Forschung & Lehre

Zugspitzopfer

Ein Mann, der nach eigener Aussage „mehr als hundert Bergläufe“ erfolgreich durchlitten hat, vertraut dem Spiegel – nachdem er kürzlich erfolglos versucht hatte im Schneetreiben den Zugspitzgipfel zu errennen – dieses an:

„SPIEGEL ONLINE: Inwiefern haben Ihnen die Rettungskräfte geholfen?
Strackerjan: Die haben mich gepackt, hochgeführt und die ganze Zeit mit mir gesprochen. Ich habe zwar die kalten Hände und Füße gespürt, aber erstmals erfahren, wie es ist, wenn der Körper auf einmal nicht mehr das tut, was der Kopf will. Nie hätte ich gedacht, dass Wind solche Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben kann. Man müsste Arzt sein, um das zu wissen.“

Ich denke ganz konträr, er hat dabei erfahren, dass sein Kopf noch nie das tat, was sein Körper von ihm wollte: Denken. Anders kann ich mir nicht erklären, warum der Ironman Medizin studieren möchte, um zu ergründen, weshalb er sich im Schneesturm was Warmes anzuziehen hat.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,565841,00.html
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Sonnenstaat

Bayern-SPD-Chef Ludwig Stiegler äußerte sich beim Parteitag dergestalt, er wolle Bayern zu einem "Sonnenstaat" machen. "Weißbier, Leberkäs und Schnitzel, alles kommt letztendlich von der Sonne", behauptete der wohlinformierte Stiegler. Und schloss daraus, deswegen solle auch die Energie in Bayern künftig von der Sonne kommen.

Ich musste mir mehrmals an den Kopf fassen, bis diese Logik auch meinem Gehirn zugänglich wurde. Aber jetzt weiß ich es. Der Stiegler irrt sich in der Herkunftsfrage und zieht deshalb die falschen Schlüsse. Die Energie in Bayern muss zukünftig von der Gastwirtschaft kommen. Kann das mal jemand dem bayerischen Gastronomieverband beibringen?

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Mastermind Gülen

Die besten Antworten werden oft auf Fragen gegeben, die niemand hat. Zum Beispiel die Spieglein, Spieglein-Fragen „wer ist der bedeutendste Intellektuelle der Welt?“ oder „wer ist die Schönste im ganzen Land?“. Beide werden sehr treffend beantwortet mit Fethullah Gülen bzw. Angela Merkel.
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/948/183377/

Seltsamerweise hatte ich von Fethullah Gülen bislang noch nie etwas gehört. Ich habe mich deshalb einmal auf seiner Website umgesehen. Da gibt es eine Rubrik „Perlen der Weisheit“, die mir große Freude bereitet.

Mir hat noch nie jemand so klar und in so einfachen Worten erklärt, wozu ich eine Brille tragen muss:
Brillen sind Hilfsmittel der Augen, die Augen sind Hilfsmittel des Verstandes, der Verstand ist ein Hilfsmittel der Einsicht, und die Einsicht ist ein Hilfsmittel des Bewusstseins. Das Bewusstsein wiederum ist eine Luke, durch die der Geist schauen, und ein Hilfsmittel, mit dem er sehen kann.
Da hockt der Geist blind im Dunkeln rum, bis die Luke Bewusstsein aufgeht, hinter der bereits die Hilfsmittel Einsicht, Verstand und Brille warten, um gemeinsam endlich ein wenig Licht ins Oberstübchen zu lassen. Genau so habe ich mir das vorgestellt, hätte es aber niemals so schön vortragen können wie Fethullah Gülen, dessen Denk-Luke gewiss einem sperrangelweit offenen, von Flutlicht erleuchteten Scheunentor gleicht.

Seit Jahrhunderten fragen sich die Gelehrten der Welt, ob in der Nichtexistenz nicht vielleicht doch noch irgendwas tröstendes Kleines zu finden wäre, würde man nur genauer hinsehen, irgendein Nanoetwas, ein Krümel, ein Stäubchen, sie raufen sich die Haare, so schrecklich leer erscheint ihnen die Nichtexistenz– aber Gülen durchkreuzt diese Hoffnungen mit einem strengen Verdikt, einem großen, abschließenden Basta, für das er sich sogar auf das dünne Eis eines unendlich weiten Feldes begibt, das dem Verstand übel zusetzt:
Die Nichtexistenz ist ein schreckliches Nichts. Sie ist ein unendlich weites und dem Verstand abträgliches Feld, auf dem nicht einmal ein Stäubchen Existenz zu finden ist.

Seinen Titel als weltbedeutendster und intellektuellster Vordenker hat er sich aber vor allem damit verdient, dass er die Wahrheit kennt, was ihn zweifellos vor weniger fanatischen Intellektuellen auszeichnet.
Heutzutage werden fromme Menschen oft als Fanatiker bezeichnet. Fanatismus beinhaltet jedoch das Beharren auf falschen und blinden Behauptungen. Auf der Wahrheit zu beharren, ist hingegen eine Tugend; und wenn ein Gläubiger dies tut, darf sein Verhalten auch nicht als Fanatismus gebrandmarkt werden.

Vielleicht ist er auch deshalb der mehrheitsfähigste Intellektuelle der Welt, weil er im Grunde denkt, wie meine katholische Großmutter im Niederbayerischen auch dachte, also so, wie die meisten religiösen Praktikanten welcher Glaubensrichtung auch immer:
Wer die Religion nicht anerkennt, wird früher oder später erhabene Werte wie Keuschheit, Patriotismus und Liebe zur Menschheit verschmähen.
Und ich dachte immer, wer die Menschheit liebt wird Keuschheit, Patriotismus und natürlich die Religion verschmähen. So kann man sich irren. Oder mit meiner Großmam zu sprechen: „Zerscht gengas nimmer in d´ Kirch. Dann gengas zu die Hur´n, die vaterlandslosen Hur´nböck´, die narrischen.“

Wenn Sie jetzt gerade grinsen; lassen sie es lieber:

Denen, die sich heute lustig machen
Geschrieben von Fethullah Gülen
Samstag, 10 Juli 2004
Ein Mensch, dessen Engagement bei der Anbetung Gottes mit zunehmendem Alter nicht steigt, ist ein unglücklicher Mensch. Denn er macht Verlust zu einer Zeit, in der er Gewinn machen könnte. Wenn er dies realisiert, wird er beweinen, worüber er heute noch Scherze macht.
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Alternative Treibstoffe aus Geflügel

Über Öl sprach ich schon und vergaß dabei sicher auch nicht , die drohende Verknappung dieser übelriechenden Naturgottheit der Wachstumsgläubigen zu erwähnen. Trotz ihres religiösen Handicaps haben manche von denen manchmal einen wachen Tag, an dem sie selbst bemerken, dass Alternativen not tun. Dann sagen sie sowas: „Chinas neue Liebe zum Auto lasse sich, so die Manager, eventuell mit alternativem Treibstoff befriedigen, der aus Erdgas, Kohle, Getreide, Zuckerrohr, Algen oder Truthahninnereien, gewinnen lassen. „ (Financial Times Deutschland 11.06.08)

Ein Treibstoff, der aus Truthahninnereinen gewinnen lassen, war bisher sicher nicht nur mir, sondern auch der deutschen Sprache unbekannt. Ich will nicht kleinlich sein, man geht ja mit dem Fortschritt. Nur, wie muss ich mir das praktisch vorstellen? Fünf Zapfsäulen? Super - Extra Super - Diesel - Superdiesel - Turkey?
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Die Wissenschaft hat festgestellt: Emotionsarbeit macht krank

Im Callcenter, am Schalter und als Saftschubse im Flieger: Grinsen ist Pflicht, auch wenn das Herz einen ganz anderen Gesichtsausdruck präferieren würde. Dieses Rumschleimen, weil der Boss es will, macht krank, sagen die Psychologen. Was also tun als gesundheitsbewusste Düse?
„Echte Gefühle machen Kunden zufrieden. Außerdem gibt es bestimmte Vorstellungen, die bei der Freundlichkeit helfen. Flugbegleiter stellen sich beispielsweise bei der Arbeit vor, sie befänden sich in ihrem Wohnzimmer und die Passagiere wären ihre Verwandte.“
(
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28053/1.html)

Das möchte ich lieber nicht erleben, wie der Flugbegleiter mit kaum verhohlenem Sadismus zu mir sagt: „Ach komm schon, ein Scheiberl geht schon noch vom Braten, bist doch ein Mannsbild. Wegen dem kleinen Knödel, hörst, schmeckens Dir etwa nicht? Vielleicht noch ein Haxerl von der Ente? Satt bist? Bist krank, vielleicht? Kriegst an Schnaps. Iss ruhig zu, nachher gibts bloss noch ein wenig Brotzeit und dann Kuchen, weisst schon die Cremetorte, die Du immer so magst…“
Vielleicht will er aber emotional authentisch sein und sagt auf dem Flug, irgendwo über der hässlichen Dänemark, was er denkt: „Jaja. Die böse, böse Uhr. Tja, jetzt waren wir alle mal wieder ein Stünderl zusammen, schön, jetzt müsst Ihr aber leider wieder aufbrechen, weil unsereins noch nach New York weiterfliegen will - allein; war schön, dass wir uns mal wieder an Bord gesehen haben, der Kapitän entriegelt gleich hinten die Ausstiegsluke, ich helf Euch noch in den Mantel, Bussi servus, - nein nein, das sieht nur so hoch aus, also raus mit Euch…“
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Geläufige Irrtümer der Medizin

Funktionsweise und Endzweck des menschlichen Körpers sind zwei der letzten großen Rätsel, sie warten auf endliche Aufklärung wie sonst nur die Fragen „existiert Gott?“, „wo existiert Bin Laden?“ und „Herzchen, gehen wir zu dir oder zu mir?“

So wundert es nur wenig, dass über den Körper die wildesten Mythen kursieren. Einige davon habe ich für sie geprüft, seitdem dürfen sie als widerlegt gelten:

„Trinke 8 Glas Wasser am Tag – mindestens“ – das ist natürlich offensichtlich Unfug. Der Körper braucht Flüssigkeit, keine Frage, aber nachdem er zum Singen geschaffen ist, ja, zum Singen, sie lesen richtig, da gibt es nämlich ein ganz wundervolles Organ, ein himmlisches Instrument unter ihrem Kinn, das kann falsettieren, quintilieren, solfeggieren, solmisieren, sekundieren, tremolieren, kurz: singen, oder könnte es jedenfalls lernen, statt immer nur tagaustagein zu brabbeln; ich schließe demnach – ein für Belcanto geschaffener Körper braucht Bier, nicht Wasser. Ich würde mich schämen, nüchtern zu singen.

„Wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirns“ – das habe ich schon oft gelesen und noch jedesmal gewusst, dass in dem Satz nur das Subjekt und das Objekt falsch ist: Ihr nutzt nur 10 % eures Gehirns. Und, Hand aufs Herz, nicht einmal die für das Wesentliche, nämlich für den Zauber engelsgleicher Gesangskunst.

„Lesen bei schummrigem Licht verdirbt die Augen“ – Diese Behauptung ist ungefähr so gut begründet wie „Singen mit weniger als 8 Glas Bier verdirbt die Stimme.“ Das ist nicht der Fall. Man schämt sich nur ein bisschen dabei, wie vielleicht der Teenager mit seinem Herrenmagazin bei schummrigem Licht unter der Bettdecke. Den Augen macht das nichts. Die merken dabei doch erst, wozu sie gut sind.

„Mit vollem Bauch soll man nicht schwimmen gehen“. Stimmt. Wenn sie mit acht Bier im Bauch bei schummrigem Mondlicht in den nachtdunklen Teich steigen, werden sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit letal verschlucken, weil sie dort glücklich dahinschwimmend spontan zu singen anheben. Und mit den zehn Prozent Hirnkapazität finden sie in ihrer Panik kaum noch ans Ufer zurück. Also: Vorsicht.

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Allegorie der Philosophia

Staunen im Blick,
den Kant in der Hand,
so stiefelt der Weise
verkannt durchs Land.

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Wenn Ihnen einer mit Kants Kritik der reinen Vernunft kommt, dann sehen Sie sich den Burschen ruhig genau an. Den meisten ist nicht nur ihre Lektüre ein paar Nummern zu groß.
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Vorsicht Ärzte!

Fachsprachen sind nie schön und auch niemals besonders einfühlsam. Sie richten sich die Dinge so her, dass sich die Eingeweihten rasch, andere aber gar nicht mehr unterhalten können. Wer dabei steht, wundert sich, zum Beispiel bei Ärzten, über kauzige Wendungen wie „manisch-läppisches Faseln“ oder die bereits etwas breiter bekannte „senile Bettflucht“.
Manchmal gehen den Ärzten aber regelrecht die Zügel durch vor Entzücken, wenn Sie besonders aufregende Phänomene in ihrem Idiom ausdrücken dürfen. So las ich vor kurzem von einem „fulminanten Leberversagen“, das mir bereits etwas obszön vorkam, in der offenen Begeisterung für die seltene Krankheit. Mein Duden gibt mir diese Synonyme für „fulminant“: berauschend, brillant, grandios, großartig, hinreißend, imposant, mitreißend, überwältigend, umwerfend; (ugs.): [echt] bombig, famos, fantastisch; (oft scherzh.): göttlich.
Der Facharzt auf der Notaufnahme: „Mensch, Müller, Sie bringen uns da ja ein famoses Leberversagen mit. Sagen Sie nichts, wir müssen vielleicht erstmal sehen, wie wir sie wieder aus dem Koma kriegen, was? Aber ehrlich, Respekt, so einen imposanten totalen Leberausfall hatten wir hier Jahre nicht mehr. Einfach göttlich, Müller. Oh Mann, ihren Zusammenbruch erzähl ich gleich dem Chef, der kriegt sich nicht mehr ein.“
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Verborgener Ballast

Ich lerne ständig hinzu. Wussten Sie, dass ein menschlicher Körper aus 10 Billionen Zellen besteht? Wenn Sie das bereits erstaunlich finden, sollten Sie vor meiner nächsten Mitteilung noch einmal tief Luft holen. Ein Mensch beherbergt 10x10 Billionen Bakterien in seinem Leib. Muss ich ausführen, welche Aufschlüsse das über die Mühen des Bergsteigens gibt? 99% dieser Bakterien leben in einer Körperregion, die die Wissenschaft vielleicht etwas euphemistisch als Darmflora bezeichnet. Wenn also demnächst wieder einer ohne Sauerstoff auf den Mt. Everest steigt, klatschen Sie nicht zu früh. Vielleicht hat er für den Gipfelsturm nicht nur die Sauerstoffflaschen, sondern auch seine Darmflora im Basecamp zurückgelassen. So ist das natürlich ein Spaziergang.
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Doktor Vogl lauscht

Der Einstieg in die Reifezeit ist grausam. Mit den Jahren vergisst man wie hart der Weg aus der Kindheit wirklich ist. Ich musste kürzlich ein Gespräch zweier Schüler belauschen. Der dicke Große herrscht den Kleinen an, der so gar gerne auch dabei wäre: "Vergiss es, Gangster tragen keine Zahnspangen!"
Denkt der. Ich bin alt genug, es besser zu wissen: Der "Beisser" aus dem 007-Film "Moonraker - streng geheim" trägt durchaus eine.
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Doc Vogl antwortet: Klärende Worte zu einigen unbeantwortet gebliebenen Fragen des Homöopathieopas Samuel Hahnemann.

samuelhahnemann
Der Urgroßvater der Minimaldosierung erlebte die Antworten auf diese Fragen nicht mehr. Doch das lässt sich nachholen:

„Hat wohl die purgierende Strauchkugelblume etwas mit der unkräftigen Statice in der Familie Aggregatae gemein?“
Doc Vogl sagt: Nein.

„Läßt sich von der Zuckerwurzel etwas ähnliches als von der Wurzel der giftigen Nebendolde oder des Giftwütherichs erwarten, weil sie zusammen in der Schirmfamilie stehen?“
Natürlich nicht.

„Hat wohl (in der Familie hederaceae) der gar nicht unschuldige Ewigepheu mehr Aehnlichkeit mit der Edelweinrebe als etwa im äussern Wuchse?“
Wohl kaum.

„Läßt sich vom Klebmeyer etwas ähnliches als von der oft tödlichen Spigelia marylandica erwarten, weil sie beide unter den Stellatae stehen?“
Das würde kein vernünftiger Mensch behaupten.

„Welche Aehnlichkeit der Wirkung findet man zwischen der Melone und der Eselspringgurke aus derselben Familie Cucurbitaceae?“
Keine, Samuel, wirklich keine.

„Und nun in der Familie Solanaceae, wie paaret sich die schmacklose Königskerze mit der brennenden Sommerbeißbeere oder der die ersten Wege krampfende Tabak mit den die natürlichen Bewegungen des Darmkanals hemmenden Krähenaugen?
Sicherlich nur ungern.

„Wirkt der wässerige Pfennigweiderich der Fieberkleeblume ähnlich, oder die unkräftige Primelschlüsselblume dem drastischen Erdscheibeschweinsbrode in der Familie Rotaceae?
Das zarte Primelchen und der drastische Erdscheibeschweinsbrode? Niemals!

„Läßt sich von den Eigenschaften der die Harnwege stärkenden Sandbeerbärentraube auf die des erhitzend betäubenden Schneerosegichtstrauchs in der Familie Bicornes schließen?“
Das wäre mir neu.

„Ist in den Verticillatae die kaum etwas adstringirende Gottheilbraunelle und der unschuldige Kukukgünsel mit dem ätherischen Katzengamander oder dem feurigen Kreterdost nur in irgend einem Betrachte zu vergleichen?“
Ach wo.

„Wie weit entfernt sich die Glycyrrhiza von der Geoffroya in der Wirkung, obgleich in derselben Familie Papilionaceae?“
Lichtjahre. Mindestens.

„Den Filipendelwedel und die Rothheiltormentille vereinigt die Familie Senticosae und doch, wie unähnlich an Eigenschaften?“
Sehr unähnlich, Samuel, sehr unähnlich, haben wirs dann bald?

„Der Johannisbeerribes und die Lorberkirsche, der Vogelbeerspierling und die Pfirschmandel, wie ungleich an Kräften, und doch in derselben Familie Pomaceae! – Die Familie Succulentae vereinigt die Mauerpfefferfetthenne und den Gemüßportulak, gewiß nicht wegen ähnlicher Wirkungen! – Wie kömmt der Storchschnabel mit dem Purgirlein, der Sauerkleelujel mit der Bitterquassie in eine und dieselbe Familie?“
Hm, die Natur ist halt sonderbar, oder?

„doch nicht wegen Aehnlichkeit der Kräfte?“
Natürlich nicht. – Wars das dann?

„Wie ungleichartig an Arzneikraft sind alle die Glieder der Familie Ascyroideae! – und die der Dumosae! – und die der Trihilatae!“
Ja ja, Du altes Grübelköpfchen, jetzt gib halt einmal

„in der Familie Tricoccae, was hat da die fressende Euphorbienwolfsmilch mit dem für die Nerven nicht gleichgültigen Buchsbaum für Gemeinschaft? – Das unschmackhafte Glattbruchkraut, die scharfe Kermesphytolacke, der erquickende Ambergänsefuß und der brennende Wasserpfefferknöterich,“
Keine Gemeinschaft, wirkllich keine, aber jetzt ist es dann gut, ja?

„ wie ungleich wirkend sind die Scabridae! – Was soll die blos schleimig milde Weißlilie neben dem Knoblauch oder die Meerzwiebel, was der Eßspargel neben der giftigen Weißnieswurzel in der Familie Liliaceae?“
Stop.

Samuel, Samuel,– das staunende Sich-Wundern ist der Anfang der Wissenschaft. Bei manchen aber auch ihr Ende.

(http://www.mickler.de/journal/versuch-prinzip-1.htm)
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