Tiergartenquelle

Weil ich wie alles Leben nach Gleichgewichtszuständen strebe, gehe ich seit geraumer Zeit einem Broterwerb nach, der das genaue Gegenteil meiner warnenden und auf die Vermeidung gefährlicher Handlungen zielenden Tätigkeit im Internet darstellt. Grundlebensmittel wie das umwerfend leckere Schweiger Bier (http://schweiger-bier.de/index.php) und kleinere Luxusartikel wie den von Kundigen leidenschaftlich verehrten Son of Hibachi (http://www.daerr.de/bestellen/ergebnis.lasso?id=3348638717180&sta=D&voll=hibachi&vo=d&mr=1&sr=0&-session=shop:C06DBE580c86c18E88NTYm2A87BE) kann ich mir nur darum leisten, weil ich anderen, die das nicht so überzeugend hinbekommen, geduldig dabei helfe, ihre Erzeugnisse und Fähigkeiten einem interessierten Publikum warm zu empfehlen.
Nun wurde ich von meinem Dachverband zu einem zünftigen Treffen nach Berlin in das Lokal „Tiergartenquelle“ mit dieser Fotografie eingeladen:

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Liebe Kollegen, wie werden wir bei dieser Zusammenkunft voraussichtlich die Zeit totschlagen? Indem wir einander die deprimierendsten Texterkrisen beichten? Im Halbdunkel die Backsteinmauern anstarren und leise fluchend der Proletarisierung der Massen in der Frühindustrialisierung nachsinnen? Schweigend trinken, bis wir von den Stühlen kippen? Gelangweilt warten bis der nächste Zug übers Kneipendach rumpelt? Davon träumen, wie schön es zuhause war? Nun, ich werde bei diesem Gildetreffen lieber aussetzen. Vielleicht beim nächsten Mal, z. B. im schönen Markt Schwaben beim Schweiger im sonnigen Bräuhaus.
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Zeigefinger und Daumen versuchen etwas Neues und fühlen sich wohl dabei

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Zwei Finger, die sonst „sehr gut!“ deuten,
Mal Schräubchen halten, Zwiebeln häuten,
Zwecks Geldabhub ein Kärtchen stecken,
Mal zwickend einen Zwackl necken –

Versuchen etwas Unbestimmtes:
Halb abgepflückt, halb hingedrückt,
Ein Fingerzeig, der weich entzückt.
Wieso? – Du siehst es, schon verschwimmt es.

Die Geste wär´ uns nie begegnet,
Blieb´ unbedacht und ungenossen,
Hätt´ Peter uns nicht reich gesegnet
Und sie für uns in Gold gegossen.
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Werbung, die fasziniert

Die Gemmels sind entweder derartig abgebrüht ironisch, dass ich meinen Hut vor ihnen ziehe, weil sie für eine schöne Pointe gerne auf ihren künftigen Umsatz verzichten,– oder aber einfach ein bisserl unbeholfen.

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Firmenschilder im Schwanzvergleich

Der Erfolg eines Kleinunternehmens wächst natürlich mit der Länge seines Firmenschildes, das versteht man ohne nachzudenken. Abends, wenn der Meister die Hände in den Schoß gelegt hat, geht er deshalb in sich und knobelt versonnen große Namen aus. Mit ein bisschen Phantasie geht das für ihn befriedigend aus und nur selten in die Hose. Hat er sich schließlich den längsten herausgegriffen, den er finden konnte, muss er nur noch ein mächtiges Schild vor dem Eingang annageln, das seine riesige Buchstabenlatte auch zu fassen vermag,– dann kommt die Kundschaft wie von selbst und das Geld fliesst in Strömen. Bis jetzt steht das bedeutendste mir bekannte Firmenschild in Wien. Es heisst „Leichtmetalljalousienerzeuger“. Die 29 Zeichen wurden nun allerdings schon fast getoppt durch den in Königsdorf ansässigen „Orthopädieschuhmachermeister“ (28 Z.). Der Wettbewerb ist eröffnet. Mal sehen, wer als nächstes mitmacht. Über meinem Büro steht übrigens „DoktorvogldergenauaufpasstwerdaslängsteSchildhatwarnt“.
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Ein bizarrer Repräsentant der traditionsreichen Firma Siemens

Von Zeit zu Zeit zwingen mich die Begleitumstände meiner Lebenshaltung, das ein oder andere Reklamemittel der Siemens Aktiengesellschaft zur Kenntnis zu nehmen. Ich leide. Sie sollen nicht leiden, deshalb warne ich Sie hier einmal in aller Form vor Lichtbildern wie diesem. Machen Sie die empfindlichen Äuglein fest zu, wenn Ihnen sowas unterkommt. Sonst klopft Ihnen die grausige Bildkeule die unangenehmsten Ideen in Ihren wehrlosen Kopf.

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Als erstes zwang mich das Bild, an einen Mord zu denken. Der Mann schreit auf, er wurde von hinten erschossen, soviel ist klar. Vielleicht hielt ihn der CIA seines Ziegenbärtleins wegen für einen erwachenden Schläfer der Taliban? Wer würde sonst so ein hässliches Lederimitattäschlein mit sich führen, wenn nicht ein von der Welt bereits völlig losgelöster Suizidaler?

Dann dachte es in mir: Nehmen wir an, er lebt noch, sein Schrei ist kein Todes- sondern ein Wutschrei. Vielleicht hat Mutti ihrem ziegenbärtigen Sohn zum achten Mal das gleiche hässliche Lederimitattäschlein geschenkt und er möchte es mit der Faust vernichten.

Noch Abwegigeres kam mir in den Sinn: Der Vertreter schreit vor Freude auf wegen einer Unterschrift, die ihm unter ein in dem hässlichen Lederimitattäschlein verborgenes Schriftstück gesetzt wurde. Er hat irgendeinen Abschluss bewirkt und kann deshalb nicht mehr an sich halten. Die Heiterkeit hetzt ihn fast in den Wahnsinn, so überwältigend paradiesisch ist das süße Geheimnis in seinem hässlichen Lederimitattäschlein.

Dann warf ich einen kurzen Blick auf den Hintergrund – und wie so oft: Der Kontext plaudert aus, was der Ziegenbärtige gern verschweigt: Der Siemenshandlungsreisende ist einfach blau. Sternhagelvoll. Strack und breit wie kein zweiter Siemensvertreter. Die kleine Ausbuchtung in seinem hässlichen Lederimitattäschlein passt präzise zu einer feinen Flasche Tullamore Dew, die der Kreischende bei einer Abteilungswette auf ex gelehrt hat. Danach konnte er nur noch „Yep!“ jauchzen, als ihn die Kollegen fragten: „He, Ziege, was dagegen wenn wir dich mit deinem hässlichen Lederimitattäschlein ablichten? Mach´ Fäustchen, Ziege. Und cheese!“
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