Vorstandsvorsitzende
Die Botschaft der Engel
14.12.09 – warnt vor:Bedrohungen
allenthalben
Die ev. Kirche lädt mich ein zu einer Veranstaltung
im Festsaal der St. Johanneskirche mit Rudolf Lenhard zum Thema: der Mensch, die Globalisierung und die Moral
Kurz nach Kopenhagen und kurz vor Weihnachten möchten wir an diesem Abend unser Menschsein im globalen Horizont verorten. Die weihnachtliche Botschaft der Engel, Friede auf Erden, bedeutet viel in diesen Tagen.
Rudolf Lenhard, seit Jahren in einem internationalem Unternehmen tätig und zudem vielfältig in sozialen Projekten engagiert, wird mit uns die Frage diskutieren, wo der Ort des Einzelnen in der globalen Welt ist und wie die Verantwortung jedes Einzelnen Aussehen kann, ohne, dass die Aufgaben erdrücken oder ohnmächtig machen. Es geht an diesem Abend nicht um den moralischen Zeigefinger, sondern darum, wie wir mit Globalisierung (vielleicht lustvoll) gestalten können. Dies wollen wir in gewohnt heiterer Atmosphäre bei Wasser, Wein und Brot diskutieren.
Da nimmt sich ein sozial engagierter Herr Lenhard, der hastig gegoogelt ein CEO der Swiss Re sein könnte, und in dieser Funktion gerade die Wachstumspotentiale Lateinamerikas abzugrasen beginnt (http://www.bnamericas.com/interviews/insurance/Rudolf_Lenhard_,Munich_Re), einen ganzen Abend Zeit für die Gemeinde. Ihm wird zugesichert, der moralische Zeigefinger wird nicht erhoben und Spaß, vielleicht lustvoll, wird es ihm auch machen, wenn er diskutiert, „wo der Ort des Einzelnen in der globalen Welt ist“. Dabei sind diese Orte doch allesamt bekannt. Es sind drei: Da gibt es oben (CEO), unten und ganz unten. Selten bekommt man die Funktion der Religion so auf einen Blick präsentiert wie in dieser Einladung. Die Botschaft der Engel: In gewohnt heiterer Atmosphäre das Unerträgliche weiter gestalten. Und der Vorstand der Globalisierung nickt väterlich dazu.
im Festsaal der St. Johanneskirche mit Rudolf Lenhard zum Thema: der Mensch, die Globalisierung und die Moral
Kurz nach Kopenhagen und kurz vor Weihnachten möchten wir an diesem Abend unser Menschsein im globalen Horizont verorten. Die weihnachtliche Botschaft der Engel, Friede auf Erden, bedeutet viel in diesen Tagen.
Rudolf Lenhard, seit Jahren in einem internationalem Unternehmen tätig und zudem vielfältig in sozialen Projekten engagiert, wird mit uns die Frage diskutieren, wo der Ort des Einzelnen in der globalen Welt ist und wie die Verantwortung jedes Einzelnen Aussehen kann, ohne, dass die Aufgaben erdrücken oder ohnmächtig machen. Es geht an diesem Abend nicht um den moralischen Zeigefinger, sondern darum, wie wir mit Globalisierung (vielleicht lustvoll) gestalten können. Dies wollen wir in gewohnt heiterer Atmosphäre bei Wasser, Wein und Brot diskutieren.
Da nimmt sich ein sozial engagierter Herr Lenhard, der hastig gegoogelt ein CEO der Swiss Re sein könnte, und in dieser Funktion gerade die Wachstumspotentiale Lateinamerikas abzugrasen beginnt (http://www.bnamericas.com/interviews/insurance/Rudolf_Lenhard_,Munich_Re), einen ganzen Abend Zeit für die Gemeinde. Ihm wird zugesichert, der moralische Zeigefinger wird nicht erhoben und Spaß, vielleicht lustvoll, wird es ihm auch machen, wenn er diskutiert, „wo der Ort des Einzelnen in der globalen Welt ist“. Dabei sind diese Orte doch allesamt bekannt. Es sind drei: Da gibt es oben (CEO), unten und ganz unten. Selten bekommt man die Funktion der Religion so auf einen Blick präsentiert wie in dieser Einladung. Die Botschaft der Engel: In gewohnt heiterer Atmosphäre das Unerträgliche weiter gestalten. Und der Vorstand der Globalisierung nickt väterlich dazu.
Wie einer wird, was er ist
07.12.09 – warnt vor:Menschen zu
meidende
Hübsch: Eine Sonnenbrille reicht und Josef Ackermann
wird zu Tony Soprano:
http://www.sueddeutsche.de/,ra7m1/jobkarriere/464/496776/text/
Mit Junk-Bonds und Schrottzertifikaten ist er ja auch schon ganz wörtlich im Müll-Business der Sopranos angekommen. Einen entscheidenden Unterschied zwischen Ackermann und Soprano gibt es allerdings: Die Gewalt des Bankers zerstört das Leben vieler Menschen, ohne dass er zum Baseballschläger greifen müsste. Er greift zum vergoldeten Füllhalter.
http://www.sueddeutsche.de/,ra7m1/jobkarriere/464/496776/text/
Mit Junk-Bonds und Schrottzertifikaten ist er ja auch schon ganz wörtlich im Müll-Business der Sopranos angekommen. Einen entscheidenden Unterschied zwischen Ackermann und Soprano gibt es allerdings: Die Gewalt des Bankers zerstört das Leben vieler Menschen, ohne dass er zum Baseballschläger greifen müsste. Er greift zum vergoldeten Füllhalter.
Empörte Steinewerfer im Glashaus
25.11.09 – warnt vor:Menschen zu
meidende
Die Nepalesen. Die machen so Sachen, so archaische.
Opfern geschätzte 300.000 Viecher einer noch mehr
geschätzten Hindugottheit. Ein Gemetzel:
http://www.sueddeutsche.de/panorama/249/495573/text/
Vor Empörung verschlägt es der SZ gleich die Sprache, wenn das weltweit „größte Tieropferfest ... in Kathmandu tobt.“ Während unsere tierlieben Abergläubigen weltweit das Fest der freien Marktwirtschaft feiern, stirbt alle drei Sekunden ein Mensch an Hunger.
Einer der religiösen Teilnehmer spricht so: "Meine Tochter hat vor zwei Jahren geheiratet und ich hatte versprochen, ein Tier zu opfern, wenn sie ihr erstes Kind bekommt. Ich weiß, dass Opferungen keine gute Idee sind. Aber ich habe Angst, dass die Göttin böse wird, wenn ich mein Versprechen nicht halte.“
Nur mal als Frage in den Raum gestellt: Ob eventuell die Schamanen der Marktwirtschaft, wie beispielsweise Westerwelle, Hundt, Ackermann oder der Fischer, Angst haben, dass die Göttin der Gewinnmaximierung böse wird, wenn nicht mehr genügend Menschen dem Profit geopfert werden?
http://www.sueddeutsche.de/panorama/249/495573/text/
Vor Empörung verschlägt es der SZ gleich die Sprache, wenn das weltweit „größte Tieropferfest ... in Kathmandu tobt.“ Während unsere tierlieben Abergläubigen weltweit das Fest der freien Marktwirtschaft feiern, stirbt alle drei Sekunden ein Mensch an Hunger.
Einer der religiösen Teilnehmer spricht so: "Meine Tochter hat vor zwei Jahren geheiratet und ich hatte versprochen, ein Tier zu opfern, wenn sie ihr erstes Kind bekommt. Ich weiß, dass Opferungen keine gute Idee sind. Aber ich habe Angst, dass die Göttin böse wird, wenn ich mein Versprechen nicht halte.“
Nur mal als Frage in den Raum gestellt: Ob eventuell die Schamanen der Marktwirtschaft, wie beispielsweise Westerwelle, Hundt, Ackermann oder der Fischer, Angst haben, dass die Göttin der Gewinnmaximierung böse wird, wenn nicht mehr genügend Menschen dem Profit geopfert werden?
Der Patriarch und die Frau Käsmann
13.11.09 – warnt vor:Menschen zu
meidende
Die Russisch-orthodoxen haben ein Problem mit der
Bischöfin der EKD:
"Der Patriarch darf nicht mit der neuen Führerin der Lutheraner in Deutschland verkehren", schrieb die Zeitung Wremja Nowostej (SZ).
Allerdings nicht. Das will ich mir nicht mal vorstellen müssen. Es reicht doch, wenn sie miteinander reden, oder? Aber vielleicht muss auch das nicht sein, wenn man sich anschaut, was der Herr Patriarch so Reaktionäres plaudert an langen Tagen:
http://www.kath.net/detail.php?id=19660
"Der Patriarch darf nicht mit der neuen Führerin der Lutheraner in Deutschland verkehren", schrieb die Zeitung Wremja Nowostej (SZ).
Allerdings nicht. Das will ich mir nicht mal vorstellen müssen. Es reicht doch, wenn sie miteinander reden, oder? Aber vielleicht muss auch das nicht sein, wenn man sich anschaut, was der Herr Patriarch so Reaktionäres plaudert an langen Tagen:
http://www.kath.net/detail.php?id=19660
Piëch am 22.10.2008
03.04.09 – warnt vor:Menschen zu
meidende | Nachrichten
Eine Zusammenfassung ist
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Elefantenjagd
27.06.08 – warnt vor:Menschen zu
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Schäuble lädt ein
30.05.08 – warnt vor:Menschen zu
meidende | Nachrichten
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Ölkrise – pro und contra
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Süddeutsche Zeitung
18.03.08 – warnt vor:Nachrichten
| Menschen zu
meidende
SZ am
18.03.2008: „Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann
glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskraft der
Finanzmärkte. Die Versorgung mit Liquidität reiche
als Maßnahme nicht aus, sagte Ackermann. Die
Regierungen müssten Einfluss nehmen auf die Märkte.
Der Chef der größten deutschen Bank rief Regierungen
und Zentralbanken zu "mutigen Schritten" gegen die
Finanzmarktkrise auf.“
(http://www.sueddeutsche.de/,tt3m2/finanzen/artikel/492/164031/)
Ich glaube auch nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte und schlage deshalb die folgenden mutigen Schritte vor:
Schritt 1: Merkel ruft bei Ackermann an, und erkundigt sich, wo die Finanzmarktkrise wohnt.
Schritt 2: Die Finanzmarktkrise wird von der Regierung und der Zentralbank aufgefordert, das Land zu verlassen.
Schritt 3: Die Finanzmarktkrise wird via BILD-Kampagne umbenannt in „die schwere Zeit der Deutschen, die wir gemeinsam meistern werden“.
Schritt 4: Renten kürzen, Hartz 5, Agenda 2030. Die fortschreitende Enteignung der Bevölkerung verschafft der Regierung die Möglichkeit, den Finanzinstituten etwas auszuhelfen und den Märkten ein paar Ladenhüter abzunehmen, vielleicht aus dem Segment Hochgeschwindigkeitszüge?
Schritt 5: Puh. Das ist ja nochmal gut gegangen. Der Sockelarbeitslose stöhnt zwar ohne Zahnersatz, hat aber noch etwas Kleidung an. Probleme gibt es nur auf den Cayman Islands: Dort kriegen Sie nämlich nicht so viel Champagner in sich rein, wie sie möchten, um den erneuten Sieg über die Menschheit zu feiern und müssen kotzen vor Glück.
(http://www.sueddeutsche.de/,tt3m2/finanzen/artikel/492/164031/)
Ich glaube auch nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Finanzmärkte und schlage deshalb die folgenden mutigen Schritte vor:
Schritt 1: Merkel ruft bei Ackermann an, und erkundigt sich, wo die Finanzmarktkrise wohnt.
Schritt 2: Die Finanzmarktkrise wird von der Regierung und der Zentralbank aufgefordert, das Land zu verlassen.
Schritt 3: Die Finanzmarktkrise wird via BILD-Kampagne umbenannt in „die schwere Zeit der Deutschen, die wir gemeinsam meistern werden“.
Schritt 4: Renten kürzen, Hartz 5, Agenda 2030. Die fortschreitende Enteignung der Bevölkerung verschafft der Regierung die Möglichkeit, den Finanzinstituten etwas auszuhelfen und den Märkten ein paar Ladenhüter abzunehmen, vielleicht aus dem Segment Hochgeschwindigkeitszüge?
Schritt 5: Puh. Das ist ja nochmal gut gegangen. Der Sockelarbeitslose stöhnt zwar ohne Zahnersatz, hat aber noch etwas Kleidung an. Probleme gibt es nur auf den Cayman Islands: Dort kriegen Sie nämlich nicht so viel Champagner in sich rein, wie sie möchten, um den erneuten Sieg über die Menschheit zu feiern und müssen kotzen vor Glück.
Doing a great job for just a smile
22.01.08 – warnt vor:Menschen zu
meidende
Manche
Vorstandvorsitzende (BWL: Vovo) kamen vor kurzem
ihrer Bezüge wegen ins Gerede. Die Motivation der
kleinlichen Kritiker ist mit einem Wort abgetan:
Neid. Um die andere interessantere Frage zu
beantworten, weshalb die Herren eigentlich dieses
viele Geld nehmen – sie haben ja schon genügend –
müssen wir tiefer dringen. Sehen wir uns diese
Top-Leistungsträger einmal genauer an.
Sie sind unfassbar produktiv. Vovos verdienen mindestens einhundertmal so viel wie der durchschnittliche Angestellte, weil sie an einem Arbeitstag mühelos einhundertmal so viel leisten. Denselben Gewinnzuwachs, für den ein Arbeiter ein ganzes Jahr lang arbeiten muss, verschafft ein Vovo dem Konzern mit einem kühlen Anruf beim Betriebsrat und einer Unterschrift, die dem genannten Arbeiter in Zukunft viel Freizeit verschafft.
Sie zaubern. Manchmal stemmen Vovos durch die bloße mentale Kraft ihrer verantwortungsschweren Gedanken eine Währung hoch und werfen eine andere hinunter. Der Umtauschkurs verbessert sich, die Konzerngewinne schnellen nach oben. Ein Vovo nickt dazu ruhig vor dem Bildschirm, stellt das Kristallglas auf seiner Sekretärin ab, schliesst seinen Armani-Reissverschluß, heisst die Tippse sich kuschen, und wieder sind Millionen verdient. Ein Zuwachs, den der Arbeiter am Band nicht einmal bemerkt, geschweige denn mit einem so souveränen, väterlichen Nicken für das Unternehmen realisiert hätte. Es ist dieser Blick des Vovo, mit dem er das, was geschieht, aufnimmt und sich als Orden ans Revers steckt, der ihn so teuer und so wertvoll macht für sein Unternehmen.
Sie können immer und wollen immer. Ist ein Angestellter gut gelaunt – vielleicht wurde er gerade von seinem Abteilungsleiter in einem Gespräch unter vier Augen dazu motiviert, unter neuen Bedingungen doch noch im Unternehmen zu bleiben – dann macht er eine Überstunde oder ein paar hundert. Ist ein Vovo gut gelaunt, stellt er den verborgenen Hebel unter seinem Mahagonischreibtisch von Baisse auf Hausse, lächelt ob des Beweises seiner geradezu magischen Schaffenskraft und ruft nach seiner Sekretärin oder irgendeiner anderen weiblichen Hilfskraft, mit der er die Freude über die steilen Börsenkurse teilen kann. Wenn es die Unternehmensstrategie verlangt, macht er bis zum nächsten Morgen kein Auge zu. Zweimal der gleiche Impuls zur Leistung, aber welche Diskrepanz in der Umsetzung und im Effekt.
Sie jammern nie. Der normale Angestellte arbeitet von früh bis spät und manchmal auch etwas länger und lamentiert darüber ganz ungehörig. Der Vovo arbeitet immer. Sein Tag hat 48 Stunden und seine Woche mindestens 12 Tage. Dem Vovo vergeht die Zeit im Flug, er ist ständig unterwegs und immer froh, wenn er, ein gnädiger Zufall gewährt es selten, ein zweites Mal in den gleichen Whirlpool steigt, oder dort sogar ein zweites Mal die gleiche Dame antrifft. Während der Vovo bei professionellen Körper-Assistentinnen seine Jetlag-bedingten Verspannungen in strenger Zucht unter verhaltenem Stöhnen abarbeitet, um desto schneller wieder 150% seines Wertschöpfungsvermögens in den Dienst seiner AG stellen zu können, hält sich der Angestellte träge aus dem Bürofenster blickend mit der Frage auf, wann er eigentlich zuletzt seine Frau gesprochen hat.
Sie arbeiten eigentlich ehrenamtlich. Warum nimmt der Vovo also das viele Geld? Weil er es kriegt. Es ist ja da. Nicht, dass es ihm viel bedeuten würde. Denn sein wahrer Lohn ist ein Lächeln. Sein Lächeln. Das spitze, steife Lächeln, das seine Gesichtszüge sieghaft verzieht, wenn wieder einer der aufstrebenden Lohnabhängigen sich dazu erniedrigt, ihm die immer gleiche Strophe zu entlocken:
„Hehe, schon wahr, aber sie übertreiben, Schulze. So unersetzlich bin ich nicht. Natürlich, es gibt auch noch ein paar, vielleicht zwei, andere Vorstandsvorsitzende, die fast Vergleichbares leisten. Aus Ihnen wird noch was, Schulze. Sie sehen die Dinge aus dem richtigen Blickwinkel.“
Von ganz unten.
Sie sind unfassbar produktiv. Vovos verdienen mindestens einhundertmal so viel wie der durchschnittliche Angestellte, weil sie an einem Arbeitstag mühelos einhundertmal so viel leisten. Denselben Gewinnzuwachs, für den ein Arbeiter ein ganzes Jahr lang arbeiten muss, verschafft ein Vovo dem Konzern mit einem kühlen Anruf beim Betriebsrat und einer Unterschrift, die dem genannten Arbeiter in Zukunft viel Freizeit verschafft.
Sie zaubern. Manchmal stemmen Vovos durch die bloße mentale Kraft ihrer verantwortungsschweren Gedanken eine Währung hoch und werfen eine andere hinunter. Der Umtauschkurs verbessert sich, die Konzerngewinne schnellen nach oben. Ein Vovo nickt dazu ruhig vor dem Bildschirm, stellt das Kristallglas auf seiner Sekretärin ab, schliesst seinen Armani-Reissverschluß, heisst die Tippse sich kuschen, und wieder sind Millionen verdient. Ein Zuwachs, den der Arbeiter am Band nicht einmal bemerkt, geschweige denn mit einem so souveränen, väterlichen Nicken für das Unternehmen realisiert hätte. Es ist dieser Blick des Vovo, mit dem er das, was geschieht, aufnimmt und sich als Orden ans Revers steckt, der ihn so teuer und so wertvoll macht für sein Unternehmen.
Sie können immer und wollen immer. Ist ein Angestellter gut gelaunt – vielleicht wurde er gerade von seinem Abteilungsleiter in einem Gespräch unter vier Augen dazu motiviert, unter neuen Bedingungen doch noch im Unternehmen zu bleiben – dann macht er eine Überstunde oder ein paar hundert. Ist ein Vovo gut gelaunt, stellt er den verborgenen Hebel unter seinem Mahagonischreibtisch von Baisse auf Hausse, lächelt ob des Beweises seiner geradezu magischen Schaffenskraft und ruft nach seiner Sekretärin oder irgendeiner anderen weiblichen Hilfskraft, mit der er die Freude über die steilen Börsenkurse teilen kann. Wenn es die Unternehmensstrategie verlangt, macht er bis zum nächsten Morgen kein Auge zu. Zweimal der gleiche Impuls zur Leistung, aber welche Diskrepanz in der Umsetzung und im Effekt.
Sie jammern nie. Der normale Angestellte arbeitet von früh bis spät und manchmal auch etwas länger und lamentiert darüber ganz ungehörig. Der Vovo arbeitet immer. Sein Tag hat 48 Stunden und seine Woche mindestens 12 Tage. Dem Vovo vergeht die Zeit im Flug, er ist ständig unterwegs und immer froh, wenn er, ein gnädiger Zufall gewährt es selten, ein zweites Mal in den gleichen Whirlpool steigt, oder dort sogar ein zweites Mal die gleiche Dame antrifft. Während der Vovo bei professionellen Körper-Assistentinnen seine Jetlag-bedingten Verspannungen in strenger Zucht unter verhaltenem Stöhnen abarbeitet, um desto schneller wieder 150% seines Wertschöpfungsvermögens in den Dienst seiner AG stellen zu können, hält sich der Angestellte träge aus dem Bürofenster blickend mit der Frage auf, wann er eigentlich zuletzt seine Frau gesprochen hat.
Sie arbeiten eigentlich ehrenamtlich. Warum nimmt der Vovo also das viele Geld? Weil er es kriegt. Es ist ja da. Nicht, dass es ihm viel bedeuten würde. Denn sein wahrer Lohn ist ein Lächeln. Sein Lächeln. Das spitze, steife Lächeln, das seine Gesichtszüge sieghaft verzieht, wenn wieder einer der aufstrebenden Lohnabhängigen sich dazu erniedrigt, ihm die immer gleiche Strophe zu entlocken:
„Hehe, schon wahr, aber sie übertreiben, Schulze. So unersetzlich bin ich nicht. Natürlich, es gibt auch noch ein paar, vielleicht zwei, andere Vorstandsvorsitzende, die fast Vergleichbares leisten. Aus Ihnen wird noch was, Schulze. Sie sehen die Dinge aus dem richtigen Blickwinkel.“
Von ganz unten.