Kling & Klang

Das Zeug ist gut

Ich habe wirklich nicht die geringste Ahnung, was dieser Trommler zu sich genommen hat. Aber wenn es eine meiner beschwipsten Leserinnen oder einer meiner bekifften Leser weiß, dann seien Sie so gut und schicken Sie mir eine unverbindliche Probepackung. Danke. Tipp: So ca. ab 2:40 zündet die Droge im Kopf des Drummers den Nachbrenner. Bühne frei:

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Verräter

Mit dem Verleihen ist es so eine Sache. Ich hab einmal einem Kommilitonen (Sie können daran ablesen, wie lang das her sein muss und ich weiß es, als wär´ es gestern gewesen; der hiess Ecki, resp. Eckehard, Nachname ist mir leider entfallen, sonst wär´er längst dran) ein Buch geliehen. Nicht irgendein Buch, sondern eins von Christoph Martin Wieland. Nicht irgendeinen Wieland, sondern die Abderiten, für Unkundige: also das Amüsanteste, was der geschrieben hat. Und um die Sache aufs Hässlichste abzurunden, auch nicht irgendeine Ausgabe der Abderiten, sondern die aus meiner Gesamtausgabe letzter Hand. Kann sich so ein Ecki nicht denken, was das im Seelenhaushalt eines Bibliophilen für Hannibal Lectersche Gemütszustände provoziert, wenn er im Regal die k o m p l e t t e Wielandausgabe mit einer bedeutenden Lücke geschändet und entweiht sieht? Kann er, aber ist ihm wurscht? Dachte ich´s mir doch. Der Verräter. Ich wünsche ihm, mit Peter Rühmkorff zu sprechen, er möge nur ganz flache Orgasmen erleben bis ans Ende seiner Tage.

Nr. 2 und 3: Franz Morak. Mann, was war das für einer! Burgschauspieler in Wien, dauernd im Clinch mit allen und jedem, ein Iggy Pop für Österreicher. Ein Anarchist, ein echter Rock ´n Roller. Die ersten 3 Alben waren eine Fundgrube, ein Trost, eine Stimme für das keimende, kochende Seelchen meiner Jugend. Ich hatte sie alle und konnte mitsingen: Billiger Rock´n Roll, kleine Schwester, Schizo, Sieger sehen anders aus ... Dann hab ich sie verliehen an irgendeinen, nennen wir ihn „Ecki“, und weg waren die Perlen, fort die Musik. Den Morak können Sie sich nicht mal peer-to-peer saugen, so weg ist der, wenn sie die LP nicht mehr besitzen. Und dann das:

iTunes

führt unter „Weltmusik“ – klar, der Mann ist aus Österreich – Moraks letzte, die Best-of-CD von 1998. Ein schöner Tag, ein lauter Tag, das tut gut. Ich will Ihnen aber trotz der gerade im Posting aufwallenden Stimmung des Versöhnlichen nicht verschweigen, was aus dem Morak dann noch so geworden ist:
1994-2000 stellvertretender Vorsitzender des Kulturausschusses unter Haider-Schüssel.
2000-2007 Staatssekretär für Kunst und Medien im Bundeskanzleramt.
Inzwischen Frühpensionist.

Also auch ein Verräter par excellence. Den können Sie demnach vergessen. Aber den nicht:
http://www.youtube.com/watch?v=betJ4BiJjJE

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Achten Sie auf Ihr Gesicht!

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In München schwiemelt ein mir persönlich unbekannter aber eventuell anderen Menschen recht vertrauter Champagnero seit Weihnachten dermassen gekonnt operettenhaft in die Ferne, den Arm einer ihn Anbetenden entspannt auf der befrackten Schulter: Die Menschen bleiben auf der Strasse stehen und starren auf die Litfasssäulen. So sieht ein Gentilhomme aus, der gerade leise zu sich selbst sagen will: Parbleu, bin isch ein schneidig fescher Hund oder nischt? Gleichzeit flüstert sein von kultivierter Begierde und allerhand Sekt perlender Blick auch noch den Damen in der allerletzten Reihe zu: Isch werde sie naturellement und mit dem größten Vergnügen ins Elysium pudern, Verehrteste, aber erst muss isch hier noch die Gala zuende singen, à votre santé!
Meine verehrten männlichen Leser: Bitte versuchen Sie nie so zu schauen wie der. Es sei denn Sie legten es darauf an, einmal größere Ansammlungen von sehr sehr reifen Damen überwältigt in die Ohnmacht flüchten zu sehen. Dann können Sie das ruhig üben.
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Heavy-Metal-Romantik

Ab&an muss ich Leuten was schreiben, damit die irgendwas besser verkaufen können. In den Reklamebetrieben trifft man Menschen wie ihn: sitzen stumm vor ihrem Computer, die glatte Kopfmatte schwarz gefärbt, Augenringe, dicke Chipsbacken und ein D I O - T-shirt, black XL über den Rumpf gespannt. Freundlich frage ich das offenbar nachtaktive Gegenüber: Dio? Den hab ich vor, hm, so 30 Jahren gehört. Lebt der denn noch? Macht Musik? – The creature of the night wird kurz wach, öffnet die Augen zwischen dunklen Kajalstrichen überweit und haucht: Er hat sogar Krebs. Magen. Sackt wieder zusammen und starrt träge lächelnd in den Bildschirm.
„Hat sogar Krebs!“ Was heisst das?
der Glückspilz?
der Unsterbliche?
vom Singen?
Romantik ist mir fremd. Aber die Romantik wäre sogar dem armen Ronnie James Dio zuviel. Da bin ich sicher.
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Dieter Meier rules

„1972 ließ er beim Kasseler Hauptbahnhof eine Metalltafel einbetonieren und mit der Aufschrift versehen: "Am 23. März 1994 von 15.00-16.00 Uhr wird Dieter Meier auf dieser Platte stehen", was dann auch tatsächlich geschah.“
Ein Schweizer hält Wort. Dieter Meier ist wahrscheinlich das Beste, was je eine schweizer Bankiersfamilie hervorgebracht hat. Können die Alpenbanker nicht einfach alle „Konzeptkünstler“ und „Individual-Anarchisten“ werden? Jetzt wissen sie doch, wie´s geht. Und wir hätten ein paar Menschen weniger, die wir meiden müssen.

Ausserdem kann Herr Meier das:
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Unbegreifliche Mehlschwitze

Elly Jackson hat eine Band: La Roux, also die „Mehlschwitze“. Die hat eine halbe Million Platten verkauft. Deshalb druckt die SZ ein Interview mit der Dame. In bester junger wilder R´n´R Manier haut die Elly da auf Musik von früher – also alles bis gestern – ein, schmäht die Plattenlabel, hat aus der Pistole geschossene Meinungen parat zu Gitarrensoli und wasweißich, sogar James-Dean-Frisiertipps für die Revolte. Eindruck: Die ist schön böse, lässt sich nix vormachen und haut bestimmt auch musikalisch ordentlich auf die Ohren. Hätte ich mir nicht das Youtubefilmchen angehört, wäre ich mit dieser schönen Idee alt geworden. Sie piepst da aber nur dünn zu elektrischen Zappelklängen herum. Das trägt dann so tarantinosche Namen wie „Bulletproof“ oder „In for the Kill“. Ich glaub davon kein Wort. Die wollen sich nur zu unseren Geldbeuteln durchpiepsen mit ihrem Gutelaunezeug. Dabei hat diese Jackson doch gar keine gute Laune. Ich begreif es einfach nicht. Irgendwer wird es mir mal erklären. Oder auch nicht.
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Was der Doc am liebsten hört: John McCormack

Heute warne ich Sie einmal vor schlechtem Gesang. Warum sollten Sie sich Andrea Bocelli oder Jose Carreras anhören, wenn ein John McCormack es bereits 1920 besser konnte? Ich kann Ihnen das beweisen.
Mozarts Il mio tesoro von McCormack ist die Referenzarie seit etwa hundert Jahren und wird es wohl auch die nächsten hundert bleiben:



Berührt Sie das? Dann hören Sie sich bitte noch "Oh sleep why dost thou leave me" an. Achten Sie einmal darauf, wie McCormack von 1:48 bis 2:09 eine einunddreissigsekündige Phrase in einem Zug singt. Kennen Sie einen lebenden Sänger, der diese Atemtechnik hat? Natürlich nicht. Und los:

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Kopfklopfmassage

Hergehört Autoren! Angst vor dem weissen Blatt? Ihnen fällt gerade nichts Zündendes ein? Es gibt Hilfe. Ganz einfach: Sie nehmen eine Trommel, stülpen sie auf Ihren Dez und hauen dann mit zwei Knüppeln drauf rum, bis die Funken sprühen. It´s amazing.
Es gibt welche, bei denen heisst das power percussion. Wenn das so klingt, wie es aussieht, dann rate ich ab von dem Konzert. Klingt es dagegen gut, rate ich power percussion zu einem anderen Photoshopexperten.
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Seine Exzellenz Bob Log III

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iTunes

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Gackt Diabolos - Angelos interruptus

„Ach nö, also echt, jetzt wirds mir aber bissel lang, scheiss drauf, ich lasses“, so, oder so ähnlich, sprach der bei Anderen sicherlich sehr bekannte Tokyotische Unisex-Künstler (Gesang, Gitarre, Klavier) mit dem musikalischen Namen Gackt, nachdem er sich vorgenommen hatte, einmal Menschen fremder Zunge etwas Gutes zu tun:

Gackt - Diabolos
Europäische Edition! Schuber, deluxe Booklet + zusätzliches Booklet mit englischen Übersetzungen der Lyrics! Diese Übersetzung hat Gackt extra für seine europäischen Fans selbst verfasst!
1. Misty
2. Farewell

7. Future
8. Black Stone
9. Storm
10. Road
11. Todokanai ai to shitteitanoni osaekirezuni aishitsuzuketa
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Vorsicht Ärzte!

Fachsprachen sind nie schön und auch niemals besonders einfühlsam. Sie richten sich die Dinge so her, dass sich die Eingeweihten rasch, andere aber gar nicht mehr unterhalten können. Wer dabei steht, wundert sich, zum Beispiel bei Ärzten, über kauzige Wendungen wie „manisch-läppisches Faseln“ oder die bereits etwas breiter bekannte „senile Bettflucht“.
Manchmal gehen den Ärzten aber regelrecht die Zügel durch vor Entzücken, wenn Sie besonders aufregende Phänomene in ihrem Idiom ausdrücken dürfen. So las ich vor kurzem von einem „fulminanten Leberversagen“, das mir bereits etwas obszön vorkam, in der offenen Begeisterung für die seltene Krankheit. Mein Duden gibt mir diese Synonyme für „fulminant“: berauschend, brillant, grandios, großartig, hinreißend, imposant, mitreißend, überwältigend, umwerfend; (ugs.): [echt] bombig, famos, fantastisch; (oft scherzh.): göttlich.
Der Facharzt auf der Notaufnahme: „Mensch, Müller, Sie bringen uns da ja ein famoses Leberversagen mit. Sagen Sie nichts, wir müssen vielleicht erstmal sehen, wie wir sie wieder aus dem Koma kriegen, was? Aber ehrlich, Respekt, so einen imposanten totalen Leberausfall hatten wir hier Jahre nicht mehr. Einfach göttlich, Müller. Oh Mann, ihren Zusammenbruch erzähl ich gleich dem Chef, der kriegt sich nicht mehr ein.“
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Auch gute Nachrichten sind schlechte Nachrichten

Abendzeitung 011207.

Verehrte Freunde der Nachrichtensicherheit. Die Gefahren des Presswesens sind uns bekannt.
Wir werden von dummen Journalisten desinformiert, von „im allgemeinen gut unterrichteten Kreisen“ propagandistisch auf Linie gebracht und von schmierigen Werbemännern in die Marketingfalle gelockt. Kurz: Zeitungslektüre ist ein Spaziergang in einem Minenfeld.
Manchmal wird offen gehetzt („Ostspione immer gemeiner“ Bild), manchmal gelogen („Außenminister Fischer“, passim; die Wahrheit wäre gewesen: der Laienaußenministerdarsteller Fischer), und nur selten darf ein Journalist die Wahrheit wagen und so eine Headline drucken lassen (Abendzeitung 01.12.07):

„Pianist Clayderman kauft ein Klavier.“

Ginge es nach mir, wäre diese Nachricht schon bald so unsterblich wie die berühmte „Ballade pour Adeline“ des genannten Klaviervirtuosen. In der schönen Zeile „Pianist Clayderman kauft ein Klavier“ zeigt sich der Journalismus von seiner sympathischsten Seite. Sie spricht nichts als die Wahrheit aus, eine plausible, mit größter Sicherheit irgendwann auch einmal stattgehabte kleine Begebenheit von einem gewissen nicht zu schrillen allgemeinen Interesse, die sich nicht durch vorlauten Paperazzismus („Skandalpianist Clayderman kauft Pariser Edelnutte einen Steinway“) hervortun will und auch nicht durch unnötige investigative Verrätselung Aufmerksamkeit schinden möchte („Klavier weg – war es Clayderman?“). Und sogar die nackte Lüge – nur weil die Meldung so schön wäre – bleibt uns erspart („Außenminister Clayderman“).

Statt dessen treffen sich auf der Stufenleiter seriösen Nachrichtenwesens in der beispielhaft logischen, sogar sicherheitshalber tautologischen Meldung „Pianist Clayderman kauft ein Klavier“ die Linien des Informationsgehaltes und des Unterhaltungswertes in einem gemeinsamen Punkt. Dem Nullpunkt.
Ein nachahmenswertes Vorbild für hoffentlich noch viele ungefährliche und wahrheitsgemäße Meldungen wie „Bäcker backt Brezel“, „Schumacher fährt Rennauto“, „Doktor Vogl warnt“ oder „Joschka Fischer nervt“.
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