Tote
Die Wissenschaft hat festgestellt: Emotionsarbeit macht krank
05.06.08 – warnt vor:Bedrohungen
allenthalben | Menschen, zu
meidende
Im
Callcenter, am Schalter und als Saftschubse im
Flieger: Grinsen ist Pflicht, auch wenn das Herz
einen ganz anderen Gesichtsausdruck präferieren
würde. Dieses Rumschleimen, weil der Boss es will,
macht krank, sagen die Psychologen. Was also tun als
gesundheitsbewusste Düse?
„Echte Gefühle machen Kunden zufrieden. Außerdem gibt es bestimmte Vorstellungen, die bei der Freundlichkeit helfen. Flugbegleiter stellen sich beispielsweise bei der Arbeit vor, sie befänden sich in ihrem Wohnzimmer und die Passagiere wären ihre Verwandte.“
(http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28053/1.html)
Das möchte ich lieber nicht erleben, wie der Flugbegleiter mit kaum verhohlenem Sadismus zu mir sagt: „Ach komm schon, ein Scheiberl geht schon noch vom Braten, bist doch ein Mannsbild. Wegen dem kleinen Knödel, hörst, schmeckens Dir etwa nicht? Vielleicht noch ein Haxerl von der Ente? Satt bist? Bist krank, vielleicht? Kriegst an Schnaps. Iss ruhig zu, nachher gibts bloss noch ein wenig Brotzeit und dann Kuchen, weisst schon die Cremetorte, die Du immer so magst…“
Vielleicht will er aber emotional authentisch sein und sagt auf dem Flug, irgendwo über der hässlichen Dänemark, was er denkt: „Jaja. Die böse, böse Uhr. Tja, jetzt waren wir alle mal wieder ein Stünderl zusammen, schön, jetzt müsst Ihr aber leider wieder aufbrechen, weil unsereins noch nach New York weiterfliegen will - allein; war schön, dass wir uns mal wieder an Bord gesehen haben, der Kapitän entriegelt gleich hinten die Ausstiegsluke, ich helf Euch noch in den Mantel, Bussi servus, - nein nein, das sieht nur so hoch aus, also raus mit Euch…“
„Echte Gefühle machen Kunden zufrieden. Außerdem gibt es bestimmte Vorstellungen, die bei der Freundlichkeit helfen. Flugbegleiter stellen sich beispielsweise bei der Arbeit vor, sie befänden sich in ihrem Wohnzimmer und die Passagiere wären ihre Verwandte.“
(http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28053/1.html)
Das möchte ich lieber nicht erleben, wie der Flugbegleiter mit kaum verhohlenem Sadismus zu mir sagt: „Ach komm schon, ein Scheiberl geht schon noch vom Braten, bist doch ein Mannsbild. Wegen dem kleinen Knödel, hörst, schmeckens Dir etwa nicht? Vielleicht noch ein Haxerl von der Ente? Satt bist? Bist krank, vielleicht? Kriegst an Schnaps. Iss ruhig zu, nachher gibts bloss noch ein wenig Brotzeit und dann Kuchen, weisst schon die Cremetorte, die Du immer so magst…“
Vielleicht will er aber emotional authentisch sein und sagt auf dem Flug, irgendwo über der hässlichen Dänemark, was er denkt: „Jaja. Die böse, böse Uhr. Tja, jetzt waren wir alle mal wieder ein Stünderl zusammen, schön, jetzt müsst Ihr aber leider wieder aufbrechen, weil unsereins noch nach New York weiterfliegen will - allein; war schön, dass wir uns mal wieder an Bord gesehen haben, der Kapitän entriegelt gleich hinten die Ausstiegsluke, ich helf Euch noch in den Mantel, Bussi servus, - nein nein, das sieht nur so hoch aus, also raus mit Euch…“
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Geläufige Irrtümer der Medizin
24.04.08 – warnt vor:Bedrohungen
allenthalben
Funktionsweise und
Endzweck des menschlichen Körpers sind zwei der
letzten großen Rätsel, sie warten auf endliche
Aufklärung wie sonst nur die Fragen „existiert
Gott?“, „wo existiert Bin Laden?“ und „Herzchen,
gehen wir zu dir oder zu mir?“
So wundert es nur wenig, dass über den Körper die wildesten Mythen kursieren. Einige davon habe ich für sie geprüft, seitdem dürfen sie als widerlegt gelten:
„Trinke 8 Glas Wasser am Tag – mindestens“ – das ist natürlich offensichtlich Unfug. Der Körper braucht Flüssigkeit, keine Frage, aber nachdem er zum Singen geschaffen ist, ja, zum Singen, sie lesen richtig, da gibt es nämlich ein ganz wundervolles Organ, ein himmlisches Instrument unter ihrem Kinn, das kann falsettieren, quintilieren, solfeggieren, solmisieren, sekundieren, tremolieren, kurz: singen, oder könnte es jedenfalls lernen, statt immer nur tagaustagein zu brabbeln; ich schließe demnach – ein für Belcanto geschaffener Körper braucht Bier, nicht Wasser. Ich würde mich schämen, nüchtern zu singen.
„Wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirns“ – das habe ich schon oft gelesen und noch jedesmal gewusst, dass in dem Satz nur das Subjekt und das Objekt falsch ist: Ihr nutzt nur 10 % eures Gehirns. Und, Hand aufs Herz, nicht einmal die für das Wesentliche, nämlich für den Zauber engelsgleicher Gesangskunst.
„Lesen bei schummrigem Licht verdirbt die Augen“ – Diese Behauptung ist ungefähr so gut begründet wie „Singen mit weniger als 8 Glas Bier verdirbt die Stimme.“ Das ist nicht der Fall. Man schämt sich nur ein bisschen dabei, wie vielleicht der Teenager mit seinem Herrenmagazin bei schummrigem Licht unter der Bettdecke. Den Augen macht das nichts. Die merken dabei doch erst, wozu sie gut sind.
„Mit vollem Bauch soll man nicht schwimmen gehen“. Stimmt. Wenn sie mit acht Bier im Bauch bei schummrigem Mondlicht in den nachtdunklen Teich steigen, werden sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit letal verschlucken, weil sie dort glücklich dahinschwimmend spontan zu singen anheben. Und mit den zehn Prozent Hirnkapazität finden sie in ihrer Panik kaum noch ans Ufer zurück. Also: Vorsicht.
So wundert es nur wenig, dass über den Körper die wildesten Mythen kursieren. Einige davon habe ich für sie geprüft, seitdem dürfen sie als widerlegt gelten:
„Trinke 8 Glas Wasser am Tag – mindestens“ – das ist natürlich offensichtlich Unfug. Der Körper braucht Flüssigkeit, keine Frage, aber nachdem er zum Singen geschaffen ist, ja, zum Singen, sie lesen richtig, da gibt es nämlich ein ganz wundervolles Organ, ein himmlisches Instrument unter ihrem Kinn, das kann falsettieren, quintilieren, solfeggieren, solmisieren, sekundieren, tremolieren, kurz: singen, oder könnte es jedenfalls lernen, statt immer nur tagaustagein zu brabbeln; ich schließe demnach – ein für Belcanto geschaffener Körper braucht Bier, nicht Wasser. Ich würde mich schämen, nüchtern zu singen.
„Wir nutzen nur zehn Prozent unseres Gehirns“ – das habe ich schon oft gelesen und noch jedesmal gewusst, dass in dem Satz nur das Subjekt und das Objekt falsch ist: Ihr nutzt nur 10 % eures Gehirns. Und, Hand aufs Herz, nicht einmal die für das Wesentliche, nämlich für den Zauber engelsgleicher Gesangskunst.
„Lesen bei schummrigem Licht verdirbt die Augen“ – Diese Behauptung ist ungefähr so gut begründet wie „Singen mit weniger als 8 Glas Bier verdirbt die Stimme.“ Das ist nicht der Fall. Man schämt sich nur ein bisschen dabei, wie vielleicht der Teenager mit seinem Herrenmagazin bei schummrigem Licht unter der Bettdecke. Den Augen macht das nichts. Die merken dabei doch erst, wozu sie gut sind.
„Mit vollem Bauch soll man nicht schwimmen gehen“. Stimmt. Wenn sie mit acht Bier im Bauch bei schummrigem Mondlicht in den nachtdunklen Teich steigen, werden sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit letal verschlucken, weil sie dort glücklich dahinschwimmend spontan zu singen anheben. Und mit den zehn Prozent Hirnkapazität finden sie in ihrer Panik kaum noch ans Ufer zurück. Also: Vorsicht.
Dumme Tiere
30.01.08 – warnt vor:Gefahren
in Flora und Fauna
Der
Uhu lebt im Wald. Er schläft
tags und jagt nachts. Stirbt ein Mensch, hört man
zuzeiten im Finstern sein dumpfes Huhu. Traf sichs
einmal andersrum, der Uhu rief erst und dann fuhr
einer dahin, wurden die Alten unruhig, entsetzten
sich, rannten wirr umher und riefen: `s Leichhuhn! `s
Leichhuhn!
Dumme Tiere
16.10.07 – warnt vor:Gefahren
in Flora und Fauna
Fleißige
Backenhörnchen horten feine Zirbelnüsse,
Mais und Pilze, jedes in seiner Kammer bis alles voll
ist, futtern dann Hanf und Mohn und schlafen fünf
kalte Monate selig durch. In Sibirien spüren
gefinkelte Bären die Vorratskammern auf, graben Sie
aus und fressen die ratzenden Backenhörnchen gleich
mit.
Hasen
08.09.07 – warnt vor:Gefahren
in Flora und Fauna
Schaffen Sie
sich keine Hasen an, sie werden es irgendwann
bereuen. Freunde von mir ignorierten meine Warnung
und bereuten innerhalb kürzester Frist dreimal
bitterlich. Nana, wer wird denn weinen, kondolierte
ich einfühlsam, Hasen sind wie Wollpullover, erst
sind sie weich und kuschlig, dann gehen Sie ein.
Jetzt schmücken frisch gepflanzte Rhododendren die
kleinen Hasengräber und ein Gelegenheitsgedicht
richtete Frauchen und Herrchen wieder auf:
Ein Kondolenzkerzlein
für Dani und Markus
I
Wenn Große sterben, ist es Brauch,
die Trauer wortreich auszufeilen.
Besonders Kleine darf ich auch
verewigen in ein paar Zeilen.
Drei Hasen sind ´s , die ich vergotte:
Luise, Leopold und Lotte.
II
Die liebe Lotte findet Ruh,
man steht am Grab erbleicht.
Das Frauchen deckt den Leichnam zu.
“Ach Du”, der Gatte reicht
ein Glas und klagt, “es tut mir weh,
wenn ich dich weinen seh´ - Chantré?”
III
“Luise, ach, wer, wenn nicht diese,
Erfreut´ uns durch ein sanftes Wesen?
Leg dich zu Lotte in die Wiese,
ein Engel bist du uns gewesen”,
so schluchzt die Frau, ihr Mann spricht: “Jö,
ich hol´ uns einen Dujardin.”
IV
Nur wenig später: Leopold –
ein Has´, den Löwen leben ließen,
wenn er mit ihnen spielen wollt´ –
verlässt die Kraft. Die Tränen fließen,
die Schaufel scharrt zum dritten Mal.
Der Gatte greift zum Cardenal.
V
Nun hocken zwei sich kondolie-
rend, die um Trost Bemühten brüten
vor rosa Rhododendronblüten.
Der arme Has´. Er lehrt uns, wie
wir tapfer unsern Kreis vollenden.
Das Kerzlein brennt an beiden Enden.
Ein Kondolenzkerzlein
für Dani und Markus
I
Wenn Große sterben, ist es Brauch,
die Trauer wortreich auszufeilen.
Besonders Kleine darf ich auch
verewigen in ein paar Zeilen.
Drei Hasen sind ´s , die ich vergotte:
Luise, Leopold und Lotte.
II
Die liebe Lotte findet Ruh,
man steht am Grab erbleicht.
Das Frauchen deckt den Leichnam zu.
“Ach Du”, der Gatte reicht
ein Glas und klagt, “es tut mir weh,
wenn ich dich weinen seh´ - Chantré?”
III
“Luise, ach, wer, wenn nicht diese,
Erfreut´ uns durch ein sanftes Wesen?
Leg dich zu Lotte in die Wiese,
ein Engel bist du uns gewesen”,
so schluchzt die Frau, ihr Mann spricht: “Jö,
ich hol´ uns einen Dujardin.”
IV
Nur wenig später: Leopold –
ein Has´, den Löwen leben ließen,
wenn er mit ihnen spielen wollt´ –
verlässt die Kraft. Die Tränen fließen,
die Schaufel scharrt zum dritten Mal.
Der Gatte greift zum Cardenal.
V
Nun hocken zwei sich kondolie-
rend, die um Trost Bemühten brüten
vor rosa Rhododendronblüten.
Der arme Has´. Er lehrt uns, wie
wir tapfer unsern Kreis vollenden.
Das Kerzlein brennt an beiden Enden.