Wo sind nur all die Brüste hin?

Wenn ich in der alten Bundesrepublik an den See zum Baden ging, sah ich mindestens so viele Frauen, die stolz ihre Brüste zeigten, wie andere, die sie verdeckten. Jetzt, in der Fähnchen schwingenden „Wirsindwiederwer“-Republik hat sich das geändert. Public Viewing gibt´s nur noch im schwulsten Sport der Weltgeschichte, wenn sich die überbezahlten Fussballfachkräfte, nachdem sie dem Torwart „das Ding reingemacht“ haben, ihre Leibchen vom Leib reissen. Ich beobachte seit mehreren Jahren, wie die Freizügigkeit an Bayerns Badeorten einer neuen Freude am Bedecktsein weicht. Freude? Vielleicht auch nicht. Als vulgärer Marxist und ordinärer Freudianer würde ich sagen, das ist kein gutes Zeichen. Da rutscht eine Gesellschaft in Richtung Totalitarismus und Kontrolle ab. Sex und Anarchie liegen so nahe beieinander wie die rechte und die linke Brust. Ein Volk, das seiner Lust nicht über den Weg traut dagegen, lässt sich prima regieren. Nicht nur die Katholiken leben es vor. Passt auch irgendwie zu den letzten Innenministern und ihren paranoiden Phantasien vom sicheren Bürger. Hmhm. Da muss ich noch ein bisschen dran feilen, aber der Grundstock für eine spitzen Verschwörungstheorie / Abendland-Untergangsprognose ist gelegt.
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Groschenromane für´s Handy: Mr. Smith und Andere

Ein Albtraum in 13 SMS (< 160 Z.):

Mr. Smith, der Freund der Frauen, träumt von den Malediven, als ein stattliches Weib wie eine Operndiva einschwebt und sagt: Ich bin die Operndiva.

Bitte wer? Smith, auch ein Freund der Klugheit, merkt, dass seine hastige Rückfrage ein klein wenig ungeschickt genannt werden könnte. Sie: Idiot!

Mein Name ist Edita Gruberova, sie Kretin. Die ganze Welt liegt mir zu Füßen (Smith sieht sich an Ihren Stiefeln leckend), ich bin ein Star, Smith, aber

Mich quält ein Problem. Welches? Smith verengt die Lider: Ich werde es lösen. Sie, Smith, werden mein Strumpfband lösen, wenn ich zufrieden bin.

Sie sieht ihn an. Er sieht Ihre Beine an. Ein Raubtier blickt aus seinen Augen. Wie ein wildes Frettchen haspelt Smith willenlos, was muß ich tun?

Die Gruberova lacht. Diese Königin der Nacht schleudert die Federboa auf den staubigen Schreibtisch und sagt ein Wort, nur eins: Reden.

Ich tus! brüllt Mr.Smith begeistert. Dann kommt ihm eine Frage, nein zwei. Aber was soll ich sagen? Und wem? - Sie sind so klug, Smith, lobt die Göttliche.

Smith lächelt narkotisiert. Sie erklärt. Er heißt Schmid. Mein Agent. Er möchte, dass ich nach Tokyo wechsle. Aber das wäre mein Ende. Reden Sie mit ihm.

Sagen Sie ihm, in Japan müsste ich schreien vor Wut. Meine Stimme wird leiden. Erpressen Sie ihn. Sagen Sie ihm, ich wechsle den Agenten.

Smith greift zum Hörer. Wählt. Tuut. Schmid. Smith. Nein, Schmid. Sagen Sie nicht nein, Sie wissen nicht, was ich ihnen vorschlagen will.

Ich will es auch gar nicht wissen.. Klack. Er hat eingehängt, sagt Smith. Da platzt die Tür auf, ein Mann schreit: Wer ist der Typ da? Ich mach ihn kalt!

Smith duckt sich, die Diva flüstert: Darf ich vorstellen, mein Mann, Herkules Schmitt. Smith: Angenehm, Smith. Der Mann: Schmitt! Du verarschst mich wohl?

Schmitt zieht den Colt, um seinen Nebenbuhler zu exekutieren, aber der wacht vorher auf, schwitzt. Die Gruberova singt im Radio. Smith seufzt. Finis.
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Groschenromane für´s Handy: Mr. Smith und der Fabrikant

Ein Kriminaldramolett in 10 SMS (< 160 Z.):

1) Smith sitzt. Raucht. Denkt. Nichts. Seit Tagen nichts Neues. Da. Klopfen. Herein. Die Frau tritt ein. Grazil, mondän, leicht schwingend auf Stilettos.

2) Smith strafft sich auf seinem Stuhl. Was kann ich für Sie tun? Sie: Wie sehen sie denn aus? Er: Nur eine Platzwunde. Sie: Gut. Sie mögen Kekse?

3) Nein, ich hasse Kekse, warum? Die Frau lächelt. Sie sagt: Mein Mann ist Keksfabrikant. Der Teig macht ihn fett und verklebt sein Gehirn. Mir ist schlecht,

4) so oft ich an ihn denke. Er ist hoch versichert. Es muss wie ein Unfall aussehen. Smith grübelt. Schweigt. Dann: Ein Absatz drückt hart auf seine Brust.

5) Smith spannt die Hose. Ich kann das nicht machen, denkt er. Er denkt, ich kann die nicht lassen. Da sitzt sie schon auf ihm. Mr. Smith lässt sich überzeugen.

6) Smith ordnet seine Kleider. Trinkt wacklig einen Wodka. Gut, noch einen. Nimmt die Smith&Wesson, sieht die Frau an und geht den Mann suchen.

7) Er fährt zur Keksfabrik. Er geht ins oberste Stockwerk. Er schleicht den Gang entlang. Die lederbeschlagene Tür. Smith reißt sie auf, die Waffe im Anschlag.

8) Scheiße, denkt Smith. So wird das kein Unfall. Aber da steckt schon das ganze Magazin in einem erkaltenden Keksfabrikanten.

9) Ich wusste, sie würden es vermasseln, aber das macht nichts: Die Frau hält ihm ein Glas hin. Er trinkt. Die Kugel durchschlägt das Glas, den Wodka, Smith.

10) Die Frau lässt ihre Pistole fallen. Notwehr. Ihr Lächeln erfriert. Sie geht zum Schreibtisch, nimmt den Hörer ab und ruft gelassen die Polizei. Finis.
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Groschenromane fürs Handy: Smith und das Geheimnis der Drachen.

Ein Krimi in 12 SMS (< 160 Z.):

1) Die alte Tür. Das Schild Detektei Smith. Smith am Schreibtisch, schweigt, raucht, wartet: Ein Mann. Das Telefon klingelt. Ja? - Wieso ich? Wieviel? Ok

2) Es klopft. Smith ruft. Der Fremde tritt ein. Der Fremde tritt auf Smith ein, schlägt ihn nieder. Lucky Strike. Smith lässt seine fallen. Ohnmacht.

3) Smith wacht in einem Hangar auf. Fragt wo und was. Ein Fremder schlägt ihn nieder. Bevor er einknickt, sieht Smith sein Tattoo:

4) Ein Drache macht Maennchen. Smith wacht in einem Keller auf. Fragt sich, Drache: die Loge? Die Mafia? Die Frau am Telefon? Dann ein Schlag. Smith kennt das.

5) Detektiv Smith wacht in einem Auto auf, bittet um eine Zigarette und wird niedergeschlagen. Er träumt wirr von Drachen-Tattoos auf nackten Frauen.

6) Smith steht muehsam auf. Kopfweh, diesmal kein Fremder zu sehen. Zur Telefonzelle. Die Frau anrufen. Kennwort: K9. Was wird gespielt? Treffen? Wo? Gut

7) Im Cafe. Die Frau mit Sonnenbrille. Sie ist klein, aber scharf. Sie erklärt alles. Smith ascht schweigend in seinen Martini. Sie macht Drachen. Aus Gold.

8) Die Chinesen glauben, diese Drachen bringen Glueck. Für einen Drachen erschlagen sie ihre Grossmutter. Das wissen die Fremden. Smith zündet den Filter an.

9) Die Fremden wollen die Frau entführen. SIE MÜSSEN MIR HELFEN! Smith nickt. Geht klar. Der Kellner schlägt ihm auf den Kopf. Er nimmt beide mit.

10) Smith und die Frau in einem Keller. Sex mit gefesselten Händen? Smith zerbeißt ihre Fessel. Sie hält ihm den Mund zu. Smith kommt. Der Fremde kommt rein.

11) Smith ist groß in Form. Der Fremde schlägt, Smith kontert, schlägt, würgt, tritt. Der Fremde röchelt. Und so geht’s den anderen. Smith raucht.

12) Die Fremden geknebelt im Keller. Die Frau nimmt die Sonnenbrille ab. Geht zu Smith. Danke. Er: Wofür? Er steckt sich einen Drachen an. Finis.
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Firmenschilder im Schwanzvergleich

Der Erfolg eines Kleinunternehmens wächst natürlich mit der Länge seines Firmenschildes, das versteht man ohne nachzudenken. Abends, wenn der Meister die Hände in den Schoß gelegt hat, geht er deshalb in sich und knobelt versonnen große Namen aus. Mit ein bisschen Phantasie geht das für ihn befriedigend aus und nur selten in die Hose. Hat er sich schließlich den längsten herausgegriffen, den er finden konnte, muss er nur noch ein mächtiges Schild vor dem Eingang annageln, das seine riesige Buchstabenlatte auch zu fassen vermag,– dann kommt die Kundschaft wie von selbst und das Geld fliesst in Strömen. Bis jetzt steht das bedeutendste mir bekannte Firmenschild in Wien. Es heisst „Leichtmetalljalousienerzeuger“. Die 29 Zeichen wurden nun allerdings schon fast getoppt durch den in Königsdorf ansässigen „Orthopädieschuhmachermeister“ (28 Z.). Der Wettbewerb ist eröffnet. Mal sehen, wer als nächstes mitmacht. Über meinem Büro steht übrigens „DoktorvogldergenauaufpasstwerdaslängsteSchildhatwarnt“.
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Reiner Schleckers sicherheitsbewusste Hasen

Hasen sind vorsichtige Tiere. Ich besitze einen wunderschönen kleinen Buchsbaum (er heisst "Refugium der Habachtstellung"), in dem sich seit Wochen vier kleine Hasen verstecken, ich erkenne das an den Ohren, die deutlich aus dem Gebüsch herausstehen. Jetzt möchte ich die liebenswürdigen kleinen Rammler gerne einmal kennen lernen, sie verlassen ihren Buchs aber nicht. Ich spreche ihnen Mut zu und versuche im grundgütigen Plauderton eine möglichst entspannte, vertrauensvolle Atmo zu schaffen ("na Ihr kleinen Löffelmänner, schon was gemümmelt heute? Nö? Nö, ich auch nicht, na ja, bald wirds Zeit für ein kleines Happahappa, nicht? Karöttchen dazu, hm?"), dem Hasen ist´s egal. Er bleibt scheu und drin. Ich habe auch schon alles, was mir zur Welt der Hasen als passend und typisch einfällt in lockender Absicht vors Gebüsch gelegt, also Thymian, Rosmarin, etwas Knoblauch, ein paar Dörrpflaumen, dunklen Rotwein, feine Pinienkerne, zarten, rohen Speck zum Belegen, Lorbeer und sogar ein paar Wacholderbeeren. Kein Erfolg. Irgendwelche Ideen?
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Neidisch? Die Bäumchen gibts hier: kast-schlecker@arcor.de
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Der Eros ist auch nicht mehr das, was er einmal war

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