesem Satz: „Er (Steinbrück) könnte etwas tun, was Angela Merkel nicht vermag: Vertrauen schaffen. Aber er verzichtet darauf.“ Das muss man erstmal hinkriegen: Von Entenhausen aus die Gesamtlage ins Visier nehmen, dabei die linke Kampfrhetorik bemühen, um dann am Ende nach was zu schreien? Der Enteignung der Reichen? Der Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln? Der Gerechtigkeit bei Löhnen? Ich werde kleinmütiger: Dem Sozialstaat? Hm. Höheren Hartz 4-Sätzen? Nein. Er schreit nach: Vertrauen. Dem Augstein ist nicht mehr zu helfen. Bei dem Mental-Fukushima sind Aufräumarbeiten zwecklos.
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Gewalt ist keine Lösung gegen Jakob Augstein

In Berlin kam es zu politisch motivierten Straftaten. Bahnstreckenvandalen. Schlug das Herz der Saboteure rechts oder links? Keiner weiß es. Jakob Augstein vermutet links. Er schreibt das auch, dabei mitfühlend, der Provokateur reagiere auf einen Zusammenbruch des Rechts und der Moral im Land. Was Augstein in die Nähe der Linken bringt. Das macht ihn interessant. Aber es ist gefährlich für die Auftragslage eines Journalisten. Wenn er das ernst meint, muss er bald für Gremliza schreiben und davon kann sicher keiner leben. In seinem Artikel auf Spiegel Online steht vorsorglich, Gewalt sei keine Lösung. Damit ist er den RAF-Verdacht los, aber so langweilig wie zuvor. Deshalb dementiert er diesen Satz wieder im Freitag nur zur Vervollständigung des trüben Bildes, das ich mir von ihm mache: „Lieber TS, nur zur Vervollständigung. Der Satz "Gewalt ist keine Lösung" stand in meinem Artikel nicht drin. Den haben die Kollegen in Hamburg reingeschrieben. Ich will damit nicht sagen, dass ich Gewalt für eine Lösung halte. Aber ich hätte von mir aus nie geschrieben, dass sie keine Lösung ist. Das ist ein großer Unterschied. Ihr JA“.

„G
ewalt ist eine Lösung, Herr Augstein?“ – „Das will ich nicht sagen, aber von mir aus auch nicht nicht geschrieben haben.“ Danke, das genügt uns.

Das P
roblem ist bei diesem Geeiere nicht die böse Redaktion des Spiegel. Es ist der Kapitalismus im Journalismus, der immer wieder brave Journalisten dazu verleitet, so zu tun, als ob es Systemkritik in ihrem Kopf gäbe, nur weil sich der Revolutionsfake so gut bei den Frustrierten verkauft.
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Die Financial Times:

Die Internationale Atombehörde berichtet, momentan gäbe es keine Kernschmelze.
Sie schreiben, als ob sie sich, von der Katastrophe erregt, die Kernschmelze herbeisehnten. Der Satz bedeutet: Die Internationale Atombehörde berichtet das zwar, aber es stimmt nicht. Was die FTD-Volontäre natürlich exklusiv wissen. Hätten sie Deutschkenntnisse, oder Mitgefühl, oder journalistische Aufrichtigkeit, hätten sie geschrieben: Die Internationale Atombehörde berichtet, momentan gebe es keine Kernschmelze.
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Alle lieben Klassenclown Gutti und lassen ihn abschreiben

Alle, die ihn am liebsten abschreiben würden, freuen sich, dass er so dämlich war, seine Doktorarbeit abzuschreiben. Wundern muss man sich darüber nicht. Zur Erinnerung:

"Wie viel leichter scheint es jetzt, sich ein Urteil über diese Frage der Angemessenheit zu bilden aus der Distanz mit auch für mich zahlreichen neuen Dokumenten mit neuen Bewertungen, die ich am 6. November dieses Jahres noch nicht hatte. Aus heutiger, objektiver Sicht im Lichte aller auch mir damals vorenthaltener Dokumente ist der Angriff militärisch nicht angemessen gewesen."

Wer so spricht, kann auch nicht schreiben. Er muss sich also etwas würdelos helfen lassen, wenn er die Doktorwürde erwerben möchte. Sein Doktorvater an der juristischen Fakultät in Bayreuth wusste das vermutlich sehr genau. Er kuschte aber vor der adligen, schwerreichen Nobilität und schleimte sich ganz Knecht mit einem Summa cum laude bei dem Herren ein. So weit so absehbar. Ähnlich machte es die Köhler ja auch, die in Ihrer brillanten Arbeit empirisch abgesichert herausfand, dass CDU-Mitglieder tatsächlich denken, wie CDU-Mitglieder eben denken.

Was dann aber doch ein wenig zu weit geht, ist das Engagement der in Erlangen erscheinenden Zeitschrift "Sprachwelt" für den radebrechenden Plagiator: Die zeichnete Guttenberg 2010 als "Sprachwahrer des Jahres" aus. Weder der Duden noch der Dornseiff kennen den Begriff "Sprachwahrer". Auch im Grimmschen Wörterbuch ist er vollkommen unbekannt. Es beruhigt mich ein wenig, dass die Jury erst ein Wort erfinden musste, um Guttenberg für sein Deutsch ehren zu können, aber es beruhigt mich nur ein wenig. Die Erlanger loben nämlich mit dem seltsamen Wort explizit den "ehrlichen Umgang mit der Sprache", den der Verteidigungsminister angeblich übe. Sollte sich dieser Sprachgebrauch durchsetzen, wundern sie sich bitte nicht, wenn ihre Lebensabschnittsgefährtin vor ihnen schreiend davonläuft, sobald sie ihr versprechen, in Zukunft mit ihr ehrlich umgehen zu wollen – wer lässt sich schon gern vergewaltigen?
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Deutsche Ärgernisse

Denken Sie manchmal übers Auswandern nach? Dann könnten Sie sich solange mit den Beobachtungen einer Gleichgesinnten trösten, bis sie den Mut dazu finden: Deutsche Ärgernisse auf Wordpress. Toller Tipp? Bitte, gern geschehn. Ich warne nicht.
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Ein Volksvertreter muss ja kein Einstein sein ...

... aber vielleicht eine Zahl vorlesen können?
einen englischen Text ablesen?
mal ein paar Sätze nicht ablesen?

Es gab früher in Bayern ein menschenähnliches Wesen von krötenhafter Erscheinung, das konnte das aus dem Stand und mit einem gewissen der Absurdität gedankten Unterhaltungswert. Zur Not sogar in einem dem Englischen verwandten bayerischen Stammes-Idiom.

In der Ostzone griffen schwächer begabte Politclowns beherzt zur Flasche, damit sich die Zunge löse und der Geist frei wird, die Vorzüge der Mauer zu preisen. Mit leicht schwankendem Erfolg.

Nur unsere zeitgenössischen Politiker wollen sich nicht mehr anstrengen und stümpern rum. Schämen sollen sie sich, die torfigen Simpel.
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Haderthauer und die deutsche Sprache

SZ: „Haderthauer mahnte, das Beherrschen der deutschen Sprache sei "Bürgerpflicht". Es sei jedem Migranten zuzumuten, sie innerhalb eines Jahres zu lernen.“
1962 geboren kämpft Frau Haderthauer seit Jahrzehnten mit der deutschen Sprache. Und heraus kommt sowas:
„Familie ist der Ort für Zukunft und Lebenschancen von Kindern.“ Das stimmt für Söhne wie Max Strauß und Konstantin „2.0“ Neven DuMont, die tatsächlich ihre Zukunft in der Familie finden. Die meisten werden sich wohl woanders Arbeit suchen müssen.
„Was Familie kann, kann nur Familie!“ Aha.

„Im Laufe der Zeit haben sich die Erwartungen an das, was Familie leisten soll oder kann und an das, was der Staat zu leisten hat, gewandelt. Das ist ein gesellschaftlicher Prozess, der ständigen Entwicklungen unterliegt, der atmet.“ Der Erwartungsprozess unterliegt atmend ständigen Entwicklungen. Ich verstehe. „Hierauf gibt es keine einfachen Antworten.“ Die Antworten auf atmende Prozesse gehören zu den schwersten.

„Lebenschancen, das sind heute vor allem soziale Schlüsselkompetenzen und eine gute Persönlichkeitsentwicklung.“ Die Lebenschancenforschung sagt: Die Netten schaffen es!

„Erfolgreiche Politik für meinen Stimmkreis Ingolstadt-Neuburg erfordert den Einsatz für eine Vielzahl von Anliegen und Themen.“ Ein Glück, dass dieser Satz kein Subjekt hat. Fast hätte ich geglaubt, die Haderthauer möchte sich für eine Vielzahl von irgendwas einsetzen.

„Ländlicher Raum und Großstadt entwickeln sich hier in gegenseitiger Befruchtung zu einer der Boomregionen Bayerns.“ Wie zwei Schnecken?

„Medien sind Partner und Kontrolle der Politik.“ Solche Sätze sind Bildungsversager und Haderthauer der Sprache. Richtig heisst es: Krasse Blogs sind Kontrolle von Politik, Alder.

.„Was nutzen die schönsten Schulbauten, wenn darin Bildungsversager sitzen?“ Tja. Und was die schönste Staatskanzlei, wenn die Haderthauer drin schwadroniert und ihre Ressentiments in deppendeutsche Sprachfehler packt?
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Tag der Einheit

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Bürgerabend

Sarrazin feiert einen Abend mit seinen Fans im Literaturhaus in München und es passiert etwas Unvorhergesehenes: Da, wo sonst so distinguierte, gebildete, still geniessende Münchner Kulturkonsumenten ihre Pfeifchen und Moleskin-Notizblöckchen hintragen, da wurden die Gegner Sarrazins laut und bös gemobt – von dem Münchner Kulturmob. Warum die da öffentlich den Rassisten herauskehren, ist sonnenklar: sie dürfen es dort im Schutz der Masse wagen. Die SZ wundert sich, warum die vielen gebildeten Menschen sich so gehen lassen konnten. Ich wundere mich nicht. Der Sarrazin spricht ihnen aus dem Herzen. Schließlich spürt der Mittelstand, dass seine Felle seit einigen Jahren ins Schwimmen geraten, Hartz 4 ist auch für überdurchschnittlich Verdienende eine ernstzunehmende Bedrohung geworden, denken die. Das weckt den Rassisten im Kleinbildungsbürger. Oder, mit Sarrazin zu sprechen: "Ich bin 65 Jahre alt, lebe noch, war viele Jahrzehnte Beamter, ich habe eine gute Altersversorgung und mein Haus in Berlin ist schuldenfrei. Angst habe ich keine mehr“. Die Münchner Literaturgeniesser wünschen sich von Herzen, dass das auch für Sie so bleibt. Und der Sarrazin erklärt, wie es geht: Weg mit den unnützen Essern, die auch gern in schuldenfreien Häusern leben und eine Pension geniessen würden. Sarrazin und seine Anhänger glauben, damit wäre ein Gedanke, womöglich ein für „Deutschland“ wichtiger Gedanke ausgedrückt. Was Sarrazin wirklich ausspricht, ist ein Reflex. Der Reflex, den Nahrungskonkurrenten auszuschalten. Nichts weiter. Das einzige, was ihn von richtigen Nazis unterscheidet, ist die Weitschweifigkeit. Er muss ein ganzes Buch lang mit Wissenschaft und Rhetorik bluffen, um auszusprechen, was ein Nazi in einem Satz rausbellt. Deutschland den Deutschen.
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Niebels globaler Fokus

Der Entwicklungshilfeminister, der seine Entwicklungshilfezusagen sonst notorisch nicht einhält, macht in Gaza natürlich eine Ausnahme von seinen Prinzipien und wirft sich auf dem Weg zur gesponserten Kläranlage gezielt in den braunen Schlamm, in dem der Paech bereits liegt, nur um dann zu blöken, es sei nun aber fünf vor zwölf für die Israelis. So weit so dreckig. Den Plan hinter seinem Handeln charakterisiert er selbst so: „Die neue Entwicklungspolitik besitzt einen globalen Fokus, keinen Stückwerkcharakter“. Da hat er recht, deutsche Aussenpolitik hat einen globalen Charakter: Was auch immer in der Welt Übles passiert, hat seine Ursache in der jüdischen Weltverschwörung und wer dagegen vorgeht, macht es bitte endgültig. Fünf nach zwölf muss Israel weg sein. Alles Andere hätte Stückwerkcharakter.
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Berichterstattung komplex

Herr Kachelmann, ein angeblicher Meteorologe, hat eine Frau, die angeblich seine Freundin oder aber angeblich seine Stalkerin sein könnte, angeblich zum Sex gezwungen. Die Saatsanwaltschaft wollte den Namen des Verdächtigen angeblich zuerst nicht mitteilen. Hat dann aber doch. Freut sich die schleimige Bildzeitung. Der Anwalt der Angeblichen kooperiert mit BILD. Der Anwalt des Angeblichen mit dpa. Eins zu null für den Inhaftierten. Sonst ist noch nichts bekannt. Den Peinlichkeits-Highscore hält bislang die Süddeutsche für die Headline „Kachelmann in U-Haft - Schlechte Aussichten“. Ich halte das Urheberrecht für „Kachelmann im Dauertief“, „Der Wetterfrosch steigt von der Leiter“ und „Hass hagelt auf Kachelmann“ (für den Fall, dass die Angebliche gewinnt) und „Kachelmann - Tendenz steigend“ bzw. „Er fühlt sich wirklich besser“ (für den Fall, dass der Angebliche gewinnt).
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Synonyme?

Das Synonymlexikon des Duden Verlages wurde offenbar von einem Rechtsradikalen programmiert. Oder wie soll ich mir diese Synonymvorschläge für „zunehmend“ erklären:

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Stilblüte

köstlich. Dieses Bild wählte (nach Karl Kraus) ein Journalist: „sich mit frivoler Hand aus dem Sonnenbezirk jäten“, als er was meinte? Richtig: einer hat sich umgebracht.
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Captain Berlin rocks

Der Film: Hitlers Leibarzt, Nazi-Shewolf Dr. Ilse von Blitzen, hat Führers Gehirn mit Augen vor dem Untergang bewahrt und will den Gröfaz nun irgendwie wieder zum echten Leben erwecken. Das klappt nicht recht. Sie hat dazu zuerst einen Golem aus SS-Leichenteilen zusammengeschustert, der von dem unsterblichen Dracula lebendig gebissen werden soll. Der beisst aber lieber in die blonde Tochter von Captain Berlin als in Leichenteile, ausserdem ist er Kommunist. Captain Berlin nimmt die Verfolgung auf, um seine vom Fürsten der Finsternis entführte Tochter zu retten.
Dr. von Blitzen entsorgt derweil das Monster und packt den Führer in eine bewaffnete Blechkiste mit Rädern, den Hitlerrobo. Captain Berlin schaut bei Hitler vorbei und sucht einen Priester auf, der ihn mit Knoblauch, Kreuz und Weihwasserwumme auf Dracula vorbereitet und zieht los ins Brandenburger Schloss. Er kämpft dort mit Dracula, der Hitlerrobo mit Entourage kommt auch dazu und den Schluss gucken Sie sich selbst an, bitte.

Ein recht übersichtlicher Plot, aber was ist das eigentlich? Einem an einen fiktiven alten Comic angelehnten Theaterstück, das gerne ein Retrofilm wäre, wird sein Wunsch erfüllt. Seine Aufführung wird abgefilmt und zu schrottiger Retrocomicoptik am Computer überbastelt. Ein doppelter Gattungsschwindel ähnlich wie in der Rocky Horror Picture Show, die auch noch ein Musical sein will.

Das ist sehr genussvoll anzusehen. Das Ganze strotzt vor Genreklischees und das soll es wohl auch. Ich sehe darin die Hauptbotschaft dieses Films: Einem untoten Monstrum wie Hitler wird man nur so gerecht, dass man es neben Dracula und Frankenstein auftreten lässt. Sein künstlerischer Ort nach der Tragödie ist die unterste Schublade der Groschenhorrorcomic-Unterhaltung. Selbst der Landserroman tut ihm noch zuviel Ehre an. Versuche der hohen Filmkunst, sich dem Phänomen Hitler mittels Bruno Ganzschem Einfühlungsvermögen psychologisch zu nähern, sind gescheitert. Es ist ziemlich ekelhaft, den Führer als gebrochenen alten Mann vorgestellt zu bekommen. Als boshaftes Gehirn mit Stielaugen sehe ich ihn viel lieber.

Und noch eine andere Frage beantwortet der Film abschließend und gültig: Jimmy Hendrix hat über die USA alles Wichtige gesagt, als er die Nationalhymne auf seiner elektrischen Gitarre zersägte. Wie könnte man Deutschland durch die deutsche Hymne auf vergleichbare Weise verständlich machen? Man zerpfeift sie auf einer Blockflöte. Sehr deutsch und sehr schön.
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Committee to Protect Journalists

In der Telepolis lese ich (http://www.heise.de/tp/blogs/6/146718), immer mehr freie Journalisten weltweit werden inhaftiert, vor allem Blogger. Glücklicherweise gibt es ein Committee to Protect Journalists (CPJ), dessen Chef etwas konstatiert:

CPJ-Chef Joel Simon konstatiert eine neue Gefährdungslage, die auf viele Freelancer aktuell zutreffe:
"Der Aufsteig des Online-Journalismus hat zwar die Tür für eine neue Generation von Reporten aufgestoßen, aber er bedeutet auch, dass sie Gefahren mehr ausgesetzt sind.“


Wenn Sie dann wieder freigelassen werden, schreiben die Verhafteten vermutlich sowas in Ihre investigativen Blogs:

Ich bin einer aus der neuen Generation von Reporten, denen der Online-Journalismus die Tür aufgestossen hat. Schreibe als Freelancer Blog. Nach meinem Aufsteig las mich Geheimpolizei. Plötzlich traf diese Gefährdungslage, von mir gleich konstatiert, auf mich zu, klingelte an der Tür und führte mich ab …

Das würde ich als chinesischer Apparatschik auch nicht wollen, dass ein Blogger meine geheimsten politischen Pläne aufdeckt und dann in so einer verhunzten Sprache publiziert. Gleichwohl ein Tipp an die „Machthaber“ in aller Welt: Es ist viel billiger ein Lektorat zu bezahlen, als ein Gefängnis. Holen Sie ein Angebot ein beim Dr. Vogl.
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Vom Irak lernen

http://www.wadinet.de/blog/?p=2305
Ein Israelischer Ingenieur arbeitet in Bagdad und begegnet pro-Israelischen Irakern. Wenn jetzt die so genannten Linken in Deutschland sich vielleicht auch noch zu einer vernünftigen Position gegenüber Israel durchringen wollten, wäre das schön. Bislang denken die Meisten da wohl eher so, wie der Paech schwätzt, wenn er die von der Hamas nach Israel abgefeuerten Raketen als "Neujahrsraketen" abtut. Die wollen nur spielen.
http://www.taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/israel-spaltet-die-linke/?src=SZ&cHash=42fcdb9273
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Microsoft vs. deutsche Sprache: 2:0

Seit ich mit dem jüngst, unter starkem äusseren Zwang, installierten satanischen Betriebssystem arbeiten muss, reisst die Reihe der Überraschungen nicht ab. Heute lese ich in einem Winkel des Bildschirms den mit einem Warndreieck garnierten Hinweis: "Auf dem Desktop befinden sich nicht verwendete Dateien." Ich erschaudere. Nicht verwendet? Unnütze, faule Files auf meinem Desktop? Himmel hilf! Was tun? Das Fenster-Teufelchen verrät es mir: "Mit dem Desktopbereinigungs-Assistent kann der Desktop bereinigt werden. Klicken Sie auf dieses Symbol, um den Assistent zu starten." Bitte, Bill: Mit dem Assistenten. Dann ist es schon fast deutsch. Jetzt noch gereinigt statt bereinigt und auch der Sinn nimmt Konturen an. So halbwegs jedenfalls. Da gibt es bei MS offenbar eine Abteilung, die "Assistenten" programmiert. Die waren im November schon damit fertig. Und damit im Dezember keiner entlassen wird, fanden Sie das Desktopbereinigungsproblem. Ob das dieselben waren, die das "Eingabegebietsschema" durchgesetzt haben? Möglich wär´s.
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Microsoft vs. deutsche Sprache: 1:0

Ich bin gezwungen, vorübergehend mit dem Betriebssystem des Satans zu arbeiten. Also XP professional. Wollte nun, für meine Arbeit zwingend, die Sprache vorab einstellen. Und zwar so, dass sie ab jetzt immer "Deutsch" ist und bleibt, bis ich es wieder anders haben will. Aber wo? Suche in der Hilfe nach "Sprache", "Standardsprache" und sogar "Default Sprache"/ "Default language" erfolglos. Dann längeres grantiges Rumprobieren bis sich ein Zufallserfolg einstellte. Danach großes anhaltendes Kopfschütteln.

Wie lange muss man in seinem Leben eigentlich programmiert haben, resp. sein Gehirn durch Alkoholabusus gemartert haben, bis man auf die Idee kommt, das schöne deutsche Wort "Sprache" durch "Eingabegebietsschema" zu ersetzen? (zu erreichen über die Eingabegebietsschemaleiste)
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Mitarbeiterdeutsch

Wer früher einen Gedanken äußerte, der gehaltvoll genug war, in weiteren Einzelheiten dargestellt zu werden, der sprach davon etwa so: Das ist meine Idee und die möchte ich Ihnen nun en detail ausführen. Ein Mitarbeiter unserer Tage würde seine Idee „herunter brechen“. Danach ist sie gewiss kaputt und zu nichts mehr zu gebrauchen.

Wer in der Vergangenheit jemanden treffen wollte, konnte ihm sagen, ich werde um 10 Uhr bei dir sein. Heute müsste er dort wenigstens zur vereinbarten Zeit „aufschlagen“, wenn er sich als kundig im Mitarbeiterdeutsch beweisen möchte. Ich konnte mich bislang nur einmal über das Aufschlagen eines Menschen freuen. Der hieß Möllemann.

Ihnen werden mühelos weitere Beispiele dieser Kategorie einfallen. Ich mag diese rohe Sprache nicht. Sie hat was möllemannsches, todesverliebtes.
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Das ist nicht schlau

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Unter Textern

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Von Japan können wir noch lernen

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Aua

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Glauben Sie nicht, was Sie lesen

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Spitzensport

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Die Trenddeutschen werden zeitnah verblöden

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Gefährliche Lektüre

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Der Lektor kommt spät, aber er kommt

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Tiergartenquelle

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Firmenschilder im Schwanzvergleich

Der Erfolg eines Kleinunternehmens wächst natürlich mit der Länge seines Firmenschildes, das versteht man ohne nachzudenken. Abends, wenn der Meister die Hände in den Schoß gelegt hat, geht er deshalb in sich und knobelt versonnen große Namen aus. Mit ein bisschen Phantasie geht das für ihn befriedigend aus und nur selten in die Hose. Hat er sich schließlich den längsten herausgegriffen, den er finden konnte, muss er nur noch ein mächtiges Schild vor dem Eingang annageln, das seine riesige Buchstabenlatte auch zu fassen vermag,– dann kommt die Kundschaft wie von selbst und das Geld fliesst in Strömen. Bis jetzt steht das bedeutendste mir bekannte Firmenschild in Wien. Es heisst „Leichtmetalljalousienerzeuger“. Die 29 Zeichen wurden nun allerdings schon fast getoppt durch den in Königsdorf ansässigen „Orthopädieschuhmachermeister“ (28 Z.). Der Wettbewerb ist eröffnet. Mal sehen, wer als nächstes mitmacht. Über meinem Büro steht übrigens „DoktorvogldergenauaufpasstwerdaslängsteSchildhatwarnt“.
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Botschaften aus dem Jenseits des Spamfilters

Heute morgen bei einem gewohnt kargen Frühstück aus annähernd versteinerten Brotresten, die ich in abgestandenes Leitungswasser tunkte, fragte ich mich – nicht zum ersten Mal – wer mir wohl helfen kann, angesichts des Vorhandensein der Rechnung in der Bank, dennoch meine Traume zu zwingen, mich, bekommend das monatliche Gehalt, das das Internet einwirkt, zu verwirklichen? Wieder und wieder diese bohrend existentielle Frage und heute überraschend die Antwort. Endlich sorgt sich jemand um mein Blühen! Und die Lage ist einfach. Danke LifeProfit Inc.:


Betreff: LifeProfit Inc.

LifeProfit Inc. kann Ihnen helfen, Ihre Traume zu zwingen, sich, bekommend das monatliche Gehalt, das das Internet einwirkt, zu verwirklichen. Um mit LifeProfit Inc. zu arbeiten, brauchen: • Ein Bürger Deutschlands zu sein • das Vorhandensein der Rechnung in der Bank • die Vereinigung des Computers zum Internet • ist ein wenig es Ihre freie Zeit Wie es arbeitet: Arbeitend für uns wie die Bezahlung, Die den Manager bearbeitet, werden Sie Teil Aus der neuen Tendenz im weltumfassenden Banksystem. Die Pflichten Die Lage ist einfach, und das Einkommen hangt nur von Ihren Bemühungen ab. Sie Sollen - die Zahlungen der Sendung zwischen unseren Kunden, die Ihr Interesse von jeder Operation bekommen, machen. Hauptsachlich werden es 5 %, mit jeder Sendung, die Ihr Interesse züchten wird. Unsere Kunden bekommen 1000 EURO zu 20000. LifeProfit Inc. sorgt sich um Ihr Blühen. Machen Sie Ihr Leben besser zusammen mit der LifeProfit Inc.!
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Vom Nutzen der deutschen Sprache

Hüten Sie sich davor, zu viele Worte zu machen. Vieles lässt sich im Deutschen ausgesprochen kurz sagen.
Die deutsche Sprache schafft es, sehr vielschichtige Zusammenhänge, wie beispielsweise die Biographie Harald Juhnkes, in zwei Worten, mit einer winzigen Modifikation des Ausgangswortes vollständig darzustellen.
Glück - Gluck.
Kürzer und schöner lässt es sich nicht sagen. Schon fast eine Grabinschrift.

Für fünf Jahrhunderte der schleichenden Säkularisierung braucht unsere Muttersprache nur ein passend gewähltes Ausgangswort und ein r.
Beichte - Berichte.

Wie der Kapitalismus diese Entwicklung innerhalb weniger Sekunden in einer trivialen Online-Auktion wieder rückgängig macht, erschliesst sich mit nur einem i:
Bieten - Beten

Auch die Folgen des Wohlstands sind sehr knapp ausgesagt in:
Torte - Tote

Manche behaupten, sogar der Geisteszustand eines bekannten Internetdoktors lasse sich in einem e beschreiben:
Vogl - Vogel

Aber das stimmt nicht.
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