Kapitalismus
Elefantenjagd
27.06.08 – warnt vor:Menschen, zu
meidende | Nachrichten
Relativitätstheorie einmal ganz anschaulich: Der Raum
muss im Kapitalismus gekrümmt sein, denn das obere
und das untere Ende der Karriereleiter berühren sich
im Unendlichen. Im unendlichen schwarzen Loch der
vergeudeten Zeit. Von relevanter Arbeit befreit wie
sonst nur ein Hartz 4 Empfänger sitzen die
Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsräte herum und
kümmern sich um wichtigere Dinge. Zum Beispiel darum,
was im Handelsblatt über sie geschrieben steht. Steht
dort etwa, sie trügen "grelle Krawatten mit
Jagdmotiven", dann kann das für einen Ferdinand Piech
schonmal der Anlass für eine gerichtlich
durchgesetzte Gegendarstellung sein.
„Der Verlag hatte daraufhin ein Foto des VW-Aufsichtsratschefs mit einer Krawatte präsentiert, auf der ein Mann mit Gewehr und ein Elefant zu sehen sind. Piëchs Anwalt Prinz behauptete, dass es sich eher um ein Kriegsmotiv handele. Das Gericht führte an, dass auf dem Elefanten ein Tragegestell zu sehen ist. "Transportelefanten werden in der Regel nicht bejagt", sagte ein Gerichtssprecher.“
Was wäre denn nun richtig gewesen? „Grelle Krawatten mit Kriegsmotiven“? „Grelle Krawatten mit bewaffneten Männern vor Transportelefanten“? Wir werden es nie erfahren. Was wir aber jetzt wissen, ist, was den Piech bis ins Grab quälen wird: seine grelle, elefantenfette Eitelkeit. Vielleicht sucht er sich ja ein harmloses Hobby, das seine freie Zeit ausfüllt – eventuell Krawatten mit Kriegsmotiven batiken – dann quält er nicht auch noch die Öffentlichkeit und die von solchen Promi-Ehrhändeln sicherlich genervten Gerichte damit.
„Der Verlag hatte daraufhin ein Foto des VW-Aufsichtsratschefs mit einer Krawatte präsentiert, auf der ein Mann mit Gewehr und ein Elefant zu sehen sind. Piëchs Anwalt Prinz behauptete, dass es sich eher um ein Kriegsmotiv handele. Das Gericht führte an, dass auf dem Elefanten ein Tragegestell zu sehen ist. "Transportelefanten werden in der Regel nicht bejagt", sagte ein Gerichtssprecher.“
Was wäre denn nun richtig gewesen? „Grelle Krawatten mit Kriegsmotiven“? „Grelle Krawatten mit bewaffneten Männern vor Transportelefanten“? Wir werden es nie erfahren. Was wir aber jetzt wissen, ist, was den Piech bis ins Grab quälen wird: seine grelle, elefantenfette Eitelkeit. Vielleicht sucht er sich ja ein harmloses Hobby, das seine freie Zeit ausfüllt – eventuell Krawatten mit Kriegsmotiven batiken – dann quält er nicht auch noch die Öffentlichkeit und die von solchen Promi-Ehrhändeln sicherlich genervten Gerichte damit.
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Alternative Treibstoffe aus Geflügel
11.06.08 – warnt vor:Nachrichten
| Gefahren
in Flora und Fauna
Über Öl sprach ich schon und vergaß dabei sicher auch
nicht , die drohende Verknappung dieser
übelriechenden Naturgottheit der Wachstumsgläubigen
zu erwähnen. Trotz ihres religiösen Handicaps haben
manche von denen manchmal einen wachen Tag, an dem
sie selbst bemerken, dass Alternativen not tun. Dann
sagen sie sowas: „Chinas neue Liebe zum Auto lasse
sich, so die Manager, eventuell mit alternativem
Treibstoff befriedigen, der aus Erdgas, Kohle,
Getreide, Zuckerrohr, Algen oder Truthahninnereien,
gewinnen lassen. „ (Financial Times Deutschland
11.06.08)
Ein Treibstoff, der aus Truthahninnereinen gewinnen lassen, war bisher sicher nicht nur mir, sondern auch der deutschen Sprache unbekannt. Ich will nicht kleinlich sein, man geht ja mit dem Fortschritt. Nur, wie muss ich mir das praktisch vorstellen? Fünf Zapfsäulen? Super - Extra Super - Diesel - Superdiesel - Turkey?
Ein Treibstoff, der aus Truthahninnereinen gewinnen lassen, war bisher sicher nicht nur mir, sondern auch der deutschen Sprache unbekannt. Ich will nicht kleinlich sein, man geht ja mit dem Fortschritt. Nur, wie muss ich mir das praktisch vorstellen? Fünf Zapfsäulen? Super - Extra Super - Diesel - Superdiesel - Turkey?
Schäuble lädt ein
30.05.08 – warnt vor:Menschen, zu
meidende | Nachrichten
SZ, am
30.05.: „Für nächsten Montag hat Innenminister
Wolfgang Schäuble (CDU) die Vorstandsvorsitzenden der
deutschen Telekommunikationsanbieter nach Berlin
einbestellt. Bei dem Treffen gehe es um den
verantwortungsvollen Umgang mit Daten, sagte eine
Sprecherin seines Ministeriums am Donnerstagabend.“
(http://www.sueddeutsche.de/,tt2m3/wirtschaft/artikel/29/177491/)
Was das wohl wird? Ein Krähentreffen. Und ich soll denken, der Schäuble sagt dem Obermann wos´s langgeht?
Wie Schulbuben, die sich vom Lehrer erwischen liessen, werden die Vorstandsvorsitzenden vor dem Dirty old Man der deutschen Datenspionage stehen und sich anhören müssen, welche Hausaufgaben ihnen der Machthaber des Inneren ins Heft schreibt:
„Sehr verehrte, liebe Vorstandsvorsitzende, mein lieber René, ich muss nicht betonen, wie leid es mir tut, Sie, sehr verehrte, hochgeschätzte Vorsitzende, in einer so bedauerlichen und lästigen öffentlichen Diskussion stehen zu sehen. Setzen Sie sich doch. Champagner? Claudia, bring auch von den Winklerschen Kalbskaldaunen, schnell. Es steht mir nicht zu, ihnen, die sie als Höchstspitzenleistungselite unsere Wirtschaft, was sage ich, die freie Welt im Gleichgewicht halten, mit Ratschlägen zu behelligen, nur meiner völligen, vorbehaltlosen Loyalität möchte ich sie versichern und ihnen in aller Bescheidenheit meine Kooperation anbieten. Ich habe natürlich vollstes Verständnis für Ihre inner- und außerbetrieblichen Informationsbedürfnisse und auf die lästige Journaille hat auch ihr Innenminister immer ein waches Auge. Fragen Sie beim nächsten Mal einfach mich. Es wäre mir eine Freude, sie unterstützen zu dürfen.“
(http://www.sueddeutsche.de/,tt2m3/wirtschaft/artikel/29/177491/)
Was das wohl wird? Ein Krähentreffen. Und ich soll denken, der Schäuble sagt dem Obermann wos´s langgeht?
Wie Schulbuben, die sich vom Lehrer erwischen liessen, werden die Vorstandsvorsitzenden vor dem Dirty old Man der deutschen Datenspionage stehen und sich anhören müssen, welche Hausaufgaben ihnen der Machthaber des Inneren ins Heft schreibt:
„Sehr verehrte, liebe Vorstandsvorsitzende, mein lieber René, ich muss nicht betonen, wie leid es mir tut, Sie, sehr verehrte, hochgeschätzte Vorsitzende, in einer so bedauerlichen und lästigen öffentlichen Diskussion stehen zu sehen. Setzen Sie sich doch. Champagner? Claudia, bring auch von den Winklerschen Kalbskaldaunen, schnell. Es steht mir nicht zu, ihnen, die sie als Höchstspitzenleistungselite unsere Wirtschaft, was sage ich, die freie Welt im Gleichgewicht halten, mit Ratschlägen zu behelligen, nur meiner völligen, vorbehaltlosen Loyalität möchte ich sie versichern und ihnen in aller Bescheidenheit meine Kooperation anbieten. Ich habe natürlich vollstes Verständnis für Ihre inner- und außerbetrieblichen Informationsbedürfnisse und auf die lästige Journaille hat auch ihr Innenminister immer ein waches Auge. Fragen Sie beim nächsten Mal einfach mich. Es wäre mir eine Freude, sie unterstützen zu dürfen.“
Bundespräsident Horst Köhler vermisst eine Entschuldigung. Doktor Vogl auch.
15.05.08 – warnt vor:Nachrichten
| Menschen, zu
meidende
SZ am
14.05.08:
"Jetzt muss jedem verantwortlich Denkenden in der Branche selbst klar geworden sein, dass sich die internationalen Finanzmärkte zu einem Monster entwickelt haben, das in die Schranken gewiesen werden muss." … "Die Überkomplexität der Finanzprodukte und die Möglichkeit, mit geringstem eigenem Haftungskapital große Hebelgeschäfte in Gang zu setzen, haben das Monster wachsen lassen", sagte Köhler. "Es hat kaum noch Bezug zur Realwirtschaft. Dazu gehören auch bizarr hohe Vergütungen für einzelne Finanzmanager." Die Finanzwelt habe sich mächtig blamiert. Er vermisse noch immer "ein klar vernehmbares mea culpa" (Schuldbekenntnis).“
Und ich dachte immer, die internationalen Finanzmärkte wären der gutmütige, väterliche Teddybär, der unsere Sparbücher bewacht. Ein Monster? Ich staune. Und es wächst unter Zugabe von Überkomplexität? Werde ich meinen Freunden im Schrebergarten empfehlen, wenn das nächste Mal die Gurken zu klein ausfallen. Deine Beete sind unterkomplex, so wachsen die Gurkenmonster nie, Meister.
Aber wer ist das Monster, wer sind die denn, die internationalen Finanzmärkte? Ist das der Ackermann? Sind das die Juden? So werden das präsidiale Geschrei ca. 70 % der Deutschen verstehen. Alleine dafür vermisse ich ein klar vernehmbares mea culpa vom Staatsoberhaupt.
Der Gedanke, dass die Akteure der Finanzmärkte nicht die dienstbaren Geister sind, die dort im Auftrag irgendwelche Hedgefonds stricken und sich nebenbei auch selbst die Taschen voll machen dürfen, sondern die, deren Taschen schon fast bersten, wird in einem Staatsoberhaupt in tausend Jahren nicht entstehen können,– dann müsste es ja die angreifen, von deren Gnaden es sein langweiliges Amt ausüben kann. Aber welcher deutsche Polit-Beamte legt sich schon gerne mit Multimilliardären an, denen die grausame Freude am Untergang der Anderen ins Gesicht geschrieben ist oder bereits zum Eigennamen wurde, weil sie aussehen wie Warren Buffet (62 Milliarden US Dollar) oder heissen wie Alexei Mordaschow (21,2 Milliarden)? Deshalb endet der ganze „Weist das Monster in die Schranken"-Aufruf ja auch in einem Vorschlag zur Reform der Sparkassen. Und auch die deutschen Privatbanken "sollten sich in einer Form konsolidieren, dass wir uns auf sie verlassen können". Er weiss halt, wozu er da ist, der Staatsoberhorst.
"Jetzt muss jedem verantwortlich Denkenden in der Branche selbst klar geworden sein, dass sich die internationalen Finanzmärkte zu einem Monster entwickelt haben, das in die Schranken gewiesen werden muss." … "Die Überkomplexität der Finanzprodukte und die Möglichkeit, mit geringstem eigenem Haftungskapital große Hebelgeschäfte in Gang zu setzen, haben das Monster wachsen lassen", sagte Köhler. "Es hat kaum noch Bezug zur Realwirtschaft. Dazu gehören auch bizarr hohe Vergütungen für einzelne Finanzmanager." Die Finanzwelt habe sich mächtig blamiert. Er vermisse noch immer "ein klar vernehmbares mea culpa" (Schuldbekenntnis).“
Und ich dachte immer, die internationalen Finanzmärkte wären der gutmütige, väterliche Teddybär, der unsere Sparbücher bewacht. Ein Monster? Ich staune. Und es wächst unter Zugabe von Überkomplexität? Werde ich meinen Freunden im Schrebergarten empfehlen, wenn das nächste Mal die Gurken zu klein ausfallen. Deine Beete sind unterkomplex, so wachsen die Gurkenmonster nie, Meister.
Aber wer ist das Monster, wer sind die denn, die internationalen Finanzmärkte? Ist das der Ackermann? Sind das die Juden? So werden das präsidiale Geschrei ca. 70 % der Deutschen verstehen. Alleine dafür vermisse ich ein klar vernehmbares mea culpa vom Staatsoberhaupt.
Der Gedanke, dass die Akteure der Finanzmärkte nicht die dienstbaren Geister sind, die dort im Auftrag irgendwelche Hedgefonds stricken und sich nebenbei auch selbst die Taschen voll machen dürfen, sondern die, deren Taschen schon fast bersten, wird in einem Staatsoberhaupt in tausend Jahren nicht entstehen können,– dann müsste es ja die angreifen, von deren Gnaden es sein langweiliges Amt ausüben kann. Aber welcher deutsche Polit-Beamte legt sich schon gerne mit Multimilliardären an, denen die grausame Freude am Untergang der Anderen ins Gesicht geschrieben ist oder bereits zum Eigennamen wurde, weil sie aussehen wie Warren Buffet (62 Milliarden US Dollar) oder heissen wie Alexei Mordaschow (21,2 Milliarden)? Deshalb endet der ganze „Weist das Monster in die Schranken"-Aufruf ja auch in einem Vorschlag zur Reform der Sparkassen. Und auch die deutschen Privatbanken "sollten sich in einer Form konsolidieren, dass wir uns auf sie verlassen können". Er weiss halt, wozu er da ist, der Staatsoberhorst.
Süddeutsche Zeitung
18.03.08 – warnt vor:Nachrichten
| Menschen, zu
meidende
SZ am
18.03.2008: „Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann
glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskraft der
Finanzmärkte. Die Versorgung mit Liquidität reiche
als Maßnahme nicht aus, sagte Ackermann. Die
Regierungen müssten Einfluss nehmen auf die Märkte.
Der Chef der größten deutschen Bank rief Regierungen
und Zentralbanken zu "mutigen Schritten" gegen die
Finanzmarktkrise auf.“
(http://www.sueddeutsche.de/,tt3m2/finanzen/artikel/492/164031/)
Ich glaube auch nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte und schlage deshalb die folgenden mutigen Schritte vor:
Schritt 1: Merkel ruft bei Ackermann an, und erkundigt sich, wo die Finanzmarktkrise wohnt.
Schritt 2: Die Finanzmarktkrise wird von der Regierung und der Zentralbank aufgefordert, das Land zu verlassen.
Schritt 3: Die Finanzmarktkrise wird via BILD-Kampagne umbenannt in „die schwere Zeit der Deutschen, die wir gemeinsam meistern werden“.
Schritt 4: Renten kürzen, Hartz 5, Agenda 2030. Die fortschreitende Enteignung der Bevölkerung verschafft der Regierung die Möglichkeit, den Finanzinstituten etwas auszuhelfen und den Märkten ein paar Ladenhüter abzunehmen, vielleicht aus dem Segment Hochgeschwindigkeitszüge?
Schritt 5: Puh. Das ist ja nochmal gut gegangen. Der Sockelarbeitslose stöhnt zwar ohne Zahnersatz, hat aber noch etwas Kleidung an. Probleme gibt es nur auf den Cayman Islands: Dort kriegen Sie nämlich nicht so viel Champagner in sich rein, wie sie möchten, um den erneuten Sieg über die Menschheit zu feiern und müssen kotzen vor Glück.
(http://www.sueddeutsche.de/,tt3m2/finanzen/artikel/492/164031/)
Ich glaube auch nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte und schlage deshalb die folgenden mutigen Schritte vor:
Schritt 1: Merkel ruft bei Ackermann an, und erkundigt sich, wo die Finanzmarktkrise wohnt.
Schritt 2: Die Finanzmarktkrise wird von der Regierung und der Zentralbank aufgefordert, das Land zu verlassen.
Schritt 3: Die Finanzmarktkrise wird via BILD-Kampagne umbenannt in „die schwere Zeit der Deutschen, die wir gemeinsam meistern werden“.
Schritt 4: Renten kürzen, Hartz 5, Agenda 2030. Die fortschreitende Enteignung der Bevölkerung verschafft der Regierung die Möglichkeit, den Finanzinstituten etwas auszuhelfen und den Märkten ein paar Ladenhüter abzunehmen, vielleicht aus dem Segment Hochgeschwindigkeitszüge?
Schritt 5: Puh. Das ist ja nochmal gut gegangen. Der Sockelarbeitslose stöhnt zwar ohne Zahnersatz, hat aber noch etwas Kleidung an. Probleme gibt es nur auf den Cayman Islands: Dort kriegen Sie nämlich nicht so viel Champagner in sich rein, wie sie möchten, um den erneuten Sieg über die Menschheit zu feiern und müssen kotzen vor Glück.
Doing a great job for just a smile
22.01.08 – warnt vor:Menschen, zu
meidende
Manche
Vorstandvorsitzende (BWL: Vovo) kamen vor kurzem
ihrer Bezüge wegen ins Gerede. Die Motivation der
kleinlichen Kritiker ist mit einem Wort abgetan:
Neid. Um die andere interessantere Frage zu
beantworten, weshalb die Herren eigentlich dieses
viele Geld nehmen – sie haben ja schon genügend –
müssen wir tiefer dringen. Sehen wir uns diese
Top-Leistungsträger einmal genauer an.
Sie sind unfassbar produktiv. Vovos verdienen mindestens einhundertmal so viel wie der durchschnittliche Angestellte, weil sie an einem Arbeitstag mühelos einhundertmal so viel leisten. Denselben Gewinnzuwachs, für den ein Arbeiter ein ganzes Jahr lang arbeiten muss, verschafft ein Vovo dem Konzern mit einem kühlen Anruf beim Betriebsrat und einer Unterschrift, die dem genannten Arbeiter in Zukunft viel Freizeit verschafft.
Sie zaubern. Manchmal stemmen Vovos durch die bloße mentale Kraft ihrer verantwortungsschweren Gedanken eine Währung hoch und werfen eine andere hinunter. Der Umtauschkurs verbessert sich, die Konzerngewinne schnellen nach oben. Ein Vovo nickt dazu ruhig vor dem Bildschirm, stellt das Kristallglas auf seiner Sekretärin ab, schliesst seinen Armani-Reissverschluß, heisst die Tippse sich kuschen, und wieder sind Millionen verdient. Ein Zuwachs, den der Arbeiter am Band nicht einmal bemerkt, geschweige denn mit einem so souveränen, väterlichen Nicken für das Unternehmen realisiert hätte. Es ist dieser Blick des Vovo, mit dem er das, was geschieht, aufnimmt und sich als Orden ans Revers steckt, der ihn so teuer und so wertvoll macht für sein Unternehmen.
Sie können immer und wollen immer. Ist ein Angestellter gut gelaunt – vielleicht wurde er gerade von seinem Abteilungsleiter in einem Gespräch unter vier Augen dazu motiviert, unter neuen Bedingungen doch noch im Unternehmen zu bleiben – dann macht er eine Überstunde oder ein paar hundert. Ist ein Vovo gut gelaunt, stellt er den verborgenen Hebel unter seinem Mahagonischreibtisch von Baisse auf Hausse, lächelt ob des Beweises seiner geradezu magischen Schaffenskraft und ruft nach seiner Sekretärin oder irgendeiner anderen weiblichen Hilfskraft, mit der er die Freude über die steilen Börsenkurse teilen kann. Wenn es die Unternehmensstrategie verlangt, macht er bis zum nächsten Morgen kein Auge zu. Zweimal der gleiche Impuls zur Leistung, aber welche Diskrepanz in der Umsetzung und im Effekt.
Sie jammern nie. Der normale Angestellte arbeitet von früh bis spät und manchmal auch etwas länger und lamentiert darüber ganz ungehörig. Der Vovo arbeitet immer. Sein Tag hat 48 Stunden und seine Woche mindestens 12 Tage. Dem Vovo vergeht die Zeit im Flug, er ist ständig unterwegs und immer froh, wenn er, ein gnädiger Zufall gewährt es selten, ein zweites Mal in den gleichen Whirlpool steigt, oder dort sogar ein zweites Mal die gleiche Dame antrifft. Während der Vovo bei professionellen Körper-Assistentinnen seine Jetlag-bedingten Verspannungen in strenger Zucht unter verhaltenem Stöhnen abarbeitet, um desto schneller wieder 150% seines Wertschöpfungsvermögens in den Dienst seiner AG stellen zu können, hält sich der Angestellte träge aus dem Bürofenster blickend mit der Frage auf, wann er eigentlich zuletzt seine Frau gesprochen hat.
Sie arbeiten eigentlich ehrenamtlich. Warum nimmt der Vovo also das viele Geld? Weil er es kriegt. Es ist ja da. Nicht, dass es ihm viel bedeuten würde. Denn sein wahrer Lohn ist ein Lächeln. Sein Lächeln. Das spitze, steife Lächeln, das seine Gesichtszüge sieghaft verzieht, wenn wieder einer der aufstrebenden Lohnabhängigen sich dazu erniedrigt, ihm die immer gleiche Strophe zu entlocken:
„Hehe, schon wahr, aber sie übertreiben, Schulze. So unersetzlich bin ich nicht. Natürlich, es gibt auch noch ein paar, vielleicht zwei, andere Vorstandsvorsitzende, die fast Vergleichbares leisten. Aus Ihnen wird noch was, Schulze. Sie sehen die Dinge aus dem richtigen Blickwinkel.“
Von ganz unten.
Sie sind unfassbar produktiv. Vovos verdienen mindestens einhundertmal so viel wie der durchschnittliche Angestellte, weil sie an einem Arbeitstag mühelos einhundertmal so viel leisten. Denselben Gewinnzuwachs, für den ein Arbeiter ein ganzes Jahr lang arbeiten muss, verschafft ein Vovo dem Konzern mit einem kühlen Anruf beim Betriebsrat und einer Unterschrift, die dem genannten Arbeiter in Zukunft viel Freizeit verschafft.
Sie zaubern. Manchmal stemmen Vovos durch die bloße mentale Kraft ihrer verantwortungsschweren Gedanken eine Währung hoch und werfen eine andere hinunter. Der Umtauschkurs verbessert sich, die Konzerngewinne schnellen nach oben. Ein Vovo nickt dazu ruhig vor dem Bildschirm, stellt das Kristallglas auf seiner Sekretärin ab, schliesst seinen Armani-Reissverschluß, heisst die Tippse sich kuschen, und wieder sind Millionen verdient. Ein Zuwachs, den der Arbeiter am Band nicht einmal bemerkt, geschweige denn mit einem so souveränen, väterlichen Nicken für das Unternehmen realisiert hätte. Es ist dieser Blick des Vovo, mit dem er das, was geschieht, aufnimmt und sich als Orden ans Revers steckt, der ihn so teuer und so wertvoll macht für sein Unternehmen.
Sie können immer und wollen immer. Ist ein Angestellter gut gelaunt – vielleicht wurde er gerade von seinem Abteilungsleiter in einem Gespräch unter vier Augen dazu motiviert, unter neuen Bedingungen doch noch im Unternehmen zu bleiben – dann macht er eine Überstunde oder ein paar hundert. Ist ein Vovo gut gelaunt, stellt er den verborgenen Hebel unter seinem Mahagonischreibtisch von Baisse auf Hausse, lächelt ob des Beweises seiner geradezu magischen Schaffenskraft und ruft nach seiner Sekretärin oder irgendeiner anderen weiblichen Hilfskraft, mit der er die Freude über die steilen Börsenkurse teilen kann. Wenn es die Unternehmensstrategie verlangt, macht er bis zum nächsten Morgen kein Auge zu. Zweimal der gleiche Impuls zur Leistung, aber welche Diskrepanz in der Umsetzung und im Effekt.
Sie jammern nie. Der normale Angestellte arbeitet von früh bis spät und manchmal auch etwas länger und lamentiert darüber ganz ungehörig. Der Vovo arbeitet immer. Sein Tag hat 48 Stunden und seine Woche mindestens 12 Tage. Dem Vovo vergeht die Zeit im Flug, er ist ständig unterwegs und immer froh, wenn er, ein gnädiger Zufall gewährt es selten, ein zweites Mal in den gleichen Whirlpool steigt, oder dort sogar ein zweites Mal die gleiche Dame antrifft. Während der Vovo bei professionellen Körper-Assistentinnen seine Jetlag-bedingten Verspannungen in strenger Zucht unter verhaltenem Stöhnen abarbeitet, um desto schneller wieder 150% seines Wertschöpfungsvermögens in den Dienst seiner AG stellen zu können, hält sich der Angestellte träge aus dem Bürofenster blickend mit der Frage auf, wann er eigentlich zuletzt seine Frau gesprochen hat.
Sie arbeiten eigentlich ehrenamtlich. Warum nimmt der Vovo also das viele Geld? Weil er es kriegt. Es ist ja da. Nicht, dass es ihm viel bedeuten würde. Denn sein wahrer Lohn ist ein Lächeln. Sein Lächeln. Das spitze, steife Lächeln, das seine Gesichtszüge sieghaft verzieht, wenn wieder einer der aufstrebenden Lohnabhängigen sich dazu erniedrigt, ihm die immer gleiche Strophe zu entlocken:
„Hehe, schon wahr, aber sie übertreiben, Schulze. So unersetzlich bin ich nicht. Natürlich, es gibt auch noch ein paar, vielleicht zwei, andere Vorstandsvorsitzende, die fast Vergleichbares leisten. Aus Ihnen wird noch was, Schulze. Sie sehen die Dinge aus dem richtigen Blickwinkel.“
Von ganz unten.
Vom Nutzen der deutschen Sprache
06.09.07 – warnt vor:Bedrohungen
allenthalben
Hüten Sie
sich davor, zu viele Worte zu machen. Vieles lässt
sich im Deutschen ausgesprochen kurz sagen.
Die deutsche Sprache schafft es, sehr vielschichtige Zusammenhänge, wie beispielsweise die Biographie Harald Juhnkes, in zwei Worten, mit einer winzigen Modifikation des Ausgangswortes vollständig darzustellen.
Glück - Gluck.
Kürzer und schöner lässt es sich nicht sagen. Schon fast eine Grabinschrift.
Für fünf Jahrhunderte der schleichenden Säkularisierung braucht unsere Muttersprache nur ein passend gewähltes Ausgangswort und ein r.
Beichte - Berichte.
Wie der Kapitalismus diese Entwicklung innerhalb weniger Sekunden in einer trivialen Online-Auktion wieder rückgängig macht, erschliesst sich mit nur einem i:
Bieten - Beten
Auch die Folgen des Wohlstands sind sehr knapp ausgesagt in:
Torte - Tote
Manche behaupten, sogar der Geisteszustand eines bekannten Internetdoktors lasse sich in einem e beschreiben:
Vogl - Vogel
Aber das stimmt nicht.
Die deutsche Sprache schafft es, sehr vielschichtige Zusammenhänge, wie beispielsweise die Biographie Harald Juhnkes, in zwei Worten, mit einer winzigen Modifikation des Ausgangswortes vollständig darzustellen.
Glück - Gluck.
Kürzer und schöner lässt es sich nicht sagen. Schon fast eine Grabinschrift.
Für fünf Jahrhunderte der schleichenden Säkularisierung braucht unsere Muttersprache nur ein passend gewähltes Ausgangswort und ein r.
Beichte - Berichte.
Wie der Kapitalismus diese Entwicklung innerhalb weniger Sekunden in einer trivialen Online-Auktion wieder rückgängig macht, erschliesst sich mit nur einem i:
Bieten - Beten
Auch die Folgen des Wohlstands sind sehr knapp ausgesagt in:
Torte - Tote
Manche behaupten, sogar der Geisteszustand eines bekannten Internetdoktors lasse sich in einem e beschreiben:
Vogl - Vogel
Aber das stimmt nicht.