Zeigefinger und Daumen versuchen etwas Neues und fühlen sich wohl dabei

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Zwei Finger, die sonst „sehr gut!“ deuten,
Mal Schräubchen halten, Zwiebeln häuten,
Zwecks Geldabhub ein Kärtchen stecken,
Mal zwickend einen Zwackl necken –

Versuchen etwas Unbestimmtes:
Halb abgepflückt, halb hingedrückt,
Ein Fingerzeig, der weich entzückt.
Wieso? – Du siehst es, schon verschwimmt es.

Die Geste wär´ uns nie begegnet,
Blieb´ unbedacht und ungenossen,
Hätt´ Peter uns nicht reich gesegnet
Und sie für uns in Gold gegossen.
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Schwerkraft - die Geißel des Bergsteigens

Schwerkraft

Die Berge – lehrt die Wissenschaft –
vermögen es, durch ihre schiere
Materie extra schwer zu machen,
was sie besteigt. Die Menschen, Tiere,
quält höchste Erdanziehungskraft.
Wär´s nicht zum Weinen, müsst´ ich lachen.
Glaub´ nicht, was Reinhold Messmer sagt.
Vermeide jeden Bergkontakt.
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Hasen

Schaffen Sie sich keine Hasen an, sie werden es irgendwann bereuen. Freunde von mir ignorierten meine Warnung und bereuten innerhalb kürzester Frist dreimal bitterlich. Nana, wer wird denn weinen, kondolierte ich einfühlsam, Hasen sind wie Wollpullover, erst sind sie weich und kuschlig, dann gehen Sie ein. Jetzt schmücken frisch gepflanzte Rhododendren die kleinen Hasengräber und ein Gelegenheitsgedicht richtete Frauchen und Herrchen wieder auf:

Ein Kondolenzkerzlein
für Dani und Markus

I
Wenn Große sterben, ist es Brauch,
die Trauer wortreich auszufeilen.
Besonders Kleine darf ich auch
verewigen in ein paar Zeilen.
Drei Hasen sind ´s , die ich vergotte:
Luise, Leopold und Lotte.


II
Die liebe Lotte findet Ruh,
man steht am Grab erbleicht.
Das Frauchen deckt den Leichnam zu.
“Ach Du”, der Gatte reicht
ein Glas und klagt, “es tut mir weh,
wenn ich dich weinen seh´ - Chantré?”


III
“Luise, ach, wer, wenn nicht diese,
Erfreut´ uns durch ein sanftes Wesen?
Leg dich zu Lotte in die Wiese,
ein Engel bist du uns gewesen”,
so schluchzt die Frau, ihr Mann spricht: “Jö,
ich hol´ uns einen Dujardin.”


IV
Nur wenig später: Leopold –
ein Has´, den Löwen leben ließen,
wenn er mit ihnen spielen wollt´ –
verlässt die Kraft. Die Tränen fließen,
die Schaufel scharrt zum dritten Mal.
Der Gatte greift zum Cardenal.


V
Nun hocken zwei sich kondolie-
rend, die um Trost Bemühten brüten
vor rosa Rhododendronblüten.
Der arme Has´. Er lehrt uns, wie
wir tapfer unsern Kreis vollenden.
Das Kerzlein brennt an beiden Enden.

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