Rekorde
Zugspitzopfer
15.07.08 – warnt vor:Abgründe
des Bergsteigens
Ein Mann, der nach eigener Aussage „mehr als hundert
Bergläufe“ erfolgreich durchlitten hat, vertraut dem
Spiegel – nachdem er kürzlich erfolglos versucht
hatte im Schneetreiben den Zugspitzgipfel zu errennen
– dieses an:
„SPIEGEL ONLINE: Inwiefern haben Ihnen die Rettungskräfte geholfen?
Strackerjan: Die haben mich gepackt, hochgeführt und die ganze Zeit mit mir gesprochen. Ich habe zwar die kalten Hände und Füße gespürt, aber erstmals erfahren, wie es ist, wenn der Körper auf einmal nicht mehr das tut, was der Kopf will. Nie hätte ich gedacht, dass Wind solche Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben kann. Man müsste Arzt sein, um das zu wissen.“
Ich denke ganz konträr, er hat dabei erfahren, dass sein Kopf noch nie das tat, was sein Körper von ihm wollte: Denken. Anders kann ich mir nicht erklären, warum der Ironman Medizin studieren möchte, um zu ergründen, weshalb er sich im Schneesturm was Warmes anzuziehen hat.
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,565841,00.html
„SPIEGEL ONLINE: Inwiefern haben Ihnen die Rettungskräfte geholfen?
Strackerjan: Die haben mich gepackt, hochgeführt und die ganze Zeit mit mir gesprochen. Ich habe zwar die kalten Hände und Füße gespürt, aber erstmals erfahren, wie es ist, wenn der Körper auf einmal nicht mehr das tut, was der Kopf will. Nie hätte ich gedacht, dass Wind solche Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben kann. Man müsste Arzt sein, um das zu wissen.“
Ich denke ganz konträr, er hat dabei erfahren, dass sein Kopf noch nie das tat, was sein Körper von ihm wollte: Denken. Anders kann ich mir nicht erklären, warum der Ironman Medizin studieren möchte, um zu ergründen, weshalb er sich im Schneesturm was Warmes anzuziehen hat.
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,565841,00.html
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Doing a great job for just a smile
22.01.08 – warnt vor:Menschen, zu
meidende
Manche
Vorstandvorsitzende (BWL: Vovo) kamen vor kurzem
ihrer Bezüge wegen ins Gerede. Die Motivation der
kleinlichen Kritiker ist mit einem Wort abgetan:
Neid. Um die andere interessantere Frage zu
beantworten, weshalb die Herren eigentlich dieses
viele Geld nehmen – sie haben ja schon genügend –
müssen wir tiefer dringen. Sehen wir uns diese
Top-Leistungsträger einmal genauer an.
Sie sind unfassbar produktiv. Vovos verdienen mindestens einhundertmal so viel wie der durchschnittliche Angestellte, weil sie an einem Arbeitstag mühelos einhundertmal so viel leisten. Denselben Gewinnzuwachs, für den ein Arbeiter ein ganzes Jahr lang arbeiten muss, verschafft ein Vovo dem Konzern mit einem kühlen Anruf beim Betriebsrat und einer Unterschrift, die dem genannten Arbeiter in Zukunft viel Freizeit verschafft.
Sie zaubern. Manchmal stemmen Vovos durch die bloße mentale Kraft ihrer verantwortungsschweren Gedanken eine Währung hoch und werfen eine andere hinunter. Der Umtauschkurs verbessert sich, die Konzerngewinne schnellen nach oben. Ein Vovo nickt dazu ruhig vor dem Bildschirm, stellt das Kristallglas auf seiner Sekretärin ab, schliesst seinen Armani-Reissverschluß, heisst die Tippse sich kuschen, und wieder sind Millionen verdient. Ein Zuwachs, den der Arbeiter am Band nicht einmal bemerkt, geschweige denn mit einem so souveränen, väterlichen Nicken für das Unternehmen realisiert hätte. Es ist dieser Blick des Vovo, mit dem er das, was geschieht, aufnimmt und sich als Orden ans Revers steckt, der ihn so teuer und so wertvoll macht für sein Unternehmen.
Sie können immer und wollen immer. Ist ein Angestellter gut gelaunt – vielleicht wurde er gerade von seinem Abteilungsleiter in einem Gespräch unter vier Augen dazu motiviert, unter neuen Bedingungen doch noch im Unternehmen zu bleiben – dann macht er eine Überstunde oder ein paar hundert. Ist ein Vovo gut gelaunt, stellt er den verborgenen Hebel unter seinem Mahagonischreibtisch von Baisse auf Hausse, lächelt ob des Beweises seiner geradezu magischen Schaffenskraft und ruft nach seiner Sekretärin oder irgendeiner anderen weiblichen Hilfskraft, mit der er die Freude über die steilen Börsenkurse teilen kann. Wenn es die Unternehmensstrategie verlangt, macht er bis zum nächsten Morgen kein Auge zu. Zweimal der gleiche Impuls zur Leistung, aber welche Diskrepanz in der Umsetzung und im Effekt.
Sie jammern nie. Der normale Angestellte arbeitet von früh bis spät und manchmal auch etwas länger und lamentiert darüber ganz ungehörig. Der Vovo arbeitet immer. Sein Tag hat 48 Stunden und seine Woche mindestens 12 Tage. Dem Vovo vergeht die Zeit im Flug, er ist ständig unterwegs und immer froh, wenn er, ein gnädiger Zufall gewährt es selten, ein zweites Mal in den gleichen Whirlpool steigt, oder dort sogar ein zweites Mal die gleiche Dame antrifft. Während der Vovo bei professionellen Körper-Assistentinnen seine Jetlag-bedingten Verspannungen in strenger Zucht unter verhaltenem Stöhnen abarbeitet, um desto schneller wieder 150% seines Wertschöpfungsvermögens in den Dienst seiner AG stellen zu können, hält sich der Angestellte träge aus dem Bürofenster blickend mit der Frage auf, wann er eigentlich zuletzt seine Frau gesprochen hat.
Sie arbeiten eigentlich ehrenamtlich. Warum nimmt der Vovo also das viele Geld? Weil er es kriegt. Es ist ja da. Nicht, dass es ihm viel bedeuten würde. Denn sein wahrer Lohn ist ein Lächeln. Sein Lächeln. Das spitze, steife Lächeln, das seine Gesichtszüge sieghaft verzieht, wenn wieder einer der aufstrebenden Lohnabhängigen sich dazu erniedrigt, ihm die immer gleiche Strophe zu entlocken:
„Hehe, schon wahr, aber sie übertreiben, Schulze. So unersetzlich bin ich nicht. Natürlich, es gibt auch noch ein paar, vielleicht zwei, andere Vorstandsvorsitzende, die fast Vergleichbares leisten. Aus Ihnen wird noch was, Schulze. Sie sehen die Dinge aus dem richtigen Blickwinkel.“
Von ganz unten.
Sie sind unfassbar produktiv. Vovos verdienen mindestens einhundertmal so viel wie der durchschnittliche Angestellte, weil sie an einem Arbeitstag mühelos einhundertmal so viel leisten. Denselben Gewinnzuwachs, für den ein Arbeiter ein ganzes Jahr lang arbeiten muss, verschafft ein Vovo dem Konzern mit einem kühlen Anruf beim Betriebsrat und einer Unterschrift, die dem genannten Arbeiter in Zukunft viel Freizeit verschafft.
Sie zaubern. Manchmal stemmen Vovos durch die bloße mentale Kraft ihrer verantwortungsschweren Gedanken eine Währung hoch und werfen eine andere hinunter. Der Umtauschkurs verbessert sich, die Konzerngewinne schnellen nach oben. Ein Vovo nickt dazu ruhig vor dem Bildschirm, stellt das Kristallglas auf seiner Sekretärin ab, schliesst seinen Armani-Reissverschluß, heisst die Tippse sich kuschen, und wieder sind Millionen verdient. Ein Zuwachs, den der Arbeiter am Band nicht einmal bemerkt, geschweige denn mit einem so souveränen, väterlichen Nicken für das Unternehmen realisiert hätte. Es ist dieser Blick des Vovo, mit dem er das, was geschieht, aufnimmt und sich als Orden ans Revers steckt, der ihn so teuer und so wertvoll macht für sein Unternehmen.
Sie können immer und wollen immer. Ist ein Angestellter gut gelaunt – vielleicht wurde er gerade von seinem Abteilungsleiter in einem Gespräch unter vier Augen dazu motiviert, unter neuen Bedingungen doch noch im Unternehmen zu bleiben – dann macht er eine Überstunde oder ein paar hundert. Ist ein Vovo gut gelaunt, stellt er den verborgenen Hebel unter seinem Mahagonischreibtisch von Baisse auf Hausse, lächelt ob des Beweises seiner geradezu magischen Schaffenskraft und ruft nach seiner Sekretärin oder irgendeiner anderen weiblichen Hilfskraft, mit der er die Freude über die steilen Börsenkurse teilen kann. Wenn es die Unternehmensstrategie verlangt, macht er bis zum nächsten Morgen kein Auge zu. Zweimal der gleiche Impuls zur Leistung, aber welche Diskrepanz in der Umsetzung und im Effekt.
Sie jammern nie. Der normale Angestellte arbeitet von früh bis spät und manchmal auch etwas länger und lamentiert darüber ganz ungehörig. Der Vovo arbeitet immer. Sein Tag hat 48 Stunden und seine Woche mindestens 12 Tage. Dem Vovo vergeht die Zeit im Flug, er ist ständig unterwegs und immer froh, wenn er, ein gnädiger Zufall gewährt es selten, ein zweites Mal in den gleichen Whirlpool steigt, oder dort sogar ein zweites Mal die gleiche Dame antrifft. Während der Vovo bei professionellen Körper-Assistentinnen seine Jetlag-bedingten Verspannungen in strenger Zucht unter verhaltenem Stöhnen abarbeitet, um desto schneller wieder 150% seines Wertschöpfungsvermögens in den Dienst seiner AG stellen zu können, hält sich der Angestellte träge aus dem Bürofenster blickend mit der Frage auf, wann er eigentlich zuletzt seine Frau gesprochen hat.
Sie arbeiten eigentlich ehrenamtlich. Warum nimmt der Vovo also das viele Geld? Weil er es kriegt. Es ist ja da. Nicht, dass es ihm viel bedeuten würde. Denn sein wahrer Lohn ist ein Lächeln. Sein Lächeln. Das spitze, steife Lächeln, das seine Gesichtszüge sieghaft verzieht, wenn wieder einer der aufstrebenden Lohnabhängigen sich dazu erniedrigt, ihm die immer gleiche Strophe zu entlocken:
„Hehe, schon wahr, aber sie übertreiben, Schulze. So unersetzlich bin ich nicht. Natürlich, es gibt auch noch ein paar, vielleicht zwei, andere Vorstandsvorsitzende, die fast Vergleichbares leisten. Aus Ihnen wird noch was, Schulze. Sie sehen die Dinge aus dem richtigen Blickwinkel.“
Von ganz unten.
Verborgener Ballast
17.01.08 – warnt vor:Abgründe
des Bergsteigens
Ich lerne
ständig hinzu. Wussten Sie, dass ein menschlicher
Körper aus 10 Billionen Zellen besteht? Wenn Sie das
bereits erstaunlich finden, sollten Sie vor meiner
nächsten Mitteilung noch einmal tief Luft holen. Ein
Mensch beherbergt 10x10 Billionen Bakterien in seinem
Leib. Muss ich ausführen, welche Aufschlüsse das über
die Mühen des Bergsteigens gibt? 99% dieser Bakterien
leben in einer Körperregion, die die Wissenschaft
vielleicht etwas euphemistisch als Darmflora
bezeichnet. Wenn also demnächst wieder einer ohne
Sauerstoff auf den Mt. Everest steigt, klatschen Sie
nicht zu früh. Vielleicht hat er für den Gipfelsturm
nicht nur die Sauerstoffflaschen, sondern auch seine
Darmflora im Basecamp zurückgelassen. So ist das
natürlich ein Spaziergang.